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Erinnerungen an "Wetten, dass ..?": Damals, als wir länger aufbleiben durften

Die Show hat Musikgeschmäcker geprägt, Familientraditionen verändert und den Tod des Rock'n'Roll dokumentiert: Die stern-Redaktion erinnert sich an "Wetten, dass ..?". Mit einer Spur Wehmut.

Wichtig für die musikalische Bildung

Meine musikalische Bildung hat "Wetten, dass ..?" übernommen. Wie alle Familien in den 80ern haben wir Nüsse knackend und Wetten bewertend auf dem Sofa verbracht. Mein persönliches Highlight: der Musik-Act. Aufsteigender Kunstnebel, bunte Lichter und dann kam ein großer Star. Michael Jackson, David Haselhoff, die Stones: Mama rollt die Augen, Papa rockt im Wohnzimmer. Wenn das so war, wussten wir Kinder: Über den Song dürfen wir am Montag auf dem Schulhof drüber reden, ohne ausgelacht zu werden. Wenn Mama die Musik cool findet und Papa nichts dazu sagt, spielten meist Peter Maffay oder Reinhard Mey. Und wir wussten: Montag auf dem Schulhof die Klappe halten und auf keinen Fall zugeben, dass man die Texte auswendig kann, sonst wäre es vorbei mit dem hart erarbeiteten Coolnessfaktor.

Katarina Rathert, Leiterin User Engagment

Länger aufbleiben - und um jeden Preis die Augen offenhalten

"Wetten, dass ..?" hieß für mich: Ich darf länger aufbleiben. Dann saß die ganze Familie zusammen im Wohnzimmer vor dem TV und wir schauten Frank Elstner zu, wie er galant die Stars begrüßte und mit den Wettkandidaten plauderte. Meine Mutter ist regelmäßig dabei eingeschlafen. Aber ich war natürlich immer hellwach - ich musste ja unter Beweis stellen, dass es auf keinen Fall für mich zu spät war.

Ulrike Klode, Kulturredakteurin

Immer dieses Überziehen der Sendezeit ...

Samstagabend mit "Wetten, dass..?" - das hieß vor allem eines: Auf das "Aktuelle Sportstudio" musste man gefühlt bis in die frühen Morgenstunden warten, weil das Überziehen der Sendezeit aus irgendeinem Grund immer dazu gehörte. Wehe dem Fußballfan, der an so einem Samstag die 18-Uhr-Sportschau verpasst hatte. Bevor man sich an den aufregendsten Szenen des Spieltags erfreuen konnte, musste man sich erst noch durch die Auflösung irgendeiner drögen Saalwette quälen und nicht enden wollende finale Klatschorgien über sich ergehen lassen. Bald kommt das "Sportstudio" also wieder verlässlich pünktlich, Fußball gucke ich aber längst auf anderen Kanälen.

Daniel Bakir, Wirtschaftsredakteur

Frisch gebadet im Schlafanzug auf dem Sofa

Bei uns zu Hause liefen damals noch andere Samstagabend-Shows wie "Spiel ohne Grenzen", "Auf Los geht's los" oder "Am laufenden Band", zu denen wir frisch gebadet in Schlafanzug und Bademantel vorm Fernseher saßen und darauf warteten, dass es 20.15 Uhr wurde und Mama den Teller mit frisch belegten Brötchenhälften hereinbrachte. Die einzige Ausnahme, übrigens, zu der im Wohnzimmer gegessen werden durfte. "Wetten, dass ..?" bildete dann Anfang der 80er den Abschluss dieser Art von Familienprogramm für mich - ich war fast 16.

Susanne Baller, Familienredakteurin bei stern.de

Theo Waigel trägt den Rock'n'Roll zu Grabe

Lange bevor diese Samstagabendshow zu Grabe getragen wurde, ist der Rock'n'Roll gestorben. Nur haben es die meisten nicht mitbekommen. Dabei musste man nur "Wetten, dass ..?" gucken, um zu verstehen. Etwa als Paul McCartney 2001 ein Blasorchester dirigierte, das währenddessen einen Beatles-Hit verhunzte. Oder als 1997 The-Who-Sänger Roger Daltrey den Klassiker "My Generation" zum Besten gab, der die unvergessliche Zeile "Hope I die before I get old" enthält. Dass Daltrey diese Zeilen noch mit 50 sang, war schon schlimm. Viel schlimmer war aber, dass er dabei von dem damaligen Finanzminister Theo Waigel sowie Sänger Patrick Lindner begleitet wurde. Ein CSU-Politiker und ein Schlagerfuzzi machen sich die einstige Hymne der rebellischen Jugend zu eigen, und der Sänger von The Who macht mit - besser konnte man mir den Tod des Rock'n'Roll nicht vor Augen führen. Das entlarvt zu haben, ist das große Verdienst von "Wetten, dass ..?".

Carsten Heidböhmer, Kulturredakteur bei stern.de

Der lustige Haribo-Mann

Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich mich als Kind immer sehr gefreut, die Sendung mit meinen Eltern zu schauen. Das kam aber weniger daher, weil ich "Wetten, dass ..?" so mochte, sondern eher weil ich immer begeistert war, den Mann aus der Haribo-Werbung zu sehen. Den fand ich immer sehr lustig.

Dominik Brück, freier Mitarbeiter