"Stars auf Eis" Schwester Katis Kufenstadel


B-Promis machen Schlittschuh-Action, dazu das übliche Jury-Gedöns und gedämpfte Erotik on the rocks: Mit der zweiten Auflage ihres Eistanz-Castings steuert Katarina Witt eine zweifelhafte neue Karriere an - als festes Mitglied der Pro-Sieben-"Star Force".
Von Peter Luley

"Stars auf Eis" verspricht der Titel, "großen Sport" verheißt der Werbetrailer zu Beginn. Beides ist natürlich maßlos übertrieben. Tatsächlich ging es beim gestrigen Start der zum zweiten Mal zelebrierten Pro-Sieben-Kufenshow wieder um B-Promis in Rutschgefahr, präsentiert von einer ehemaligen Weltklassesportlerin auf der Suche nach einer neuen Aufgabe. Dass Katarina Witt, 42, die im nächsten Jahr endgültig auf Abschiedstournee gehen will, das Loslassen von Ruhm und Rampenlicht enorm schwerfällt, konnte man gerade schon ihrer tränenreichen Karriere-Rückschau bei ZDF-Mann Kerner entnehmen. Seit gestern ist klar, wie sie es hinauszuzögern gedenkt: als festes Mitglied der Pro-Sieben-"Star Force", das mit einem klangvollen Namen ein müdes Spektakel bemäntelt.

Wenn schon nicht den Abschied in Würde - die Metamorphose vom Mädchen aus Karl-Marx-Stadt über das gesamtdeutsche sächsy Hexy, das sich 1998 für den "Playboy" auszog, zur Ansagerin mit Großer-Schwester-Attitüde hat sie schon recht gut vollzogen. Assistiert von Vorjahressieger und Allzweck-Entertainer Oliver Petszokat, begrüßte sie Kandidaten wie die sendereigenen Unterhaltungs-Fachkräfte Frank Matthée ("Der Weddingplaner"), die "Germany's next Topmodel"-Teilnehmerin Yvonne Schröder und "Switch"-Comediénne Susanne Pätzold. Unterstützt jeweils von Eislauf-Profis, mussten sie in ihrer Performance als Pflichtelement einen Flieger - gleiten mit gestreckt abgespreiztem Bein - darbieten und sich dem Votum der dreiköpfigen Jury sowie der Zuschauer aussetzen.

Mit Castingshow-Schikanen in die Länge gezogen

Die aus dem Europapark Rust übertragene Liveshow folgte dabei dem bekannten ritualisierten Ablauf: Vorstellung der Probanden, dann die Pirouetten, dann die Preisrichter-Urteile. Leider nur besitzen weder die brav-biederen Preisrichter (Reinhard Mirmseker, Kati Winkler und Daniel Weiss) den Unterhaltungswert ihrer "DSDS"-Kollegen, noch die Kandidaten eine Fallhöhe, die Spannung generiert hätte - weshalb das Schaulaufen sich doch ziemlich dehnte. Hätte man die jeweils zweiminütigen Auftritte der zehn Kandidaten wie Ex-Kinderstar Patrick Bach ("Anna") oder Popbarde Patrick Nuo bruchlos aneinandergereiht, wäre das Ganze schließlich in einer halben Stunde über die Bühne gegangen. Garniert mit allen erdenklichen Castingshow-Schikanen, also der Beschwörung des harten Trainings im Vorfeld und des Siegeswillens der Teilnehmer, sowie mit sinnfreien "Greenroom"-Schalten zu Charlotte Engelhardt und gaaanz viel Werbung, dauerte das Gerutsche (gesponsert von ! "Leckermäulchen - die Milchquark-Mahlzeit") jedoch satte 145 Minuten.

Kann der Torwart-Titan die Kerth nicht heben?

Dabei spielte Witt den Part der rührend besorgten, Lob und Trost spendenden Schirmherrin so überzeugend, dass die an sich einkalkulierte dezente Schlüpfrigkeit des Events ganz goldig wirkte: Giggelnd und sächselnd ("Dange, dangeschön") betonte sie immerfort die sportliche Seite des Schaulaufens und bemerkte treuherzig etwa zur bauchfrei antretenden und als "Königin der Nacht" apostrophierten Giulia Siegel: "Giulia feiert genauso hart, wie sie trainiert". Der Schweizer Rennfahrerin Christina Surer bescheinigte sie, diese dürfe sich "nie mehr hinter einem Helm verstecken" und die (Noch/Nicht mehr-?)Oliver-Kahn-Freundin Verena Kerth lobte sie als "Wettkampftyp" und "richtiges Weib auf dem Eis". Letztere absolvierte ihren Auftritt zu den Klängen von Britney Spears' "Gimme more" und freute sich über ihren kräftigen Partner ("Gottseidank, er kann mich heben"). Ob das ihr alternder Torwart-Titan wohl nicht mehr schafft?

In diesem Potpourri der Belanglosigkeiten war der einzige (harmlose) Sturz des Abends, hingelegt von dem mit Teufelshörnchen geschmückten Comedian Bürger Lars Dietrich, fast schon so etwas wie ein Aufreger. Weiter teilnehmen darf der Gestrauchelte dennoch - als am Ende unter Simulation nicht vorhandener Dramatik die Wertungen von Jury und Zuschauer-TED zusammengezählt wurden (Co-Moderator Petszokat: "Katarina, es ist so krass"), war es Boris Entrup (Eingeweihten bekannt als Jury-Mitglied der Klumschen Modelshow), der das Teilnehmerfeld verlassen und sich nun eine "neue Challenge" suchen musste. Dann galt es noch, den Ausfall der durch einen Ellenbogen-Anbruch gehandicapten Jana Ina zu beklagen (die in der nächsten Show durch Nina Bott ersetzt wird), bevor sich Witt bis nächste Woche verabschiedete.

Potpourri der Belanglosigkeiten

Bis zum 7. Februar soll sich die Sieger-Ermittlung in Schwester Katis Kufenstadel hinziehen - immerhin verzichtet RTL, im vergangenen Jahr mit einem Konkurrenz-Wettbewerb ins Feld gezogen, diesmal auf eine ähnliche Unternehmung. Dass es noch kompromisslosere Formen televisionären Zeittotschlagens gibt, zeigte sich indes direkt im Anschluss, als Stefan Raab zur schier endlosen Pokernacht mit u. a. Reiner Calmund, Elton und DJ Bobo bat. Pro Sieben kümmert sich halt um die Allround-Akteure dieses Landes und bietet ihnen eine Heimat: Co-Moderator Oli. P sehen einige ja schon als kommenden Sidekick von Oliver Pocher, wenn der einst "Wetten, dass...?" übernommen haben wird. Und auch für Kati Witt hat man sich schon was Neues ausgedacht: Sie soll ab Frühjahr die Abnehm-Show "The biggest Loser" präsentieren.


Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker