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TV-Kritik

"Die Kirmeskönige": Eine Sendung wie ein Autoscooterunfall

Eigentlich war diese Show Murks: langweilige Moderatoren, weinerliche Promis. Aber irgendwie hat das Zugucken dann doch Spaß gemacht. Vor allem TV-Nostalgiker kamen auf ihre Kosten. Tschaka-Tschaka. 

Von Andrea Zschocher

Hugo Egon Balder und Hella von Sinnen

Wie zu besten "Alles nichts oder?!"-Zeiten: Hugo Egon Balder und Hella von Sinnen moderierten gemeinsam "Die Kirmeskönige".

Der Samstagabend ohne die großen Abendshows wie "Wetten dass…?" oder alles von Stefan Raab hat es schwer. Klar, Joko & Klaas könnte man schauen. Aber nicht jeder mag den pubertären Humor der beiden Mitdreißiger. Das dachte sich vermutlich auch RTL und schickte zwei ältere Kaliber ins Rennen: Hella von Sinnen und Hugo Egon Balder moderierten "Die Kirmeskönige", eine Sendung die irgendwie an einen schlimmen Autounfall erinnerte. Sie wissen schon, eigentlich sollte man nicht hinschauen, aber viele machen es eben trotzdem. 

Wieder und wieder stellte sich die Frage: Was machen die da eigentlich? Und wer ist das, der da Bierkrüge schubste, im Breakdancer Mäusespeck futterte und im Autoscooter gegeneinander krachte? Die, das waren sogenannte Prominente, bei denen nicht jeder dem gesamtdeutschen Publikum bekannt sein dürfte.

"Die Kirmeskönige" ist ein Treffen der Ehemaligen

Nilz Bokelberg beispielsweise ist ein ehemaliger Moderator bei Viva Zwei, von dem nur noch sehr wenige Menschen heute wissen, was er macht. Oder Gülcan Kamps, auch so eine Ehemalige. An sie erinnert sich der ein oder andere vielleicht noch, weil sie vor Jahren mal den Kamps-Erben live im TV geheiratet hat. Auch Mitstreiter Detlef Steves glänzte nicht mit echter Leistung. Er hat vor allem durch seine cholerische Art einen Weg in die deutsche TV-Landschaft gefunden. Panagiota Petridou wurde als Moderatorin vorgestellt. Ein großes Wort für jemanden, der bei Vox versendet wird.

Zehn Spiele hatten die Teilnehmer zu absolvieren, die sich thematisch rund um das Thema Kirmes drehten. Tatsächlich wurde die Sendung in einem Zirkuszelt aufgezeichnet, das auf der Düsseldorfer "Rheinkirmes" stand. An verschiedenen Attraktionen traten die Promis in vier Teams gegeneinander an: "Wilde Maus" (bestehend aus Beachvolleyball-Olympiasieger Julius Brink, Model Larissa Marolt und Tänzer Massimo Sinató), "Hau den Lukas" (TV-Auswanderer Konny Reimann , Moderatorin Panagiota Petridou und Dokusoap-Star Detlef Steves), "Geisterbahn" (Nilz Bokelberg, Gülcan Kamps und Ex-Dschungelkönig Joey Heindle), sowie Team "Zuckerwatte" (TV-Anwalt Christopher Posch, Sängerin Sarah Lombardi und Ex-"Bachelor" Paul Janke).

Platz da für die Promis

Ob Fahrten mit der Achterbahn oder Rutschen hoch laufen, alles fand während des regulären Kirmesbetriebs statt. Ein wenig übertrieben wirkte es da schon, wie die Promis mit jeder Menge Sicherheitspersonal von den Besuchern abgeschirmt wurden, um die jeweilige Location, an der Außenreporterin Nina Moghaddam auf sie wartete, zu erreichen.

"Die Kirmeskönige"-Teilnehmer

"Die Kirmeskönige"-Teilnehmer: (v.l. stehend): Julius Brink, Massimo Sinató, Christopher Posch, Paul Janke, Gülcan Kamps, Panagiota Petridou, Detlef Steves und Konny Reimann. V.l. sitzend: Larissa Marolt, Sarah Lombardi, Nilz Bokelberg und Joey Heindle. 

Nach einer Runde Achterbahnfahrt beschlossen sowohl Detlef Stevens als auch Larissa Marolt, dass ihnen übel sei und sie nicht mehr mitspielen könnten. Bereits im Vorfeld beschwerte sich Marolt, dass sie, kurz nach einem Essensspiel nun nicht sofort Achterbahn fahren könne. "Ich will jetzt mal fünf bis zehn Minuten warten nach dem Essen." Sprachs, fuhr eine Runde und stieg aus. "Ich kotz mir gleich die Lunge aus!", rief sogleich Stevens und verließ die Achterbahn. Teammitglied Konny Reimann versuchte zu retten, was zu retten war und trat allein in den Wettkampf.

Der, es lässt sich nicht leugnen, sehr lustig war. Die Promis sollten während einer Fahrt mit der Achterbahn Bierkrüge mit Wasser in der Hand halten und möglichst viel davon wieder bei Moghaddam abliefern. Dies misslang vor allem Julius Brink kolossal, bereits kurz nach dem Start kippte er seine beiden Gläser aus. Die anderen Teams schlugen sich deutlich besser und besonders Bokelberg und Joey Heindle schienen das Ende des Spiels zu bedauern.

"Habt ihr Bock?" -  eher nicht

Die Promis waren nicht besonders hart im Nehmen, fast ein Running-Gag war da Gülcan Kamps, die erklärte, sie könne leider an eventuellen Spielen nicht teilnehmen, weil es ihr nach einer Runde auf einer Art Schaukel nicht gut ginge. "Ich hätte nicht gedacht, dass das so krass ist.", gab sie zu Protokoll und jammerte sich fortan aus den weiteren Aufgaben heraus. Die Frage von Hella von Sinnen: "Habt ihr Bock?", ließ sich in ihrem Fall mit einem klaren nein beantworten. 

Der Kommentator des Abends wies immer wieder darauf hin, wie "unfassbar" diese Sendung sei und lag damit gar nicht mal so verkehrt. Denn natürlich wirft es die Frage auf: Wieso guckt man so etwas unfassbar Schlechtes, das sich dazu noch vier Stunden durch den Abend windet?

Weil es stellenweise absurd komisch war. Wie Detlef Stevens sich beim Autoscooter über seinen Mitfahrer und die Konkurrenz aufregte, wie beinahe jeder Promi am Ende mit einem Wehwehchen zu kämpfen hatte, wie die Stars versuchten, dem verlierenden Team "Geisterbahn" die Punkte zuzuschustern - all das war sehenswert. Man konnte, wenn man sich darauf einließ, mit dieser Sendung auch Spaß haben. Vor allem Fernsehnostalgiker, die mit "Alles nichts oder?!" aufgewachsen sind. 

Hugo Egon Balder und Hella von Sinnen leben in der Vergangenheit

Die Witze von Hugo Egon Balder waren wie damals: alt. Dank Hella von Sinnens "Tschaka, Tschaka" konnten man beim Wegdösen wenigstens in Erinnerungen an längst vergangene Sendungen schwelgen. "Die Kirmeskönige" dauerte unfassbare vier Stunden. Dabei hätte die Spiele der Show auch in zwei Stunden vorbei sein können. Zumal es sich um eine Aufzeichnung handelte, bei der zur Überbrückung einer Pause für die Promis ein albernes "Triff den Hugo"- Spiel gespielt wurde. "Ich soll mich also hier zum Affen machen", fragte Balder und wirkte dabei erschreckend amüsiert über die Situation.

RTL aber hatte, statt zu kürzen, der Kirmes Raum gegeben und damit auch ein paar unverhofften Perlen geschaffen, an die sich Zuschauer sicher gern zurück erinnern werden. Und so ist das doch auch nach einem Kirmesbesuch. Man hat viel zu viel gegessen, der Kopf ist vom vielen Achterbahn fahren noch leicht benebelt und mitunter macht sich ein heimeliges Gefühl breit. Egal, wie sehr man sich über teure Fahrpreise oder Nieten beim Lose ziehen ärgert, es blieb auch dieses Gefühl von Zufriedenheit. Weil es eigentlich doch ein schöner Abend war.