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"Schuld und Sühne" im Revier: Schimmi kann's nicht lassen

Nach drei Jahren Pause gibt Götz George (72) wieder den Schimanski: Die düstere Episode "Schuld und Sühne" führt den "Rentnerkommissar" in tiefe Korruptionsabgründe bei der Polizei - und mehr als einmal in Lebensgefahr.

Schimanski kann es nicht lassen. Seit 19 Jahren ist der Kriminalhauptkommissar außer Dienst, verbringt seine Zeit in Duisburg zwischen Eckkneipe, Erkans Currywurstbude ("Wie immer Rot- Weiß") und Freundin Marie-Claire - aber die Arbeit lässt ihn nicht los. Als der Polizist und Sohn seiner Lieblingswirtin Sonja sich das Leben nimmt, greift Horst Schimanski (Götz George) gegen den Willen seiner Kollegen mit aller Macht in die Ermittlungen ein. "Du bist kein Bulle mehr - du bist ein Scheiß-Rentner", schreit ihn ein Verdächtiger beim Verhör an. Schimanski bleibt gelassen: "Der Scheiß- Rentner kommt jetzt jeden Tag."

30 Jahre nach Schimanskis erstem Fall zeigt die ARD mit "Schuld und Sühne" am kommenden Sonntag (30. Januar) nach fast drei Jahren Pause wieder eine neue Episode der Krimireihe. Es ist Götz Georges insgesamt 47. Einsatz in der charakteristischen beige-grauen Jacke und er verläuft dramatisch. Die Ermittlungen zum Selbstmord des jungen Polizisten entpuppen sich als Stich ins Wespennest einer korrupten Polizeiwache. Gegen Geld schützen die Beamten des Reviers an der Duisburger Ruhrstraße die kriminelle Drogen- und Zuhälterszene - längst verteidigen sie nicht mehr die Sicherheit der Stadt, sondern nur noch ihre eigene Haut.

Der Film wirft ein grelles Schlaglicht auf die harte Realität des Polizeiberufs: Überstunden, immer mehr Papierkram, zu wenig Zeit für Privates und Familie, zu wenig Anerkennung. Wegen der vielen Überstunden müssten sie sich eigentlich alle erschießen, sagt Kommissar Günther Patzack (Hannes Jaenicke) zynisch. "Jeder kleine Zuhälter, den wir verhaften und wieder freilassen müssen, verdient zehnmal so viel wie wir", rechtfertigen sich die Beamten, als Schimanski ihren kriminellen Machenschaften auf die Schliche kommt. "Woran sollen wir denn noch glauben? Die Polizei, dein Freund und Helfer? Wenn dir Zehnjährige schon den Finger zeigen, glaubst du an gar nichts mehr."

Das Szenario ist ähnlich düster wie der tiefhängende Himmel über den regennassen Straßen und rauchenden Schloten der Stahl-Stadt im Pott. Aber Schimanski greift ein, als wäre er nie weg gewesen: Voller Intensität, harsch, raubeinig, unkonventionell und mit vollem Körpereinsatz. "Er kann noch immer über den Asphalt rollen, und auch noch immer zuschlagen, wenn er will", sagte der inzwischen 72-jährige Götz George dem WDR über seine bekannteste TV-Figur, "aber das passiert natürlich alles langsamer und nicht mehr mit der Wucht wie vor zehn Jahren." Mit so mancher moderner Entwicklung ist der Rentnerkommissar überfordert. "So ein Blödsinn" brummt er mit dem Öffner in der Hand, als sein Kumpel ihm eine Bierflasche mit Schraubverschluss gibt.

Schimanski sei nachdenklicher geworden, sagt George. "Und nicht mehr so fröhlich, aber damit entspricht er ja der heutigen Zeit." Neue Folgen der Krimireihe sind trotzdem geplant. "Ich blicke gespannt nach vorne, was die neuen Probleme betrifft, mit denen sich Schimanski auseinandersetzen wird."

Christina Horsten, DPA / DPA