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TV-Tipp 20.12. "Pappa ante Portas": Herr Lohse allein zu Haus

"Ich wohne hier!" - "Aber doch nicht jetzt!" Pünktlich zu Weihnachten wird Herr Lohse wieder in den Vorruhestand geschickt. Ein perfekter Moment, um das Loriot-Zitatewissen aufzufrischen.

"Ich hätt' auch noch 'ne Tasse Rinderbrühe. Die könnt' ich Ihnen heiß machen"

"Ich hätt' auch noch 'ne Tasse Rinderbrühe. Die könnt' ich Ihnen heiß machen"

"Pappa ante Portas"
20:15 Uhr, NDR
MEISTERWERK Loriot als Kult zu bezeichnen ist in etwa so, als würden wir Stephan Hawking einen g'scheiten Bengel nennen. Eine DVD-Präsentation dieses Mannes ist lustiger als alles, was unter dem Label Comedy in Deutschland vermarktet wird. Ich kenne Menschen, die vergöttern Vicco von Bülow sogar so sehr, dass sie ihre liebsten Loriot-Zitate durchnummeriert haben. "23!" ruft dann der eine, während er einen Supermarkt betritt - und sein Begleiter schmunzelt wissend in sich hinein.

Ja, es gehört schon etwas Kreativität dazu, aus Loriot noch einen Insider zu machen. Die Nudel, das Jodeldiplom, die tückische Kurve von Holzhausen - sie alle sind bundesrepublikanisches Kulturgut, die Essenz dessen, was den deutschen Humor ausmacht, der im besten Falle so feinsinnig, trocken, geplant und augenzwinkernd daherkommt, dass man ihn jenseits der Landesgrenzen gar nicht mehr als solchen wahrnimmt.

"Mein Sohn ist 16. Er sitzt und spricht."

Während meines Erasmusjahrs in Tarragona war ich einmal dabei, als eine Mitstudentin ein Referat über Loriot und deutschen Humor halten musste. Die Arme. Sie hatte sich wirklich Mühe gegeben: "Die Nudel" Szene für Szene auseinanderklamüsert, Monty Python als fernes Vorbild zitiert und biografische Details des Herrn Bernhard-Viktor Christoph-Carl von Bülow eingearbeitet. Doch wie sie da so stand und versuchte, Loriots Witz wissenschaftlich zu belegen, mussten ich und die Kursleiterin, die einzig andere Deutsche im Raum, losprusten, weil die ganze Situation plötzlich so meta geworden war: Wir waren selbst in einem Sketch des großen Meisters gefangen.

Dass der größte Sketch das Leben selbst ist, beweist Loriot auch in "Pappa ante Portas". Heinrich Lohse, Einkaufsdirektor der Deutschen Röhren AG, (Loriot) wird in den Vorruhestand versetzt und trifft zuhause auf gar fremde Gestalten: seine Familie (Evelyn Hamann, Gerrit Schmidt-Foß). Die Tragik dieser Ausgangssituation kippt schnell ins Absurde. Im Supermarkt, wenn Herr Lohse den besten Mengenrabatt herausschlagen will. Beim Nichtgespräch mit Sohn Dieter bei Tische. Wenn er seiner Frau die "neue, mehr ins Private ziehende Tätigkeit" zu erklären versucht.

Loriot lässt uns darüber schmunzeln und gleichzeitig mitfühlen mit diesem Mann, der alles verloren zu haben glaubt und Contenance um jeden Preis bewahrt. Denn zu keinem Zeitpunkt des Films verliert Heinrich Lohse seine Würde. Loriot mag die Dünkel und Macken des Bürgertums entlarven wie kein anderer, aber der Lächerlichkeit preis gibt er seine Figuren nie. Auch eine Nudel kann man mit Würde tragen.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern. Wer mag, kann ihm hier auf Facebook oder auf Twitter folgen

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Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo