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"Tatort"-Kritik: Mehr Berlin geht nicht

Mit diesem Fall feierten Meret Becker und Mark Waschke "Tatort"-Premiere: In "Das Muli" deutete das Berliner Team sein großes Potenzial an.

Von Sarah Stendel

Verfolgung am leeren Flughafen BER: Das "Tatort"-Team Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke).

Verfolgung am leeren Flughafen BER: Das "Tatort"-Team Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke).

Das neue Berliner "Tatort"-Team startete im März 2015 mit einem knallharten Fall: Eine junge Frau wird in einer Badewanne ausgeweidet, Blut spritzt an den Wänden hoch, dabei ist sie noch nicht einmal tot. Doch in ihrem Körper steckt Geld, viel Geld. Die Frau wurde als sogenanntes "Muli" benutzt, als menschliche Transportbox für Kokain. Es ist ein brutaler, ekelerregender Mord, und die 13-jährige Jo (Emma Bading) muss das mitansehen.

Der Hauptstadt-"Tatort" ist einmal grunderneuert worden und darf kräftig aufs Tempo drücken. Es geht um Drogen, es geht um die Mafia - und es geht um Berlin. Wir sind in hippen Clubs in Friedrichshain, bei der Suppenküche am Bahnhof Zoo, vor den Shops am Kudamm und zum Finale geht es sogar in den noch leerstehenden neuen Flughafen BER. Mehr Berlin geht nicht.

In diesem "Tatort" wird berlinert

Dafür sorgt auch Kommissarin Nina Rubin (Meret Becker), die in Lederjacke und Altbauwohnung die coole Hauptstadt-Mutti gibt und ausgiebig berlinern darf. Und die gleich in ihrer ersten Szene wilden Sex hinter einem Club hat, um dann morgens zu ihrer Multi-Kulti-Familie zurückzukehren. Dass ihr Mann sich von ihr trennen will, dass die Kinder in die Pubertät kommen und rebellieren, führt zusammen mit der durchzechten Nacht erst einmal zu einem Weinkrampf. Und im Job sieht's auch nicht leichter aus.

Ihr neuer Kollege Robert Karow (Mark Waschke) ist ziemlich unsympathisch. Kommissar Karow ist ein Besserwisser und Macho, der die ehrgeizige Hospitantin (Carolyn Genzkow) gegen Rubin ausspielt und eine dunkle Vergangenheit hat. "Ihr letzter Partner ist gestorben. Ich möchte am Leben bleiben", sagt Rubin zu ihm. Als Zuschauer ist man sich nach der ersten Folge noch nicht ganz sicher, ob das so leicht wird. Immerhin hat Karow Verbindungen zur Drogenmafia und liefert die 13-jährige Jo an ihre Verfolger aus. Seine Figur erinnert ein wenig an Kommissar Faber (Jörg Hartmann) aus Dortmund, der auch gern mal undurchsichtige Alleingänge startet.

Tolle Jungschauspieler

Sowohl Becker als auch Waschke sind die Rollen auf den Leib geschneidert. Und auch sonst ist der "Tatort" gut besetzt, vor allem an talentierten Jungschauspielern spart die Krimiserie in letzter Zeit nicht. Die 17-jährige Emma Bading ist auch so ein Fall: Mit Zahnspange und verquollenen Augen spielt sie das verstörte Mädchen Jo sehr eindringlich.

Fast hat der Krimi zu viel von allem: zu viel Blut, zu viele Schnitte, zu viele Kinderschicksale. Die neuen Namen, die zahlreichen persönlichen Verstrickungen und privaten Baustellen legen das neue Berliner Team in ihrem ersten Fall leider noch etwas lahm. Trotzdem ist die Prämisse vielversprechend und Berlin fühlt sich echt an - viel echter als bei den Vorgängern Dominic Raacke und Boris Aljinovic.

Das Debüt des neuen Berliner "Tatort"-Duos Rubin und Karow wurde am 22. März 2015 erstmalig ausgestrahlt.