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TV-Tipp 2.8.: "Clockwise - In letzter Sekunde": John Cleese kommt zu spät

Eigentlich ist "Clockwise" eine kurzweilige Komödie über Unpünktlichkeit und Ordnungsfatatismus. stern-Autor Jens Wiesner fühlt sich schmerzhaft an sein eigenes Leben erinnert.

Wenn das Uhrwerk streikt: John Cleese in "Clockwise"

Wenn das Uhrwerk streikt: John Cleese in "Clockwise"

"Clockwise - In letzter Sekunde"
20.15 Uhr, Servus TV
KOMÖDIE Wer mit mir eine Verabredung trifft, tut besser daran, mir eine falsche Uhrzeit zu sagen. Ich bin ein notorischer Zuspätkommer. Während ich diese Zeilen tippe, sollte ich eigentlich längst im Zug nach Berlin sitzen. Eine gute Freundin heiratet. Aber irgendwie hat es wieder nicht geklappt mit dem Zeitmanagement. Und nun sitze ich hier, haue mit den Fingern in die Tasten, auf dass sich die Zeilen schnell füllen, und muss schmunzeln über den Zufall, für heute ausgerechnet "Clockwise" zum TV-Tipp erkoren zu haben. Zugegeben - diese britische Komödie von 1986 gehört sicher nicht zu den besten Werken, die in seinem Leben abgeliefert hat.

Aber wenn der überkorrekte Schuldirektor Brian Stimpson (John Cleese) verzweifelt versucht, doch noch pünktlich dieses ihm so wichtige Treffen von Schuldirektoren zu erreichen, um dort eine Rede zu halten, und sich auf dem Weg immer tiefer in die Bredouille reitet, dann mögen andere lachen. Ich fühle mit ihm. Aus vollstem Herzen als jemand, der genau weiß, wie es sich anfühlt, wenn der Zug vor der eigenen Nase abfährt. Als jemand, der trotz gut gemeinter Vorausplanung doch immer wieder rennend und schwitzend und entschuldigend an seinem Ziel ankommt.

Stimpson, so wird uns im Film erzählt, war zu Jugendzeiten selbst einmal die Unpünktlichzeit in Person, bis er sich eine rigorose Selbstdisziplin auferlegt hat. Ich bewundere ihn ein wenig dafür, sein eigenes Chaos so lange ausgetrickst zu haben. In der Vergangenheit habe ich so etwas auch versucht. Kalender angeschafft in groß und klein, digital und analog. Aber irgendwann schlägt das Chaos zurück - und dann mit voller Breitseite. Drücken Sie mir die Daumen, dass heute nicht so ein Tag sein wird. Ich muss los...

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Findet Nemo"
20.15 Uhr, RTL


TRICK Die Welt da draußen ist böse, und Papa Marlin (Stimme: Christian Tramitz) hat’s geahnt! Jetzt ist Sohn Nemo einem Taucher ins Netz gegangen und sitzt in einem australischen Aquarium fest… Wer dieses Meerchen nicht liebt, ist kein Mensch und erst recht kein Fisch! (bis 22.05)

"Dornröschen erwacht"
20.15 Uhr, WDR


PSYCHOTHRILLER Nach drei Jahren erwacht Unfallopfer Juliane (Nadja Uhl) aus dem Koma. Ehemann Stefan und Tochter Antonia reagieren sonderbar kühl. – Medizinisch nicht stimmig, aber: Starke Schauspieler und raffinierte Bildgestaltung sorgen für Spannung mit Tiefgang. (bis 21.45)

"Das Gelübde"
21.45 Uhr, WDR


HISTORIENDRAMA Um 1818 plagen den Dichter Clemens Brentano (Mišel Matičević) Glaubensfragen. Antworten gibt ihm eine stigmatisierte Nonne. – Statt im Staub des Schulfernsehens kommt Geschichte hier mal sinnlich-flirrend kostümiert daher. (bis 23.15)

Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo