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"Ein Mann, ein Fjord" im ZDF: Der alberne Knuddel-Hape

In seinem Pilger-Bestseller war Hape Kerkeling ganz ernsthaft gereist. Das Hörbuch "Ein Mann, ein Fjord" dagegen, das er mit seinem Lebensgefährten entworfen hat, ist die klamaukige Reise-Variante. Jetzt gibt es den Film zum Ton - mit allerlei Albernheiten.

Von Johannes Gernert

Mit den beiden ZDF-Fingern kommt er noch nicht ganz klar. Hape Kerkeling drückt sich ein Auge zu und versucht den Spruch: "Mit dem Zweiten sitzen sie vorne?" Er probiert vor der ZDF-Kamera noch ein paar andere Unsinns-Varianten durch. Dann liefert er die richtige Version, stellt aber sofort fest: "Es stimmt gar nicht, man sieht so gar nicht besser" - mit zwei Fingern vor einem Auge. Kerkeling, braunes Cordjackett, Jeans, ein Wanderer zwischen den Senderwelten, lächelt und schreitet davon. Seine jüngsten Comedy-Charaktere sind vor allem Privatkanalgeschöpfe. Doch nun läuft sein neuer ZDF-Film "Ein Mann, ein Fjord" im ZDF.

Eigentlich ist es nur ein bisschen sein Film. Er hat am Drehbuch mitgearbeitet und spielt drei Nebenrollen. Aber eine davon ist dieser sichtbar stinkende Grevenbroicher Journalist Horst Schlämmer mit den gelben Zähnen, der Herrenhandtasche und den Patschefingern, eine nationale Comedy-Berühmtheit. Außerdem ist Kerkeling seit "Ich bin dann mal weg" Bestseller-Autor mit Millionenpublikum. Das verschiebt den Fokus ein wenig weg von seinem Freund Angelo Colagrossi, der Regie geführt hat, und auch von Jürgen Tarrach, Anneke Kim Sarnau oder Matthias Brandt, die die Figuren dieses Films spielen. Ursprünglich hat Kerkeling sie alle selbst gegeben.

"Ein Mann, ein Fjord" war zunächst ein Hörbuch, Kerkeling der einzige Sprecher. Nun läuft der Film zum Hörbuch im ZDF, eine Premiere für den

Grimmepreis-Träger Kerkeling, der künftig noch häufiger fürs Zweite arbeiten wird. Er soll eine Geschichts-Reihe moderieren, teilt der Sender mit. Es gebe außerdem Gespräche über andere Projekte. Auch daher vielleicht die viele exklusive Aufmerksamkeit.

"Ein Fluss namens Norbert"

Als Kerkeling und Colagrossi bei der Pressevorführung des Films nebeneinander in ihren Kinosesseln sitzen, blitzen noch einmal die Lichter der Fotografen, bis der Regisseur irgendwann aufspringt und unter "Put it out, put it out"-Rufen einige Sitze weiter flüchtet. Damit hat er den ersten Gag schon einmal vorweggenommen. Schiefes Englisch mit deutscher Grammatik ist ein wesentlicher Humorbestandteil von "Ein Mann, ein Fjord". "That's now not true" ruft eine aufgebrachte deutsche Kaufhausverkäuferin im Osloer Vergnügungspark, "das ist jetzt nicht wahr." Kerkeling und Colagrossi arbeiten seit Jahren zusammen ("Kein Pardon", "Die Oma ist tot") und sie mochten derartige Albernheiten schon immer.

Helge Schneider hat sich in einer Selbstbeschimpfungstirade einmal einen albernen Sau-Helge genannt und auch auf Kerkeling würde das zutreffen – ein alberner Hape, kein Sau-Hape allerdings, eher ein Hasen-Hape, ein verträglicher, knuddeliger, der nicht weh tun will. Manchmal wirken die Quatschdialoge des Films zwar ein bisschen blöd, oft aber durchaus bodenständig komisch: "Schnuffel, du bist so eine Hackfresse!" Oder eben ganz am Anfang: "Ein Fluss namens Norbert, na herzlichen Glückwunsch."

Wanne in Wanne

Darum geht es in "Ein Mann, ein Fjord". Norbert Krabbe, der arbeitslos ist, in Wanne wohnt und einen Großteil seines Lebens untergetaucht in der Wanne verbringt, versucht mit Gewinnspielen das Leben erträglicher zu gestalten. So hat er eine Wanne bekommen und nun ist auch ein Fjord in Norwegen nach ihm benannt worden: der Norbert-Krabbe-Fjord. Da will er hin und kann eigentlich nicht. Er hat ja kein Geld. Aber seine Tochter schleift ihn doch irgendwie mit. Schließlich macht sich auch die gern betrunkene Mutter auf den Weg. So beginnt eine Road-Movie-Verwechslungs-Komödie. Oder, so drückt es Jürgen Tarrach alias Norbert Krabbe aus: ein Familienfilm. Das ist der Vorteil an diesem Colagrossi-Kerkeling-Humor: Er ist äußerst anschlussfähig. Fast jeder kann etwas damit anfangen.

Die Handlung steigert sich zügig ins Angenehm-Abstruse, bis nicht mehr nur ein ungewaschener junger Norweger mit Hundequartettkarten ständig die Zukunft legt, sondern auch ein verdattert-bekloppter Tierarzt namens Reinhold Schwarz-Ebershagen einen Elch reitet, während seine Frau nackt durch den Wald stürmt.

Horst Schlämmer am Arm

Zwischendurch taucht immer mal wieder Horst Schlämmer auf und greift den Leuten an die Arme oder erkundigt sich besorgt, ob seine neue weiße Herrenhandtasche nicht vielleicht doch ein wenig zu weiblich aussieht. Dieser Schlämmer macht zwar den Eindruck, man habe ihn im Nachhinein ins Drehbuch geschrieben, aber er wirkt ja sowieso überall und immer Fehl am Platz, insofern ist das dann schon wieder in Ordnung. Handlungsmäßig besser integriert ist definitiv die 61/2-Live-Moderatorin Gisela, die die Hohlheit der Call-In-Ratefernsehsender persifliert. Dasselbe gilt für Uschi Blum, die Discosängerin im schwarzen Lackkleid mit den grandiosen Schlagerzeilen: "Wehrlos im Sturm der Gefühle".

"Das waren natürlich drei sehr intensive Charakterrollen", stellt Kerkeling nach der Vorführung fest. "Vor allem die Sängerin hat mir einiges, wenn nicht alles, abgefordert." Da ist er wieder - der alberne Hape.