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Medienkolumne zur Talkshow-Schwemme: Viel Gerede, meist um nichts!

Zwei Mal "Beckmann", zwei Mal "Anne Will", zwei Euro-Debatten, keine über die FDP - und jetzt das Jauch-Debüt: Was hat die Talk-Offensive gebracht?

Von Bernd Gäbler

So verständlich und spannend wie Günther Jauch soll ja kein anderer Fernsehmensch in Deutschland etwas vermitteln können. Aber was genau denn eigentlich? Viel gelernt haben wir jedenfalls nicht über die USA, den Terror und den Krieg in Afghanistan. Oder was genau war das Thema am 11. September im Berliner Gasometer? Egal. Letztlich ging es wohl doch hauptsächlich darum, wie Günther Jauch seine erste Sendung als zentraler ARD-Talker hinbekommt. Wie wohl? Solide natürlich. Er beherrscht unterschiedliche Tonlagen von sachlich bis emotional. Einmal hat er sogar einen kleinen Witz auf Kosten der SPD gemacht. Dennoch war er eher ein Simon Rolfes des Talk-Gewerbes als ein eleganter Mesut Özil. Jauch spielte auf Sicherheit. Viel Tiefgang war da nicht. Vieles wurde nur angerissen. Bohrendes Nachfragen gab es nicht.

Oft hatte der Talk die Anmutung von stern TV, was wahrscheinlich auch daran lag, dass die in Einspielfilmen vorgestellten Gäste sofort danach befragt wurden.

Sicher war es eine gute redaktionelle Idee, mit Marcy Borders, der "Dust Lady" von 9/11, zu beginnen. Nicht rasend originell war es hingegen, Peter Struck und Jürgen Todenhöfer als zentrale Kontrahenten zu präsentieren. Die hatten schon häufiger in Print und TV miteinander gestritten - diesmal taten sie es recht verhalten. Kundigere Kritiker der US-Politik als Elke Heidenreich wären denkbar gewesen, während es durchaus überraschend war, Jürgen Klinsmann als Ethnologe des "American way of life" einzuladen. Sein mitten aus dem Leben gegriffenes "Der Amerikaner schaut immer nach vorn" wirkte dennoch etwas arg banal.

An stern TV erinnerte auch die Sitte, jeden informativen Einspielfilm mit Musik zu untermalen. Die Angehörigen eines in Afghanistan gefallenen deutschen Soldaten mit "Geboren um zu leben" zu unterlegen - das war zu viel "Emo-Schiene".

Natürlich ist es zu früh für die Antwort auf die Frage, ob Günther Jauch außer für die Quotenbilanz auch inhaltlich ein großer Gewinn für die ARD sein wird. Lassen wir ihn Langstrecke laufen und warten ab, wie es sein wird, wenn er auch einmal ein komplizierteres Thema behandeln wird.

Und die anderen?

Was haben Plasberg, Will und Beckmann auf ihren neuen Sendeplätzen zu Stande gebracht? Zunächst ist zu konstatieren: so überbordend wie die ARD glaubt, ist das Zuschauerinteresse nicht. Gerade zweimal gelang ein zweistelliger Marktanteil. Eigentlich war kaum eine Talk-Sendung im ersten Angang signifikant stärker als das vorherige Programm an gleicher Stelle.

Die auf ihrem Sendeplatz verbliebene Sandra Maischberger schielte beim Debüt mit Charlotte Roche als Gast zu offenkundig auf den Publikumserfolg. Heraus kam eigentlich nur, dass Sex doch auch irgendwie Spaß machen sollte. In der zweiten Sendung verhandelte sie die Euro-Krise zu offenkundig nur mit zweitrangiger Besetzung, auch wenn ARD-Börsenfrau Anja Kohl als populär gilt und der Hedgefond-Manager Karsten Schröder seine TV-Tauglichkeit schon bei Plasberg bewiesen hatte.

Völlig ruhig und unbeeindruckt zieht lediglich Maybrit Illner im ZDF ihre Talk-Bahn. Sie hat es klassisch gehalten, über die Euro-Krise gesprochen, mit dem SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel den bedeutendsten Politiker eingeladen, der in die erste Talk-Session kam. Dazu gesellten sich Susanne Schmidt, die schon bei Plasberg dasselbe Thema diskutiert hatte und Wolfgang Bosbach von der CDU, was diesmal sogar einen Sinn hatte, da er schon fast als Wortführer einer sanften innerfraktionellen Kritik gelten kann. Das war alles solide, politisch, normal. Knapp zwölf Prozent Marktanteil waren der Lohn.

Politische Gesprächsrunden ohne Politik

Noch in ihrer Broschüre "Talk im Ersten" sprechen die ARD-Oberen selbstverständlich von "Talkshow". Auf Günther Jauchs Pressekonferenz am 5. September in Berlin betonten sie plötzlich unisono, der Begriff behage ihnen nicht. "Politische Gesprächssendung", das sei der richtige Terminus. Er ist aber eine Beschönigung. Denn das ist die bereits feststellbare Generaltendenz: die Talkshows entfernen sich unter der Hand immer weiter von der klassischen Politik hin zu einem allgemeinen Geplauder mehr oder weniger Prominenter zu relativ beliebigen Themen.

In den zehn ersten Talks vom 30.8. bis zum 11. September gab es insgesamt 47 Gäste, nur fünf davon waren aktive Politiker. Aktuell noch in bedeutender Position waren allein Sigmar Gabriel und Winfried Kretschmann. Die anderen (Bosbach, Hintze, Graf Lambsdorff) waren zweite Reihe. Selbst wenn man noch die fünf ehemaligen Politiker (Struck, Todenhöfer, Stoiber, Engholm, von Dohnanyi) hinzuzählt, machen Politiker gerade noch ein Fünftel der Talk-Gäste in den "politischen Gesprächssendungen" aus.

Im Zentrum der Debatten standen dagegen meist Buch-Autorinnen (Charlotte Roche, Melanie Mühl) oder Prominente wie Veronica Ferres, Dieter Thomas Heck oder der Sternekoch Tim Raue.

Nun können auch Sendungen jenseits der klassischen Politik durchaus politisch sein, aber dann müssten auch die "Lindenstraße" oder der "Tatort" demnächst dem Ressort "Information" zugeordnet werden. Dass ein Mehr an Talk auch ein Mehr an Information bedeutet, ist vorerst nur eine Behauptung.

Euro-Krise, der Niedergang der FDP, selbstverständlich der 11. September und Libyen - das waren sicher die zentralen politischen Themen der letzten Wochen. Der Euro wurde zweimal betalkt, ebenso der 11. September. Die restlichen Themen waren Jugendgewalt, Patchwork-Familien, Luxus und Sexualmoral. Libyen und FDP fielen aus.

Es sind Allerweltsthemen und Allerweltspromis, die die ersten Talkwelle der neuen Talk-Offensive prägen.

"Anne Will" mit neuen "Gänsemarsch-Talk"

Am signifikantesten fiel der Unterschied zum ursprünglichen informativen Anspruch bei "Hart aber fair" und "Anne Will" auf. Beide sprechen jetzt von einem "gesellschaftspolitischen Talk". Um "Wut im Bauch", also Jugendprotesten und Jugendgewalt, ging es in Anne Wills erster Sendung am 31.8.. Es war nur keiner da, der sie hatte. Kein vernünftiger Mensch käme auch auf die Idee, wollte er sich zu diesem Thema informieren, die Werke eines Kochs zu studieren oder bei einer Schauspielerin nachzuschlagen. Anne Will aber wollte es populär und sicher - also begann sie das erste, vertiefende Gespräch mit dem Sternekoch Tim Raue und zog dann Veronica Ferres hinzu, die glücklicherweise auf einen bald laufenden Fernsehfilm zum Thema hinweisen konnte. Tim Raue hat ein Buch über seine Kindheit in einer Gang geschrieben und wie er es trotzdem zum heutigen Erfolg gebracht hat.

Darüber hatte er bei Anne Will schon am 10. April gesprochen. Danach am 22. April in der NDR-Talkshow, am 28. April bei Markus Lanz, am 2. Juni bei Maybrit Illner und ausführlich am 10. Juli mit Kathrin Bauerfeind. Er bot also Gewähr dafür, seine Biografie hinreichend flüssig erzählen zu können, während sich Veronica Ferres diesmal sogar vorbereitet hatte und außer ihrer "riot"-Erfahrung im Londoner Hotel Nobelpreisträger zu zitieren wusste. Dass dann der von jedem Spießer immer noch als besonders wilder Geselle angesehene Sido mit Edmund Stoiber streiten sollte, galt den Machern als Höhepunkt raffinierter redaktioneller Dramaturgie.

Im Gänsemarsch-Talk - einer nach dem anderen statt alle zusammen - kaum zur Geltung kam Christian Nürnberger, der auch noch da war, prompt als "Gatte von Petra Gerster" vorgestellt wurde und Stoiber noch schnell wegen der Macht der Finanzmärkte attackieren durfte. Das ließ das Publikum (1,22 Millionen Zuschauer) aber relativ kalt. Größer war das Interesse an der zweiten Runde "Anne Will", als eine plappernde Millionärsgattin mit aufgespritzten Lippen, ein Luxus-Immobilienverkäufer und der sozial engagierte "Liqui Moly"-Unternehmer erst gegen Ende der Sendung in größerer Runde von einem Soziologen etwas gebremst wurden.

Ist Plasberg nur noch fair?

Auch Frank Plasberg hat sich in den populären Allerweltstalk gestürzt. Die Journalistin Melanie Mühl, ein Scheidungskind, hat ein Buch geschrieben, mit dem sie den Mythos vom Erfolg der Patchwork-Familie entlarven will. Allein: den Mythos gibt es nicht. Die Vermutung der Autorin, Eltern würden sich heutzutage allzu leichtfertig trennen, wies der erfahrene Familientherapeut zurück. So blieb letztlich unklar, was sie genau sagen wollte. Auch Plasberg fragte da nicht konsequent nach. Dieter Thomas Heck, der auch gerade eine Buch geschrieben hat, wurde als Beispiel für langjähriges Eheglück geladen, erzählte aber erst einmal vom Scheitern seiner ersten Ehe. Dana Schweiger und Ingo Naujoks erklärten ausführlich ihre privaten Arrangements.

Bald stimmte auch die "Patchwork-Gegnerin" zu, dass Trennung sinnvoll sei, wenn aus der Ehe ein "Kriegsschauplatz" geworden sei. Da waren sich alle einig, aber noch mindestens eine halbe Stunde Sendezeit zu füllen. Wie immer waren bei Plasberg die kleinen Einspielfilme interessanter als in anderen Sendungen, diesmal besonders die der "Brigitte" entnommenen Stoßseufzer einer verlassenen Mutter in Richtung der neuen Freundin ihres Ex-Mannes und der aktuelle Blick auf ein Trennungskind, das vor fünf Jahren schon einmal porträtiert worden war. So etwas kann Plasberg gut. Fraglich ist, ob ihm die Profilveränderung vom besonders konfrontativ fragenden politischen Journalisten zum polyvalenten TV-Allrounder auf Dauer gut bekommt.

Beckmann mit Risiko

Am stärksten unterscheidet sich jetzt schon die Sendung "Beckmann" vom Rest des Geredes. Er sucht das intensive Gespräch. Mal gerät ihm das zu seicht. Als Enoch zu Guttenberg, der Vater des ehemaligen Verteidigungsministers, der ehemalige SPD-Chef Björn Engholm und Winfried Kretschmann, der neue grüne Ministerpräsident von Baden-Württemberg zusammen saßen, wirkte auch letzterer fast schon wie ein Ehemaliger. Sanft ging es zu. Man sprach über Rücktritte und Ehrlichkeit und darüber, wie Karl-Theodor zu Guttenberg Glaubwürdigkeit wieder herstellen könne. Böse Worte - "Blender" oder gar "Betrüger" wären denkbar gewesen - fielen nicht, aber Beckmann übertraf gleich beim ersten Mal auf neuem Sendeplatz beim Marktanteil die 10-Prozent-Marke.

Seine viel risikoreichere nächste Sendung haben die Zuschauer (nur 1,12 Mio.) leider nicht belohnt. Der Vater eines inhaftierten Mitglieds der so genannten "Sauerlandgruppe" und die Mutter eines ebenfalls zum kriegerischen Islam konvertierten jungen Mannes legten ihre Erlebnisse dar. Und außer Peter Scholl-Latour waren mit Souad Mekhennet und Martin Schäuble zwei junge, vielen Zuschauern sicher noch unbekannte, aber ausnahmsweise tatsächlich kundige "Experten" mit von der Partie. Es wurde intensiv beraten, überlegt, nach eigener Verantwortung gefragt und auch die Ratlosigkeit nicht verborgen. Es war eine intensive Gesprächssendung.

Hier ist auch der Unterschied zu den anderen groß genug, während sich Maischberger, Plasberg, Will doch sehr um den selben Kuchen streiten. Das Argument, der Zuschauer wolle so viel Talk, ist noch keineswegs bewiesen. Ebenso wenig ist der Verdacht ausgeräumt, hier werde Raum geschaffen für mehr Beliebigkeit.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(