VG-Wort Pixel

"The Germans" BBC beschneidet bekannte Folge der Comedy-Serie "Fawlty Towers" - das steckt dahinter

John Cleese in "Fawlty Towers"
Sie gehören zur festen Betzung der BBC-Serie "Fawlty Towers": Sybil Fawlty (Prunella Scales) Basil Fawlty (John Cleese), Polly Sherman (Connie Booth) und Kellner Manuel (Andrew Sachs, v.l.)
© Bbc/Handout/ / Picture Alliance
Millionen Menschen kennen die Folge der Serie "Fawlty Towers", in der die Deutschen zu Besuch kommen. Die BBC hat die Episode nun vorübergehend zurückgezogen. Mit der Darstellung der Germans hat das allerdings nichts zu tun.

"Don't mention the war" - Sprecht nicht vom Krieg. Dieser Satz ist in die Fernsehgeschichte eingegangen. Er stammt aus der britischen Comedyserie "Fawlty Towers" und fällt in der sechsten Episode der BBC-Reihe. Sie trägt den Titel "The Germans" und wurde erstmals 1975 ausgestrahlt.

In dem Hotel haben sich deutsche Gäste angekündigt, die man nicht mit der Erinnerung an den verlorenen Weltkrieg verschrecken will. Doch genau das passiert dem von John Cleese gespielten Basil Fawlty ständig: Ihm unterlaufen wiederholt Versprecher, die auf die NS-Zeit anspielen, dazu imitiert der den Stechschritt.

Die Folge wurde schnell Kult, 1997 landete sie bei einem Ranking des "TV Guide" mit den besten Episoden aller Zeiten auf Platz 12. Doch aktuell ist sie nicht mehr online beim Streamingdienst der Reihe abrufbar. Das hat mit den titelgebenden Deutschen allerdings nichts zu tun.

John Cleese war seinerzeit einverstanden

Der Grund ist ein anderer: In der Folge lässt sich der Hoteldauergast Major Gowen zu einigen rassistischen Bemerkungen gegenüber Bewohnern der westindischen Inseln hinreißen. Bereits 2013 hat die BBC deswegen die Folgen für die TV-Ausstrahlung beschnitten und Passagen, die das N-Wort enthalten, entfernt - übrigens mit vollem Einverständnis von Serienschöpfer John Cleese, wie die "Daily Mai" schreibt. In der hauseigenen Streamingplattform UKTV und auf Netflix war bislang noch die originale Version abrufbar. Künftig wird die Folge "The Germans" dort in der bearbeiteten Version erhältlich sein.

Der Vorgang ist nicht unüblich: Regelmäßig prüfen Sender ihre Inhalte daraufhin, ob die Inhalte und die Sprache noch den ethischen Standards entspricht. Die Serien "Little Britain" und "Come Fly With Me" wurden bereits aus der Mediathek entfernt, unter anderem wegen Blackfacing.

Sehen Sie im Video: Rassismus-Debatte – Sender streicht "Vom Winde verweht" aus dem Angebot. Vom Winde verweht - ein Filmklassiker, ein Liebes-Epos, aber auch die Glorifizierung einer Zeit, die längst überholt ist: der Streamingdienst HBO Max hat den Film nun aus dem Programm gestrichen. In den USA ist die Debatte darüber, wie die US-amerikanische Gesellschaft mit Rassismus in ihrer Gegenwart und Vergangenheit umgeht neu entfacht, was auch die Medienlandschaft zu einer genaueren Auseinandersetzung mit ihrem Programmangebot bewegt. Darnell Hunt vom Institut für Sozialwissenschaften der University of California sagt: „aus rein cineastischer Sicht war es ein großartiger Film, ein Oscar Gewinner von historischer Wichtigkeit. Andererseits ist es ein Film, der die Sklavenarbeit auf den Plantagen verherrlicht, eine Epoche in der amerikanischen Geschichte, in der es nur um die Belange der weißen Bevölkerung ging während Stereotype über Afroamerikaner geschürt wurden." Die Geschichte um Scarlett O'Hara und Rhett Buttler spielt auf den Plantagen im Südstaat Georgia und gewann 1939 acht Oscars. Hattie McDaniel, zu sehen in der Nebenrolle als Hausangestellte, war damals die erste afroamerikanische Darstellerin, die einen Oscar erhielt. Allerdings, so erzählt April Reign wurde Hattie McDaniel bei der Preisverleihung kaum in den Festsaal gelassen. April Reign hat die Initiative "Oscars so white" ins Leben gerufen, die gegen die fehlende Vielfältigkeit der Oscargewinner protestiert. „Ich hoffe die Filmstudios reagieren auf die Entwicklungen. Ich hoffe, es wird in einem Jahr nicht eine Übermenge an Alternativ-Filmen geben, bei dem sich schwarze und weiße bei einer Demo ineinander verlieben oder so ein Mist. Ich denke, es gibt wesentlich tiefgehendere Geschichte, die erzählt werden müssen." Nach der Ankündigung „Vom Winde verweht" aus dem Programm zu nehmen, schnellte die Verkaufszahl der DVDs zunächst in die Höhe. Ein Sprecher von HBO Max sagte, der Film solle wieder ins Programm aufgenommen werden, allerdings mit einem Hinweis zum historischen Kontext den rassistischen Darstellungen.
Mehr

Auch in anderen Ländern überprüfen Fernsehsender und Plattformen im Zuge der BlackLivesMatter-Proteste ihre Inhalte. Prominentes Beispiel war der Filmklassiker "Vom Winde verweht", der von HBO vorübergehend entfernt wurde und künftig mit einer Einordnung des historischen Kontextes erscheinen.

Verwendete Quelle: "Daily Mail", "The Guardian"


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker