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Presseschau zum "Tatort" "Was für eine großartige Sauerei!"


Das Debüt des Berliner "Tatort"-Teams mit Meret Becker und Mark Waschke stieß nicht nur auf positive Resonanz. Ein Aspekt an dem ersten Fall "Das Muli" wurde aber in fast allen Kritiken gelobt.

Die Zuschauerzahlen sprechen eine deutliche Sprache: 10,19 Millionen Menschen wollten am Sonntagabend den ersten Fall des neuen Berliner "Tatort"-Teams um Meret Becker und Mark Waschke sehen. Nicht ganz so eindeutig dagegen die Resonanz bei den Kritikern. Die waren sich allerdings in einem Punkt einig: Die Stadt Berlin spielt die Hauptrolle in diesem neuen Krimi.

"Spiegel-Online"

Christian Buß hebt auf "Spiegel-Online" vor allem den Berlin-Bezug hervor: "Im Hinblick auf den alten Berliner 'Tatort' mit Ritter und Stark ist das eine drastische Modernisierungsmaßnahme: Die damaligen Darsteller Dominic Raacke und Boris Aljinovic, diese Don Quijote und Sancho Pansa der TV-Reihe, waren ja immer durch ein besonders beschaulich anmutendes, geradezu tragikomisch wirklichkeitsbereinigtes Städtchen unterwegs; manchmal war man erstaunt, wie wenig Berlin in so einem Berlin-Krimi sein kann", so Buß. "Nun ist die Devise eben genau umgekehrt: Mehr Berlin geht nicht."

"süddeutsche.de"

Holger Gertz ist angetan von dem Debüt des neuen "Tatort"-Teams: "Autor Stefan Kolditz und Regisseur Stephan Wagner zeigen ein abenteuerliches Roadmovie quer durch Berlin, eine rasende Fahrt vorbei an Mauern, Menschen, Müll; an Gesichtern und Geschichten. (...) Rubin und Karow sind nicht verrückt, sie sind verloren. Aber Meret Becker ist sehr toll, sensibel und rotzig, und Mark Waschke schaut aus traurigen Eiswürfelaugen auf sein Berlin", schreibt er auf "süddeutsche.de". Sein Resümee: "Ein sehenswertes neues Team, und die Bestätigung eines Trends: Während im öffentlich-rechtlichen Showfernsehen demnächst Eier ausgebrütet werden, überwindet der Tatort öfter mal die tatorttypische Bräsigkeit."

"welt.de"

Auf "welt.de" fällt die "Tatort"-Kritik durchweg positiv aus: "Was für eine großartige Sauerei! Das neue 'Tatort'-Team stürzt durch ein kaputtes Berlin, jagt Drogenkuriere mit Koks im Bauch und tanzt am Tatort herum wie die Teletubbies. Harter Stoff. Richtig gut", jubelt Christoph Cöln und hebt ebenfalls den Schauplatz Berlin hervor: "Ach ja, die Stadt! Sie ist der dritte Hauptdarsteller im Trio Waschke-Becker-Berlin. Brillant verfeiert, bestürzend melancholisch. Am besten, Sie sehen selbst."

"ntv.de"

Deutlich kritischer sieht es dagegen Julian Vetten auf "ntv.de": "Drehbuchautor Stefan Kolditz hat ganz tief in der Klischeekiste gewühlt und ein beeindruckendes Panoptikum an Aspekten herausgesucht, die gerne als typisch für Berlin bezeichnet werden - um diese dann mit Gewalt in sein Drehbuch zu hämmern." Er kommt zu dem Schluss: "Weil 'Das Muli' in jeder Sekunde beweisen will, wie hart Berlin wirklich ist, erreicht es das genaue Gegenteil: Trotz rasanter Schnitte und einer stattlichen Anzahl parallel verlaufender Erzählstränge dürfte es den meisten Zuschauern ziemlich schwer fallen, den stinkenden Hauptstadtsumpf aus Mord, Drogen und Korruption so richtig ernst zu nehmen."

stern.de

Überwiegend positiv die Meinung bei stern.de: "Fast hat der Krimi zu viel von allem: zu viel Blut, zu viele Schnitte, zu viele Kinderschicksale. Die neuen Namen, die zahlreichen persönlichen Verstrickungen und privaten Baustellen legen das neue Berliner Team in ihrem ersten Fall leider noch etwas lahm", schreibt Sarah Stendel. "Trotzdem ist die Prämisse vielversprechend und Berlin fühlt sich echt an - viel echter als bei den Vorgängern Dominic Raacke und Boris Aljinovic. Wenn wir Rubin und Karow noch etwas besser kennenlernen, könnte es eine neue große 'Tatort'-Liebe werden."

"faz.net"

Oliver Jungen betont auf "faz.net" schließlich noch einmal die Bedeutung der Stadt Berlin für diesen neuen Krimi: "Mit der geleckten Latte-macchiato-Szene von Berlin Mitte (Mütter und Laptops) hat das nichts zu tun, auch nur wenig mit dem berüchtigten Party-Buzz, sondern eher schon mit dem 'Christiane F.'-Berlin der Achtziger oder mit Alfred Döblins Vision einer Stadtmaschine zwischen Lustprinzip und Todestrieb. Essen wird an obdachlose Jugendliche am 'Bahnhof Zoo' ausgeteilt, Leichenteile finden sich in der Müllsortieranlage, traurige Werbebanner für 'Döner 1,50 [Euro]' flappen ins Bild. Eine unerbittliche Einsamkeit und Verlorenheit liegt über dieser Dunkelstadt, die dennoch pulsiert. Ein Moloch. Willkommen in Babylon."

che

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