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Kostüme top, Kunst mau Warum der große Wow-Moment beim Staffelauftakt von "The Masked Singer" fehlte

Die Figur "Der Dalmatiner" steht in der Prosieben-Show "The Masked Singer" auf der Bühne
Die Figur "Der Dalmatiner" steht in der Prosieben-Show "The Masked Singer" auf der Bühne
© Rolf Vennenbernd / DPA
Beim Auftakt der neuen "The Masked Singer"-Staffel suchten die Sänger noch nach den richtigen Tönen. Aber die Hysterie stimmte. Schluss war schon für den Dalmatiner, hinter dem sich eine Schweizer Sängerin verbarg.
Von Mark Stöhr

Wenn man den Promi auch ohne die Maske nicht erkennt: What, wer? Stefanie Heinzmann? Wie sieht die denn aus? Mit raspelkurzen Haaren guckte die Schweizer Sängerin aus ihrer mit Swarovski-Steinen besetzten Samtgarderobe wie ein pubertierender Teenager auf einer Verkleidungsparty.

Sie war der Dalmatiner, der in die Rolle der Diva schlüpfen musste. Da kam niemand drauf. Im Studio nicht, und auch bei Twitter fiel ihr Name kein einziges Mal.

Hoch im Kurs dagegen: Désirée Nick, was echt billig gewesen wäre. Carmen Geiss, was total lustig gewesen wäre. Und Lena Meyer-Landrut. Die schickte allerdings vorgestern via Instagram Bikinigrüße aus dem Urlaub.

Enttarnt: Stefanie Heinzmann, Sängerin, als "Der Dalmatiner" 
Enttarnt: Stefanie Heinzmann, Sängerin, als "Der Dalmatiner" 
© Rolf Vennenbernd / DPA

Was für eine hysterische Show. Bei "The Masked Singer" ist alles zu viel. Die Werbung, das Selbstlob, das grenzdebile Mitklatschen des Publikums, das aus jedem Auftritt einen Grand Prix der Volksmusik macht. Aber dieses Hochtourige und gemeinsame Durchdrehen auf allen Kanälen schafft einen Ereignischarakter, der das Format aus dem ganzen Fernsehmittelmaß heraushebt. Auch was die Quote angeht. Rückblick: Als im Finale letztes Jahr Max Mutzke aus seinem Astronautenanzug stieg, lag der Marktanteil bei 54 Prozent. Das schafft sonst nur die Fußball-Nationalelf, wenn es bei einem großen Turnier über die Vorrunde hinausgeht.

Optisch ein Hingucker, musikalisch ein Unfall

Der Auftakt zur zweiten Staffel war cool, aber noch kein Kracher. Oder anders ausgedrückt: Kostüme top, Kunst mau. Unter den Acts waren einige arg klapprige Stimmen, die sich nur mit Mühe auf der Tonleiter halten konnten.

Der Hase etwa mit seinem hinreißenden Kleid aus zahllosen Blumenköpfen zitterte sich durch Caro Emeralds "A Night Like This", dass dem Rateteam gerade noch die Geschlechtsidentifikation gelang: eine Frau. Die knallpinke Fledermaus, optisch ein Hingucker, war musikalisch ein Unfall, weswegen Ruth Moschner eine Sportlerin unter die Maske steckte: irgendwas mit Eislauf, Anni Friesinger oder Claudia Pechstein.

Die Figur "Die Fledermaus"
Die Figur "Die Fledermaus"
© Rolf Vennenbernd / DPA

Auch beim Chamäleon, das "Dance Monkey" von Tones And I coverte, funkelten nur die 500.000 Pailletten auf dem Anzug. Zur Ü50-Motorik kam ein unüberhörbarer deutscher Akzent. Im Netz verortete man den Undercover-Sänger in Ost-Berlin: Gregor Gysi. Im Studio favorisierte Carolin Kebekus die Westberliner Variante und zauberte – Palim-Palim – Dieter Hallervorden aus dem Hut. Rea Garvey: "Weißt du, wie alt Dieter Hallervorden ist?" Kebekus: "Genug."

Der große Wow-Moment fehlte

Den großen Wow-Moment gab es gestern nicht. Ein irritierendes Glanzlicht setzte der Roboter mit seiner weiblichen Opernstimme. Die Spekulationen schwankten zwischen Blümchen und Vanessa May. Moschner: "Das ist eine Profisängerin, sehr sportlich, mit einer super Körperspannung."

Ein großes Gesangstalent verbarg sich auch hinter dem Drachen, der für seine Interpretation von Madonnas "Frozen" Standing Ovations erhielt. Aus den Indizien "Vom Vollmond zum Halbmond", "Siebter König" und "Acht Monde" strickte sich Ruth Moschner ihre ganz persönliche, komplett wahnwitzige Drachen-Theorie zusammen. "Das ist ein Sportler", fantasierte sie, "der sein Gewicht stark reduziert hat und – ich habe das eben mal gegoogelt – am 25. August Geburtstag hat. Die Quersumme von 25 ist sieben und acht Monde ergibt August." Ihr Fazit: "Es könnte Matthias Steiner sein."

"Der Roboter" und Moderator Matthias Opdenhövel
"Der Roboter" und Moderator Matthias Opdenhövel
© Rolf Vennenbernd / DPA

Rea Garvey kippte fast vom Stuhl. "Ist sie total kaputt?", rief der Ire aus – und präsentierte seine eigene, nicht weniger abwegige Hypothese: "Ich sehe einen Sänger, keinen Sportler. Vielleicht Ray Wilson." Den ehemaligen Leadsänger von Genesis also, der vor Urzeiten mal für Phil Collins eingesprungen war und hierzulande völlig unbekannt ist. Läuft also bei der neuformierten Jury, in der Carolin Kebekus nur ein einmaliges Gastspiel gab. Das ist schade, denn die 39-Jährige fabulierte nicht groß rum, sondern suchte den direkten Weg. Beim Chamäleon fragte sie: "Können wir mal gucken?"

fs

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