Phänomen Gina-Lisa Der Wonderbra des Trash-Fernsehens


Fleißig bastelt ProSieben daran, "Topmodel"-Teilnehmerin Gina-Lisa zur neuen Quoten-Bringerin aufzubauen. Im Zuge der medialen Ausschlachtung hat die 21-Jährige jetzt ihre eigene Sendung bekommen. Doch Zweifel werden wach, ob der Wonderbra des Trash-TV wirklich pusht.
Von Katharina Miklis

Bei ProSieben wird sie als das neue Aushängeschild gehandelt. Die große Hoffnung des Trash-Fernsehens. Gina-Lisa Lohfink. Die eigentliche Gewinnerin von "Germany's next Topmodel". Seit sie aus Heidi Klums Model-WG ausgeschieden ist (zu prollig, zu laut, zu derbe und zu große Brüste) ging der Hype um die "heftige Portion Frau" erst richtig los. Der Sender sah ihr, nennen wir es mal Potenzial, und machte sich an die mediale Ausschlachtung der 21-Jährigen.

Viel Busen um nichts

Sie bekam ihre eigene Internetshow auf ProSieben.de, eine Rubrik im "Taff"-Magazin und wurde von Talkshow zu Talkshow durchgereicht. Große Klappe, keine Schamgrenze und noch so herrlich unverbraucht. Gina-Lisa spricht damit eine ganz bestimmte Zielgruppe an - sie ist die neue Zlatko des Unterschichtenfernsehens. Fanclubs im Internet, eine eigene T-Shirt-Kollektion und einen "Zack die Bohne"-Song - noch wirken die "Topmodel"-Wehen nach. Überall, wo eine dralle Blondine für die Quote gebraucht wurde, durfte Gina-Lisa mal durchs Bild laufen. Zuletzt bei "Gülcan und Collien ziehen aufs Land", der quotenmäßig schwächelnden Doku-Soap. Doch der Wonderbra des Trash-Fernsehens pusht nicht mehr. Zu oft getragen, lässt er schon jetzt die Quote hängen.

Doch davon will man bei ProSieben nichts wissen. Nicht jetzt, kurz vor dem Start von Gina-Lisas eigener Show - im Fernsehen! Bei ihrem Heimatsender wird die Paris Hilton für Arme gehandelt wie die Hotelerbin selbst. Interviewanfragen werden abgewehrt. Der Star sei total im Stress, heißt es. Hastet von Termin zu Termin. Man müsse doch bitte verstehen: Rote Teppiche, Fotoshootings, Dreharbeiten... Und dann steht ja auch noch die Rolle in ihrem ersten großen ProSieben-Film an. Der Sender gibt sich alle Mühe, das Phänomen "Gina-Lisa" so lange wie möglich interessant zu halten.

Sex, Drugs und Rock'n'Proll

  Als es - oh Wunder - dann doch noch mit einem Kurzinterview klappt, merkt man schnell, dass "Miss Frankfurt" auch nicht besonders viel zu erzählen hat. Viel Busen um nichts. Vielleicht hat ProSieben deswegen auch nur zwei Folgen von "Gina-Lisas Welt" angesetzt. Dass ihre Familie schon immer gewusst hat, dass Gina-Lisas großer Tag noch kommen wird, erzählt sie. Und, dass man im Showgeschäft tief fallen kann. Gähn. Deshalb sei sie für jeden Tag dankbar, an dem sie die Menschen noch sehen wollen. Dass sie zurzeit von einem Skandal (betrunken am Steuer) zum nächsten (angebliches Sexvideo) schlittert, ist kein ausgeklügelter PR-Trick. Nein, das wird in den Medien immer total falsch dargestellt. Gina-Lisa hat sich da ihre Gedanken gemacht: "Manche Medien übertreiben halt gerne!". Ihr wäre es ohnehin viel lieber gewesen, wenn einiges nicht herausgekommen wäre. Andererseits, was sei denn auch so schlimm an einem Sex-Tape? "Ich habe Party gemacht, damals. Jetzt stehe ich in der Öffentlichkeit und plötzlich heißt es: 'Oh Gott, sie hat mit ihrem Freund geschlafen!' Was ist daran bitte so spektakulär?"

Nichts, nur dass es herrlich zu dem Porno-Proll-Image der 21-Jährigen ("I have big Möpse") passt, an dem gerade eifrig gefeilt wird. Zur Not auch in Schmuddel-Sphären, hauptsache nicht uninteressant werden. Jetzt soll auch noch ein Pornodreh-Angebot bei der ehemaligen Fitnesstrainerin auf dem Tisch liegen. "Stimmt nicht", sagt Gina-Lisa und ruft im Interview dazu auf, ihr bitte bitte keine Angebote zu schicken. Dem Sender schadet es sicherlich nicht, wenn ihr neuer Trash-Star durch die Boulevard-Blätter geistert.

Doch wenn all diese schlüpfrigen Skandälchen ausblieben, was wäre dann noch übrig? Was steckt hinter den platinblonden Extensions und den falschen Wimpern. Nur noch ein "heftiges Portiönchen" inmitten seiner 15 Minuten Ruhm. "Ich denke, wenn die Menschen mich lieben, weil ich ehrlich, offen und nicht zickig bin, dann könnte ich in dem Business alt werden", sagt sie. Und es klingt so herrlich naiv und unbedarft, dass sie einem fast leid tun könnte. Gina-Lisa lebt halt in ihrer eigenen Welt.

"Gina-Lisas Welt", am 10. und 17. Juli, donnerstags um 23.15 Uhr auf ProSieben


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker