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"Die Alm" auf ProSieben: Bergdoktor "rettet" Megabusen

Tag 8 in Südtirol: Gina-Lisa gibt auf, Tessa macht Chicken-Alarm – und die ganze Sendung ist ein dünner Abklatsch des "Dschungelcamps".

Von Frank Thomsen

Manchmal braucht der Kopf Pause. Also packen wir "Schoßgebete" beiseite, obwohl wir gerade an der Stelle angekommen sind, an der Charlotte Roche die "Bild"-Zeitung gallig niedermacht, und schalten "Die Alm" ein, Folge acht. Es ist die Folge, an deren Ende Gina-Lisa Lohfink, ein Topmodel-Sternchen mit Megabusen, ihren Abschied von der kärglichen Alm verkündet. Mit Erkältung und Mittelohrentzündung war sie ins Krankenhaus gekommen - zu ihrer eigenen Überraschung nicht mit einem Rettungshubschrauber, sondern nur im Krankenwagen. Und nun ist Schluss. Pro Sieben muss die Sexbombe der Sendung ziehen lassen.

Ansonsten sollten die Bewohner der Alm die Hühner einfangen. Das gefiel Tessa (Topmodel-Kandidatin) nicht, die alle Hühner wenig später wieder frei ließ. Darauf drehte Rolfe (Kosmetiker) durch und schrie durch die Südtiroler Bergwelt: "Mach hier nicht so auf schlaue Kuh" und "Was soll die Scheiße?" Das fragte man sich zu diesem Zeitpunkt längst auch, doch dann kam der Checker (Ex-"Deutschland sucht den Superstar"-Teilnehmer) zur, Vorsicht: Brüller, Muh-Probe. Eine der Fragen: Wenn 16 Menschen 24 Tage mit einer Wasserration auskommen, wie lange kommen dann 8 Menschen mit der Ration aus. Antwort des Checkers: 12.

Die schlechte Kopie

Die "Alm" ist der arme Bruder vom "Dschungelcamp". Die Stars sind ein bisschen schlechter gecastet. Das Setting – Alm statt Dschungel – ist nicht so abenteuerlich. Die Prüfungen sind weniger gehässig. Gegen Sonja Zietlow und Dirk Bach wirken die beiden Moderatoren, deren Namen man sich nicht merken muss, wie Anfänger ihres Fachs. Vor allem aber: Die Regie und die Autoren von Pro Sieben sind nicht so gut wie die von RTL. Das "Dschungelcamp" lebt von exakten Scripts, auf die Spitze getriebener Bösartigkeit gegenüber den C-Promis, einem Schuss Sadismus, der aber nicht wirklich wehtut, weil es ja scheinbar "die Richtigen" trifft. Die "Alm" versucht erkennbar, all dies zu imitieren. Doch das gelingt nicht. Nur ein Beispiel: Nachdem die Bewohner der Alm über Gina-Lisa als "Kult" gesprochen haben, sagt der Moderator: "Gina-Lisa Kult! Das Tamagotchi war in den 80ern Kult. Da war aber auch weniger Plastik dran." Solche Gags gibt es auch beim "Dschungelcamp". Dort werden sie zelebriert. Auf der Alm nur heruntergehechelt.

So gibt es Gerechtigkeit auch im Trash: Das "Dschungelcamp" verfolgen acht Millionen Menschen Tag für Tag, die "Alm" nur ein paar mehr als eine Million. Und das, obwohl die "Bild"-Zeitung mächtig Werbung gemacht hat. Weiter im Text also mit Charlotte Roche.

  • Frank Thomsen