HOME

TV-Tipp 5.11.: "Galaxy Quest": Der beste "Star Trek"-Film... ist kein "Star Trek"-Film

Zwölf "Star Trek"-Filme gibt es. Diese Parodie ist besser als die meisten von ihnen. Warum verrät Fanboy Jens Wiesner in unserem TV-Tipp des Tages.

Die "Galaxy Quest"-Schauspieler in Arbeitskleidung: Jason Nesmith (Tim Allen, vorne M.), Gwen DeMarco (Sigourney Weaver, 2.v.r.), Alexander Dane (Alan Rickman, 2.v.l.), Fred Kwan (Tony Shalhoub, r.), Guy Fleegman (Sam Rockwell, l.) und Tommy Webber (Daryl Mitchell, 3.v.r.)

Die "Galaxy Quest"-Schauspieler in Arbeitskleidung: Jason Nesmith (Tim Allen, vorne M.), Gwen DeMarco (Sigourney Weaver, 2.v.r.), Alexander Dane (Alan Rickman, 2.v.l.), Fred Kwan (Tony Shalhoub, r.), Guy Fleegman (Sam Rockwell, l.) und Tommy Webber (Daryl Mitchell, 3.v.r.)

"By Grabthar's Hammer, by the suns of Warvan, you shall be avenged! - Alan Rickman als Alexander Dane als Dr. Lazarus

"Galaxy Quest" 20.15 Uhr, Kabel 1


SCIFI-PARODIE Okay, okay, okay. Bevor nun ein riesiger Shitstorm auf mich zurollt - vielleicht habe ich in der Überschrift ein wenig übertrieben. Natürlich ist "Star Trek II - Der Zorn des Khan" der beste unter den zwölf Trek-Filmen. Mit Abstand. Aber gleich dahinter rangiert für mich "Galaxy Quest" - diese wunderbare Liebeserklärung an Trek, die 1999 im Gewand einer Parodie in die Kinos kam.

Die Namen Kirk, Spock oder Enterprise fallen kein einziges Mal, aber natürlich ist sofort klar, auf wen Charaktere wie Commander Peter Quincy Taggart (Tim "Hör mal, wer da hämmert" Allen), Dr. Lazarus (Alan Rickman - wie immer mit herrlich dauergenervtem Blick), Lieutenant Tawny Madison (Sigourney "Alien" Weaver) und Crewmitglied Nr. 6 (Sam Rockwell) anspielen. Im Gegensatz zu vielen Parodien, die es beim billigen Nachäffen und Übertreiben von Charakterkinks und Phrasen belassen, schafft es "Galaxy Quest" aber durch einen geschickten Kniff, eine ganz eigene Geschichte zu erzählen.

Der Film spielt mit der latenten Hoffnung eines jeden Fanboys, dass all das, was auf dem Fernsehschirm geschieht, wirklich existiert. Dass es wirklich Leben "dort draußen" gibt, Raumschiffe mit Warpgeschwindigkeit durch unsere Galaxie gleiten und Helden wie Captain James T. Kirk das Universum vor der Verdammnis retten.

Am Anfang steht eine Gruppe abgehalfterter Schauspieler, die seit Jahrzehnten vom vergangenen Ruhm ihrer Scifi-Serie "Galaxy Quest" leben und sich - die einen mehr, die anderen weniger verbittert - durch ihre Auftritte auf Fantreffen über Wasser halten. Bis plötzlich ein seltsames Wesen mit Vulkanier-Pottschnitt vor ihnen steht und "die Crew der NSEA Protector" um Hilfe gegen ihren Erzfeind bittet.

Was nun folgt ist ein Parforceritt durch die feuchten Träume eines jeden Fans. Mit einer unglaublichen Liebe zum Detail - bis hinein in Kameraeinstellungen und Soundeffekte - spielt "Galaxy Quest" mit dem "Star Trek"-Universum, augenzwinkernd und doch immer respektvoll vor dem Ausgangsmaterial und den Fans.

Am Ende des Films war ich ein sogar wenig traurig, dass die fiktive TV-Serie nie existiert hat. Ein paar der Abenteuer von Commander Taggart und Dr. Lazarus hätte ich wirklich gerne gesehen. Wie Taggert sein Schiff beim Poker verliert, zum Beispiel. Oder wie die Crew unter stetigem Bartwuchs leidet und in ihren eigenen Haaren zu ersticken droht. Oder wie der Außerirdische Dr. Lazarus das Kind seiner eigenen Mutter austrägt. Oder...

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Bornholmer Straße"
22.45 Uhr, ARD
TRAGIKOMÖDIE "Privatreisen nach dem Ausland können ohne Vorliegen von Voraussetzungen beantragt werden." Ab wann? Weiß keiner. Nicht Schabowski, nicht DDR-Grenzschützer Schäfer (Charly Hübner) und erst recht nicht dessen Vorgesetzter Kummer (Ulrich Matthes). Derweil sammelt sich am 9. November 89 das Volk vorm Schlagbaum... Wie Ameisen unterm Brennglas laufen die Akteure einer zerfallenden Befehlskette umeinander her. In seinem Film, mehr Komödie in der Tradition der tschechischen Schule als pure Deppenparade, erzählt Christian Schwochow ("Der Turm") DDR-Historie heiter. Zwischendurch rührt Ursula Werner ("Wolke 9") mit ein paar Worten zu Tränen. (bis 21.45)

"Kairo 678"
22.25 Uhr, 3Sat

DRAMA Am Beispiel dreier Schicksale beleuchtet Regiedebütant Mohamed Diab die sexuelle Gewalt gegen Frauen in der ägyptischen Gesellschaft. Ihm gelang ein raffiniert gebauter, mutiger und provokanter Film, der nicht nur in seiner Heimat für Aufsehen sorgte. Mehrfach prämiert. (bis 0.00)