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"Hart, aber fair": Boxen gegen Benedikt

Katholiken triezen kann so einfach sein - und auch so öde. Der Papst ist im Anflug und die Kirche bekam bei "Hart, aber fair" noch einmal so richtig ihr Fett weg. Gerade Gastgeber Plasberg trat dabei ganz tief unter die Gürtellinie.

Von Mark Stöhr

Nein, der Papst war nicht da. Er war auch nicht zugeschaltet. Dafür war ein Kapuzinermönch gekommen. Er redete über seinen Glauben wie ein Manager über sein Unternehmen. So rhetorisch geschult war sein Referieren über Gott, so seelenlos zu Ende studiert, dass man keine hilfesuchende Seele in seiner Gemeinde sein möchte. An der Seite des Blackberry-Bruders: eine junge Katholikin. Die war genauso, wie man sich eine junge Katholikin vorstellt: blass, verklemmt, langweilig. Der Papst hat über eine Milliarde Anhänger auf der ganzen Welt - waren da nicht zwei Gläubige aufzutreiben, die wenigstens einen Weihwassertopf voll Charisma mitbringen?

Frank Plasberg und seine Poltertruppe von der Kirchenkritik hatten leichtes Spiel. Missbrauchsskandale, Massenaustritte, Männerdiktatur - bei den Katholiken ist der Teufel los. Entsprechend genüsslich schritt die Runde zur Demontage. Plasberg konnte es kaum erwarten, bis er seinen Lieblingseinspieler präsentieren durfte: das politische Empfangskomitee für den Papst. An der Spitze Christian Wulff, der Präsident. Einmal geschieden. Dann die Kanzlerin. Einmal geschieden und dazu noch Protestantin. Schließlich der eben wiedergewählte Klaus Wowereit. Nicht geschieden, dafür aber in wilder Ehe, mit einem Mann. Plasberg grinste sein süffisantes Grinsen. Er plante schon seine nächste Fiesheit.

Konfuse und kuschende Katholikin

Erst einmal aber war Jürgen Domian dran, Berufsversteher und Telefonduzer vom WDR. Er springe dort ein, wo die Kirche versage, verkündete er in einem Anfall von Größenwahn. Seine Sendung, packte er noch einen drauf, sei der Beichtstuhl von heute. Mit Beichtthemen zumeist, möchte man ergänzen, die vor schmutziger Wäsche und billigem Voyeurismus nur so strotzen. Domians Vorwurf an die Kirche ist denn auch so einfallsreich wie sein obligatorischer Rat an die Anrufer ("Bleib dran, gleich meldet sich unsere Psychologin bei dir"): die verlogene Sexualmoral und die Diskriminierung von Schwulen.

Da erlaubte sich sogar die ansonsten sehr konfuse und kuschende Katholikin Larissa Elter eine kecke Bemerkung: "Das sind Extremfälle in Ihrer Sendung. Wer nachts um zwei telefoniert, ist ein Extremfall." Plasberg stellte sofort wieder die Machtverhältnisse her. Er tat es, wie er es besonders gerne tut: mit der ihm eigenen Schmierigkeit. Schon bei der Vorstellungsrunde hatte er Elter als "Groupie des Papstes" lächerlich gemacht - die 25-Jährige bekennt sich zur "Generation Benedikt", einem Netzwerk papstreuer junger Katholiken. Nun fragte er die junge unverheiratete Frau direkt ins Gesicht: "Machen Sie in Ihrer Partnerschaft denn alles, was so dazugehört?" Eine solche Respektlosigkeit bringt man nur, wenn man sich seiner Sache ganz sicher ist. Spätestens hier war klar, dass die beiden Katholiken in der Runde nichts als Kanonenfutter waren.

Kirchen-Bashing ohne Ende

Und es wurde noch schlimmer. Abteilung Missbrauch, Auftritt Wolfgang Niedecken. Der "BAP"-Sänger hat sein Leben seit jeher als Krämerladen betrachtet. Kürzlich schob er eine neue Autobiografie über die Warentheke, ein Kapitel über seine Misshandlung auf einem katholischen Internat inklusive. Plasberg räumte Niedeckens Geschichte viel Raum ein. Dagegen war nichts einzuwenden, es waren die wenigen konzentrierten und berührenden Momente der Sendung. Vor allem als Niedecken von seinem Vater erzählte, der nie verwunden hatte, dass er als Geschiedener nicht mehr die heilige Kommunion empfangen durfte. Und der die Sache im Internat höchstpersönlich regelte und nie wieder ein Wort darüber verlor. Doch dann brach die Flut der üblichen Vorwürfe über die beiden Kirchentreuen ein: Das unselige Zölibat als Ursache für die vielen pädophilen Priester, die Kirche als Repressionsapparat, in dem Menschenrechtsverletzungen verharmlost und vertuscht werden. Vor allem Michael Schmidt-Salomon, ein Philosoph und bekennender Atheist, beteiligte sich mit Feuereifer am Kirchen-Bashing. Er stellte den Glauben grundsätzlich in Frage, philosophisch wie naturwissenschaftlich. Religionen seien "kulturelle Zeitmaschinen", ohne Bezug zur Gegenwart, und beruhten auf Grundwahrheiten, die den Gesetzen des Universum widersprächen. Dass man noch einmal im Fernsehen die ausgeleiertsten Thesen des Atheismus zu hören bekommen würde, hätte man bis dahin nicht mehr für möglich gehalten.

Bruder Paulus, der Kapuziner aus Frankfurt, beging den Fehler, dass er die Anwürfe nicht wie ein souveräner Kirchenmann parierte. Stattdessen verlor er sich in theologischen Unverständlichkeiten ("Die Gläubigen versuchen den Maßstab, den Gott uns gegeben hat, in ihr Herz zu lassen mit Namen Jesus") und holte zur Gegenpropaganda aus. Die katholischen Kindergärten und Schulen, prahlte er einmal, seien bei Eltern weiterhin äußerst beliebt. Plasberg konterte: Insbesondere bei jenen, die nicht wollten, dass ihr Nachwuchs mit türkischen und arabischen Kindern in Kontakt kämen. Sprach's - und zeigte einen Beitrag, der sich über die schlechten Sprachkenntnisse ausländischer Priester lustig machte.