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Darum muss der Münster-"Tatort" bleiben Ein Hoch auf die Männerfreundschaft!


In einigen Medien kursieren Gerüchte über ein Ende der "Tatort"-Lieblinge Thiel und Boerne aus Münster. Wir nennen fünf Gründe, warum Axel Prahl und Jan Josef Liefers unbedingt weitermachen müssen.
Von Carsten Heidböhmer

Steht Deutschlands beliebtestes "Tatort"-Team vor dem Aus? Wie die "Bild"-Zeitung spekuliert, könnten Axel Prahl und Jan Josef Liefers ihren bis 2017 laufenden Vertrag bei der ARD-Krimireihe nicht verlängern. Das würde bedeuten: Es gibt nur noch vier Folgen des Münsteraner Gespanns Thiel und Boerne zu sehen, dann ist Schluss.

Doch es muss ja nicht so kommen. Prahl und Liefers haben noch genügend Zeit, sich über ihre Zukunft Gedanken zu machen. Wir helfen den beiden bei ihrer Entscheidungsfindung - und liefern fünf Gründe, wieso sie weitermachen sollen.

1. Echte Männerfreundschaft

Thiel und Boerne sind das vielleicht schönste Beispiel einer funktionierenden Männerfreundschaft im deutschen Fernsehen. Und das modernste. Denn im 21. Jahrhundert müssen Männer ihre Zuneigung nicht mehr dadurch zum Ausdruck bringen, dass sie zusammen Unmengen von Bier vernichten, grölend durch die Straßen laufen und demonstrativ auf Kumpel machen. Die beiden Münsteraner Charaktere propagieren eher das Modell "altes Ehepaar". Permanent sticheln sie gegeneinander, versuchen sich bei jeder Gelegenheit eins auszuwischen und lassen im gemeinsamen Umgang jede Freundlichkeit vermissen. Das alles kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie tief in ihrem Herzen aneinander hängen und der eine ohne den anderen gar nicht denkbar wäre. Fast wie Ernie und Bert. Oder Laurel und Hardy. Nicht ohne Grund wohnen sie Tür an Tür. Sie brauchen sich eben.

2. Moderne Familienwerte

"Blut ist dicker als Wasser", sagte man früher. Doch die Zeiten der Großfamilie sind schon lange vorbei. An ihre Stelle tritt ein Verbund von Menschen, die füreinander sorgen und ein soziales Netz bilden. Hier sind die Münsteraner führend. Um Thiel und Boerne hat sich eine große Gemeinschaft gebildet, die sich im täglichen Leben stützen. Dazu zählen neben den beiden Streithähnen Bornes Kollegin Silke "Alberich" Haller (ChrisTine Urspruch), Thiels Assistentin Nadeshda Krusenstern (Friederike Kempter) und die Staatsanwältin Wilhelmine Klemm (Mechthild Großmann). Mit Thiels Vadder Herbert (Claus Dieter Clausnitzer) gehört sogar ein leiblicher Verwandter dazu. Der dauerbekiffte Taxi-Fahrer profitiert davon, dass in diesem Sozialverbund nicht alle blutsverwandt sind: In einer Folge hat er mit der Staatsanwältin sogar geschlafen.

3. Musikalische Bildung

Nicht erst seit den Pegida-Demonstrationen in Dresden wissen wir: Das Abendland ist bedroht. Insbesondere um die abendländische Musiktradition steht es schlecht. Statt Mozart und Beethoven kennen die älteren Fernsehzuschauer nur Madonna und Beatles, die jüngeren nicht mal die. Der Münster-"Tatort" fährt dagegen ein knallhartes Bildungsprogramm: In Boernes Büro in der Gerichtsmedizin hängt ein Porträt von Gustav Mahler, und auch sonst ist in den Folgen viel Musik: In der Jubiläumsfolge "Summ, Summ, Summ" hört der Gerichtsmediziner mit Schlagersänger Roland Kaiser im Hotel Richard Wagner, die Folge "Die chinesische Prinzessin" bringt Puccinis Oper "Turandot" zu Gehör und spielt in der Handlung darauf an, und auch daheim hört Boerne viel Musik - vor allem Wagner und italienische Oper sind sein Steckenpferd. Man könnte also sagen: Der Münster-"Tatort" ersetzt den in der Schulzeit oft ausgefallenen Musikunterricht.

4. Heimatkunde

Wer noch nie im Münsterland war, lernt es durch Thiel und Boerne bestens kennen. Der Krimi liefert einen perfekten Einblick in die von Katholizismus und Landwirtschaft geprägte Gegend. Die Fälle spielen mal im Milieu schlagender Studentenverbindungen, auf Pferdehöfen und anderen Landgüter, mal unter Spargelstechern, dann geht es wiederum ins Priesterseminar. Und immer wieder sind die Fahrradfahrer im Bild. Nach 26 Folgen Münster-"Tatort" weiß man genug über die Region, um einen Stadtführer zu schreiben.

5. Humor statt Betroffenheit

Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen wird es oft krampfig, wenn es um Menschen geht, die in irgendeiner Weise nicht der Norm entsprechen. Sei es, dass sie einen ausländischen Pass besitzen, einer religiösen Minderheit angehören, gleichgeschlechtlichen Sex praktizieren, zu dick, zu dünn, zu groß oder zu klein sind. Immer dann wird es im "Tatort" betont politisch korrekt. Münster kennt ein besseres Mittel: Humor. So muss Boernes kleinwüchsige Assistentin Silke Haller regelmäßig einstecken. Das fängt schon bei ihrem Spitznamen an: "Alberich" wird sie von ihrem Chef genannt. Dazu kommen ständige Sticheleien. So herrscht Boerne sie schon mal an: "Wenn der Kuchen spricht, schweigt der Krümel." Die so beschimpfte reagiert nicht etwa mit Betroffenheit oder ist beleidigt. Sondern macht das einzig Richtige: Sie zahlt ihrem Chef mit gleicher Münze zurück - und zeigt damit, dass sie über ihm steht.


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