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"Die Alm" auf ProSieben: Der Eklat, der keiner war

Niemals geht man so ganz, sang Trude Herr 1987 und lieferte damit den inoffiziellen Soundtrack zur fünften "Alm"-Episode. Angekündigt worden war der große Wiesn-Exodus von Gina-Lisa Lohfink, Rolf Scheider und dem "Checker". Doch die machten nur einen kleinen Ausflug ins Tal - und hinterließen lästernde Mitbewohner und ratlose Zuschauer.

Von Jens Wiesner

Die Nachricht klang zu schön, um wahr zu sein: "Gina-Lisa Lohfink, Rolf Scheider und Thomas 'der Checker' Karaoglan haben 'Die Alm' verlassen", posaunte ProSieben am Mittwoch per Eilmeldung über den Äther. Schock! Skandal! Eklat! Und tatsächlich: Das erhoffte Medienecho ließ nicht lange auf sich warten. Erst der Kabelbrand, jetzt die Massenflucht - lag etwa ein Fluch über der ProSieben-Produktion? Doch der vermeintliche Promi-Exodus entpuppte sich schnell als billiger PR-Gag. Gleich zu Beginn der fünften "Alm"-Folge klärte ein Einspieler die Zuschauer auf: Die reuigen Schäflein werden am Ende des Tages wohlbehalten zurückkehren. Goodbye, Drama, bevor du überhaupt begonnen hast.

Wirklich schlimm war diese große Enthüllung freilich nicht: Wirkte der nächtliche Abgang der drei Alm-Rebellen ("Wenn einer geht, müssen alle gehen!") doch so herrlich gekünstelt, dass es dem Zuschauer einfach ein Schmunzeln auf die Lippen treiben musste. Rolf Scheider schnauzte theatralisch, und mir nichts, dir nichts schloss sich das frisch getraute Gina-Lisa-Checker-Pärchen den Ausstiegsplänen des Wahlfranzosen an. Dabei war es gestern noch Werner Lorant, der mit Karaoglan mögliche Schlupflöcher am Rande der Spielwiese inspiziert hatte.

Zwei Salatköpfe = eine Gina-Lisa

Sei's drum - konnte sich der geneigte Zuschauer doch so auf das Wesentliche konzentrieren: die zwischenmenschlichen Beziehungen. Denn in dieser eher ereignisarmen "Alm"-Episode galt es weder, ekelige Prüfungen zu bestehen, noch waren Muskeln oder Durchhaltevermögen gefragt. Stattdessen nutzte die zurückgelassene Rumpfcrew die Abwesenheit ihrer drei schillerndsten Mitbewohner, um gehörig von der Kuhhaut zu ziehen - allen voran Almzicke Tessa und Charlotte Karlinder. Dabei mussten die beiden schnell erkennen, dass zwei Salatköpfe an den richtigen Stellen platziert noch keine neue Gina-Lisa machen. Auch mit der richtig-falschen Grammatik und der tiefen Stimme haperte es noch. Mit den hessischen Zuschauern dürften es sich die Damen mit ihrem Dialekt-Bashing aber verscherzt haben.

Carsten Spengemann, der ja seine ganz eigenen Erfahrungen mit theatralischen Abgängen hat, verstand dagegen überhaupt keinen Spaß mehr. Im Männergespräch mit Werner "Ich brauche kein T-Shirt" Lorant jammerte er über die Mehrarbeit, die nun auf ihn wartet. Seinem Vergleich "Arbeit ist wie Kuchen: Wenn drei weg sind, bleibt mehr für die anderen!" hatte der Ex-Fußball-Coach dann auch nichts mehr hinzuzufügen und suchte sein Heil stattdessen im Nikotin. Besser verstand den Ex-"Verbotene Liebe"-Darsteller da seine neue beste Freundin, die Kuh Nora.

Wiedervereint in Zweitracht

Schrotthändler Manni Ludolf schienen so viele Bad Vibrations eher zu verschrecken. Kein Wunder: Wenn es in der Schrotthändlerfamilie mal kracht, lässt der rührige Bushido-Fan seine Wut nicht an den Brüdern aus, sondern nutzt kleine Voodoo-Puppen von Uwe und Peter als Blitzableiter.

Doch noch bevor Manni kleine Gina-Lisas, Rolfs und "Checkers" basteln konnte, waren die drei Ausreißer schon wieder da - und brachten den Zickenterror zurück auf den Berg. "Tessa, halt' die Fresse!" stänkerte Gina-Lina los, die doch eigentlich gar nichts von den vorherigen Lästerattacken des 22-jährigen Ex-Topmodels wissen konnte. Oder hatte das Trio etwa den ganzen Tag über per Liveschalte dem Treiben auf der Alm zugesehen? Zuzutrauen wäre es dem Sender sicher. Bislang wissen wir allerdings nur eins: Gina-Lisa, der "Checker" und Rolf haben sich im Tal eine ausgiebige Dusche gegönnt.

Eine Sache, liebe Gina-Lina, können wir aber jetzt schon festhalten: Wir "Alm"-Zuschauer sind dir nicht böse, dass du deinen wohlgeformten Körper in einen heißen Duschstrahl halten wolltest. Aber dass ausgerechnet diese Szene nicht von einer Kamera eingefangen wurde, enttäuscht dann doch. Versteh also, wenn wir dich für die nächste "Muh-Probe", das Bullenreiten, auserkoren haben. Und nachdem du ein paar Mal im Kuhmist gelandet bist, dürfte eine weitere Dusche unausweichlich sein. Gina-Lisa, nutze deine zweite Chance!