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TV-Tipp 30.7.: "Monty Python live (mostly)": Sag zum Abschied leise: Piss off!

Zum allerletzten Mal stehen sie zusammen auf der Bühne: die Komiker von Monty Python. Arte zeigt einen Zusammenschnitt der Abschiedshow der Meister des absurden Humors. Unser TV-Tipp des Tages.

"Monty Python live (mostly)"
21.30 Uhr, Arte
SHOW Das Orchester spielt auf, und ich starre wie gebannt auf den Bildschirm meines Laptops und warte wie Millionen Menschen weltweit darauf, dass fünf alte Männer auf die Bühne kommen. Verrückt eigentlich, denn viele der Sketche, die Monty Python gleich aufführen wird, habe ich schon mehrfach gesehen. Und trotzdem: Ich wollte die allerletzte Show live mitkriegen (sie wurde in Großbritannien im TV, weltweit in Kinos und im Internet gezeigt), wenn auch nur per Stream im Netz. Es war: einfach sehr, sehr schön. Wir haben uns Jahrzehnte lang nicht gesehen und doch war alles sofort wie früher.

Ja, die Herren sind alt geworden. (Und wer beobachtet hat, wie steif sich John Cleese auf der Bühne bewegt, kann verstehen, warum "Ministry of Silly Walks" nicht als Sketch ins Programm aufgenommen wurde.) Aber das hat mein "Hach, Monty Python!"-Gefühl kein bisschen beeinträchtigt. Denn es ist ja nicht nur ein Wiedersehen mit Cleese, Michael Palin, Terry Jones, Terry Gilliam und Eric Idle. Sondern auch ein Wiedersehen mit dem toten Papagei, dem Lumberjack, dem Pinguin auf dem Fernseher, der Spanischen Inquisition, Spamspamspameggspambaconandspam und vielen anderen wunderbar absurden Dingen, die Monty Python ausmachen. Dazu werden Videos von Klassikern gezeigt - das grandiose Philosophen-Fußballspiel Deutschland gegen Griechenland oder auch Sketche mit Graham Chapman, dem verstorbenen Mitglied der Komikertruppe.

Klar, ein bisschen modernisiert wurde hier und da: Das Lied "I like Chinese" wurde angepasst, es treten mit Wissenschaftler Stephen Hawking oder Komiker Mike Myers Gäste auf, das Minzblättchen schwebt nur als Installation über der Bühne. Aber alles in allem genau die richtige Dosis für Fans wie mich. Das höchste der Gefühle: Am Ende singen Millionen Menschen zusammen - Monty Python, das Publikum in der Halle, die Zuschauer in den Kinos weltweit, die Nutzer am Laptop auf der ganzen Welt und ich - aus voller Kehle "Always look at the bright side of life". Hach, was für eine schöne Vorstellung. Doch gerade als ich in Melancholie zu versinken drohe, ist die Bühne leer und nur noch ein riesiges "Piss off!" ist dort zu sehen. Ein Abschied, wie er pythonesker nicht sein kann.

Arte, der Sender, der großartigerweise die allerletzte Show live im Netz gestreamt hat, zeigt nun einen Zusammenschnitt von eineinhalb Stunden. Kann man sich angucken. Aber noch viel besser ist es, den ganzen Live-Mitschnitt im Netz zu schauen. Zu finden unter: concert.arte.tv/de/montypython

Ein TV-Tipp von Ulrike Klode, Teamleiterin Unterhaltung


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Männertreu"
20.15 Uhr, Das Erste


DRAMA Kurz nach seiner Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten stolpert der Frankfurter Verleger Dr. Georg Sahl (Matthias Brandt) über eine Affäre. "Oberstes Gebot der Krisenbewältigung ist die zentrale Steuerung der Kommunikationsstrategie", rät die Feuerwehr in Gestalt eines Medienfachmanns. Aber Sahl will keine Ratschläge. Bisher hat er höchstens mal auf seine Frau (Suzanne von Borsody) gehört. – Mit galligen Dialogen, diskussionswürdigen Geschlechterbildern und Anspielungen auf den realen Politik- und Medienbetrieb legen Thea Dorn (Drehbuch) und Hermine Huntgeburth (Regie) den Sumpf unter liberalen Sprüchen frei. Oder war’s grad umgekehrt? (bis 21.45)

"Road to Perdition"
20.15 Uhr, Kabel Eins


GANGSTERBALLADE Sam Mendes’ starbesetztes Drama spielt im Illinois der frühen 30er: Profikiller Sullivan (Tom Hanks, Foto) flieht mit seinem Sohn vor einem Kollegen. Die Oscar-gekrönte Kamera illustriert seine Verzweiflung ebenso brillant wie die Tristesse der Depressionsjahre. (bis 22.40)

"Louise Wimmer"
20.15 Uhr, Arte


DRAMA Seit sie Mann und Tochter verlassen hat, reist Louise ohne feste Bleibe von einem Putzjob zum nächsten. – Bitter, aber nicht ohne Hoffnung. Das Spielfilmdebüt erinnert formal an Werke der Dardenne-Brüder und Chantal Akermans große Frauenporträtfilme der 1970er. (bis 21.30)