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"Kid Nation": Langeweile auf der Kinderfarm

Es sollte eine völlig neuartige Reality-Show werden. 40 Kinder treten in die Fußstapfen ihrer Vorfahren und spielen die Gründergeschichte der USA nach. Völlig auf sich gestellt, ohne Erwachsene. Doch was der Sender CBS mit "Kid Nation" auf die Mattscheibe brachte, löste nur beherztes Gähnen aus.

Die umstrittene neue US-Reality-Serie "Kid Nation", in der 40 Kinder in einer verlassenen Wüstenstadt ihr Zusammenleben selbst organisieren sollen, ist überwiegend kritisch aufgenommen worden. "Die Show zu sehen, hat so viel Spaß gemacht wie übermüdete Kinder zu sitten, die zu viele Süßigkeiten gegessen haben", befand die Zeitung "The Boston Globe" nach dem Start der Serie. "The Toronto Star" nannte die Sendung "manipulativ und langweilig". Und mehrere Kritiker bemängelten die wie auswendig gelernt klingenden Statements der Kinder.

Schon im Vorfeld hatte die Serie des Fernsehgiganten CBS so hohe Wellen geschlagen wie noch kaum eine Realityshow. Medienkritiker warfen dem Sender Ausbeutung von Kindern und Verstöße gegen den Jugendschutz vor. Eine Mutter beklagte sich, weil ihre Tochter bei der Küchenarbeit mit heißem Fett verletzt wurde. Vier andere Kinder sollen versehentlich Bleiche getrunken haben. Die zwischen 8 und 15 Jahre alten Kinder hatten bei der Produktion der Show 40 Tage lang ohne Eltern und Lehrer in einer Geisterstadt im US-Bundesstaat New Mexico gelebt.

Die erste Folge von "Kid Nation" (etwa: Kinder-Staat) erzählt von der Ankunft der Gruppe in dem verlassenen Wüstennest. "Ich glaube, ich sterbe hier, weil es hier überhaupt nichts gibt", klagt der achtjährige Jimmy. Die Kamera beobachtet ihn, wie er vor Heimweh weinend auf dem Boden liegt. "Ich bin erst acht", sagt er. "Ich glaube, ich bin zu jung, um so etwas zu machen." Am Schluss gibt Jimmy auf und entscheidet sich, aus dem Projekt auszusteigen. Die anderen Kinder stellen sich weiter der teils harten Arbeit - vom Brunnenbau bis zum Kloputzen.

Sie sind wie Kinder-Schauspieler bei ihrem ersten Dreh

Die Show wirke wie eine von unsichtbaren Erwachsenen überwachte reale Welt, urteilte die "New York Times". "Das wirkliche Rätsel ist, ob die sorgfältig ausgesuchten, aufgeweckten kleinen Gesichter wirklich als Kinder angesehen werden können - tatsächlich sind es Kinder-Schauspieler bei ihrem ersten Dreh."

Angesichts der Kritik im Vorfeld hatte der Sender darauf verzichtet, den Fernsehkritikern wie sonst üblich Vorab-Versionen zur Verfügung zu stellen. Den Vorwurf der unzulässigen Kinderarbeit wies Produzent Tom Forman, bekannt durch die Emmy-prämierte Reality-Serie "Extreme Makeover: Home Edition", mehrfach zurück. "Tatsächlich haben wir ein Sommerlager veranstaltet. Die Kinder arbeiten nicht. Sie leben, und wir nehmen auf, was passiert."

DPA / DPA
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