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"Der Bibelcode": Die heilige Johanna von ProSieben

ProSieben lässt Cosma Shiva Hagen einem mysteriösen "Bibelcode" nachjagen, um Papst Joachim Fuchsberger das Leben zu retten. Es wird viel gemunkelt, gerätselt und geflohen. Nebenbei erfährt Frau Hagen, dass sie eine Seherin ist - und sieht erstmal gar nicht, wo das alles hinführen soll. Dem Zuschauer geht es ähnlich.

Von Peer Schader

Es ist wieder Zeit für Abenteuer. Irgendwas liegt in der Luft, das dem gerade zu Ende gegangenen August und dem nun beginnenden September eine besondere Spannung verleiht. Sonst hätte RTL ja nicht gestern seinen Film "Die Jagd nach dem Schatz der Nibelungen" gezeigt, einen Tag bevor ProSieben nun mit dem selbst produzierten Zweiteiler "Der Bibelcode" nachlegt. Bei soviel Abenteuer muss man froh sein, dass diese Woche Sat1 nicht noch das Bernsteinzimmer ausgräbt.

Nun endet es oft ziemlich peinlich, wenn das deutsche Fernsehen abenteuerlustig wird. Zum einen, weil - wie die Produzenten gerne jammern - nicht genug Geld da ist, um mit den Hollywood-Blockbustern mithalten zu können. Zum anderen aber auch, weil - wie die Kritiker gerne jammern - einfach nicht genug originelle Ideen da sind, um im Abenteuer-Genre noch mal was reißen zu können.

Ganz schön ermüdend

Es gibt eine gute und eine schlechte Nachricht für alle, die sich heute Abend den ersten Teil des "Bibelcodes" ansehen wollen: richtig peinlich ist er nicht, das ist die gute Nachricht. Und Cosma Shiva Hagen sieht beim Verzweifelt-Gucken wirklich sehr attraktiv aus. Aber darüber hinaus besteht erhöhte Einschlafgefahr bei der Geschichte, deren Handlung man so leicht vergisst, weil man damit beschäftigt ist, die vielen Verfolgungsjagden mitzuzählen, die mit der Zeit ganz schön ermüdend werden, und zwar nicht nur für die Protagonisten.

Dabei hat sich ProSieben soviel Mühe gegeben, eine gar nicht alltägliche Geschichte zu erzählen: Die grundehrliche Polizistin Johanna (Cosma Shiva Hagen) wird mit dem Assistenten ihres Vaters (Oliver Sitruk) in die mysteriöse Suche nach einem Code verwickelt, mit dem sich die Urform der Bibel so dechiffrieren lässt, dass sich daraus Prophezeiungen ablesen lassen. Simpel gesagt: Wer den Code hat, braucht bloß ein bisschen blättern, um die Zukunft zu sehen.

Und die Zukunft bringt, wie sollte es anders sein, nichts Gutes: Der Kardinal von Avignon, ein fieser Typ mit einer schlimmen randlosen Brille, will Papst Innozenz V, eminenzgerecht gespielt von Joachim Fuchsberger, ins Jenseits befördern, um selbst den Ton angeben zu können - und nebenbei die sündenanfällige Menschheit ausrotten.

Alle paar Minuten ein Verfolger

Nur eines hat er nicht bedacht, der Fiesling: die Johanna! Die muss selbstlos ertragen, dass ständig auf sie geschossen wird, einen lustig glänzenden Dechiffrierteller suchen, erfährt nebenbei noch, dass sie eine Seherin ist und sieht erstmal gar nicht, wo das alles hinführen soll. Immerhin: da geht's ihr so wie uns. Von einem Ort zum nächsten jagt der "Bibelcode" seine Zuschauer, von München nach Graz nach Rom in die Steiermark in die Wüste vor Jerusalem und wieder zurück. So ist das eben, wenn Sender aus mehreren Ländern gemeinsam produzieren. Der Film ist aufwändig gemacht, mit jeder Menge fantastischer Kulissen: alten Klöstern, düsteren Verliesen und prunkvollen Zimmern. Aber die ständige Jagd geht einem irgendwann ganz schön auf die Nerven und bietet trotz der vielen Orte kaum Abwechslung. Nach ein paar Minuten taucht immer ein schwarz gekleideter Verfolger auf, der wild herumzuschießen beginnt, und die kluge Johanna prophezeit: "Verdammt, wir müssen hier weg."

Glaubwürdigkeit, Witz und Spannung?

Die Bibelthemen haben's ProSieben scheinbar angetan: 2002 brachte der Sender bereits den Film "Das Jesus-Video", in dem sich ein Forscher auf die Suche nach einer Video-Aufnahme macht, die ein Zeitreisender vom Sohn Gottes gemacht haben soll. Dagegen ist die Geschichte des "Bibelcode" geradezu realistisch - auch wenn das ganze Bohei um Kirche und Religion hier bloß als Kulisse dient. Glaubwürdig ist das nie und nimmer. Nun sind Abenteuerfilme aber eh selten für ihre Nachvollziehbarkeit bekannt, sondern eher für ihren Witz, ihre Spannung und die Kunst, den Zuschauer zu fesseln. Der "Bibelcode" allerdings hat nichts davon: Es gibt nichts zu lachen, keine Szene, in der man mitbangen mag, und dass Cosma Shiva Hagen jemanden zum Knutschen findet, ist jetzt auch nicht unbedingt eine Sensation. Ständig wird angedeutet, gerätselt, geflohen, und zum Schluss ist es eigentlich schon egal, wie das alles ausgeht.

"Ich weiß auch noch nicht genau, wer ich bin. Letztendlich bin ich auch nur ein Mensch. Ich kann das Schicksal dieser Welt nicht auf mich nehmen", sagt Johanna am Ende zu Papst Fuchsberger I. Ach, hätten sie der armen Cosma bei ProSieben doch wenigstens diesen Deppenmonolog erspart! Abenteuerfilme, das müssten die deutschen Sender eigentlich langsam mal einsehen, sind einfach nicht so ihr Ding.

"Der Bibelcode", Teil 1 am Montag, 1. September, Teil 2 am Dienstag, 2. September, jeweils um 20.15 Uhr auf ProSieben