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"Das Geheimnis meines Vaters": Parfümfabriken und aufgemalter Teppichboden

In der ARD soll eine neue Mischung aus Familienserie und Krimi das Vorabendprogramm erobern. "Das Geheimnis meines Vaters" wird zunächst in 50 Folgen die mysteriöse Vergangenheit eines Parfümfabrikanten aufdecken.

Vollkommen aufgelöst taucht der Chef einer Parfümfabrik (René Schoenenberger) am späten Abend bei seiner 27- jährigen Tochter (Anna Voy Kunith) in Berlin auf und übergibt ihr ein geheimnisvolles Päckchen. Auf seinen Wunsch fährt sie am nächsten Tag zum Geburtstag ihrer Mutter (Heike Trinker) in ihre Heimatstadt Wismar. Während ihr Vater mysteriöserweise verschwunden zu sein scheint, taucht dort ihre Jugendliebe (Sven Waasner) auf, mittlerweile zum Kriminalkommissar aufgestiegen. Mit der zunächst auf 50 Folgen angelegten Serie "Das Geheimnis meines Vaters", die ab dem 15. August jeweils von dienstags bis freitags um 18.50 Uhr läuft, will die ARD ihr Vorabendprogramm neu beleben.

"Tempo und Spannung ziehen langsam an"

"Der Herbst wird nicht einfach für uns", sagt Verena Kulenkampff, Koordinatorin des ARD-Vorabendprogramms. "Bisher hat nur das Erste auf dem Sendeplatz um 18.50 Uhr fiktionales Programm angeboten. Nun setzen gleich zwei kommerzielle Sender ihre Serien dagegen." Ab 21. August strahlt Sat.1 immer um 18.45 Uhr die neue Telenovela "Schmetterlinge im Bauch" aus, während bei RTL ab 4. September schon um 19.05 Uhr mit "Alles was zählt" die Soap-Stunde beginnt. Nach Beendigung der Telenovela "Sophie - Braut wider Willen" mit Yvonne Catterfeld lief zuletzt die Doku-Soap "Die Tierretter von Aiderbichl" auf diesem Sendeplatz, der sich an die Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen richtet, aber auch das ältere Publikum ansprechen soll.

Das Konzept zu "Das Geheimnis meines Vaters" haben die beiden Autoren Markus Stromiedel ("Tatort", "Stubbe: Von Fall zu Fall") und Kerstin Engel ("Zwei Engel auf Streife") entwickelt. "Zum ersten Mal wird im deutschen Fernsehen eine langfristig laufende Serie ausgestrahlt, die die Genres Familienserie und Krimi miteinander verbindet", so Stromiedel. "Das Tempo und die Spannung ziehen darin langsam an." An der Produktion dieser Vorabendserie, die zunächst bis Mitte November in der ARD laufen soll, sind über 20 Autoren und Dramaturgen beteiligt.

Familiengeheimnis weit in der Vergangenheit

"Die Stärke dieses Formats liegt darin, dass ich mir meine Texte nicht drei Mal durch den Kopf gehen lassen kann, sondern improvisieren muss", berichtet Kunith, die aus über 200 Bewerberinnen für die weibliche Hauptrolle ausgewählt wurde. Mit ihrer Figur, die aus der Enge der Kleinstadt ausgebrochen ist und unfreiwillig wieder in ihre Heimat zurückkehrt, könne sie sich gut identifizieren. Bei ihren Nachforschungen nach dem verschwundenen Vater stößt sie auf ein Familiengeheimnis, das weit in die Vergangenheit zurückreicht.

Zu den zentralen Schauplätzen der Serie, die als erste industrielle Serienproduktion im Studio Hamburg entsteht, gehören eine Polizeiwache, ein pittoreskes Fischrestaurant, ein kleiner Buchladen mit Café, die Wohnungen der Protagonisten, aber auch eine stilvolle Parfümfabrik, ein begehbarer Kirchturm sowie ein hölzernes Bootshaus inklusive einer Segelyacht, die in einem 4 x 6 Meter großen Wasserbecken vor sich hin dümpelt. Sämtliche Fußböden sind nicht verlegt, sondern täuschend echt wie Teppichboden, Parkett oder Fliesen auf den Studioboden gemalt worden, damit die Kameras beim Dreh schnell von einem Raum zum anderen gefahren werden können.

Szenenwechsel mit Coach

Damit die jungen Darsteller trotz der ständigen Szenenwechsel stets genau wissen, welche emotionalen Entwicklungen ihre Figuren gerade durchlaufen, werden ihnen bei den Dreharbeiten zwei Coachs an die Seite gestellt. Nach drei Jahren Dauereinsatz in der RTL-Soap "Unter uns" ist Waasner froh, jetzt eine Hauptrolle zu spielen. "Mir ist wichtig, dass die Geschichte kurz gehalten wird, denn Telenovelas sind ein undankbares Format für Schauspieler", sagt der ehemalige Lee-Strasberg-Schüler. Entweder würden diese Serien solange verlängert, bis sie nur noch mit dünnem Kaffee vergleichbar seien, oder aber sofort abgesetzt.

Birgit Heidsiek/DPA / DPA
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