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"600 PS für zwei": Zwei eitle Gockel auf turbulenter Autofahrt

Manchmal brechen Lebenslügen ganz schnell in sich zusammen. Gelegentlich genügt dafür sogar eine einzige Autofahrt, wie die ZDF-Komödie "600 PS für zwei" mit Walter Sittler und Herbert Kaup zeigt.

Ich fahre, also bin ich. So oder so ähnlich definieren sich manche Mitmenschen. Hauptsache, sie können ein ordentliches Auto mit einer Menge Pferdestärken (kurz PS genannt) ihr eigen nennen - oder es zumindest für kurze Zeit einmal bewegen. So geschieht es in der Komödie "600 PS für zwei". Zu sehen ist der Film an diesem Donnerstag (20.15 Uhr) im ZDF.

Hartmut Sprenger (Walter Sittler) verkauft Würstchen, mit einem mobilen Stand, irgendwo in Berlin. Das war natürlich nicht immer so: Früher war er ein sehr gut bezahlter Marketingchef in einem großen Konzern. Aber dann wurde er vom neuen Personalchef Lorenz Hoffmann (Herbert Knaup) an die Luft gesetzt - einfach so, fristlos und ohne ein persönliches Wort. Doch nun, fünf Jahre später, bietet sich unverhofft eine Gelegenheit zur überfälligen Abrechnung.

"Was soll das denn alles?"

Herr Hoffmann muss für seine Firma einen schnellen Sportwagen als Geburtstagsgeschenk für einen Kunden von Berlin nach Bayern überführen und nimmt unterwegs ausgerechnet Herrn Sprenger als Anhalter mit. Dabei kommt allmählich heraus, was damals geschah - und als dann auch noch Sprengers Tochter Olivia (Lilli Meinhardt) und seine geschiedene Frau Katrin (Sabine Vitua) auftauchen, wird es richtig turbulent. Beide wussten nämlich nichts von Sprengers Kündigung, und nun verliebt sich Hoffmann auch noch in Katrin.

Über seine Rolle erzählt Walter Sittler (62, "Der Kommissar und das Meer", ZDF) im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa: "Es geht ja bei der Figur des Hartmut um die Beschwindelung von sich selbst, und dass er sich lediglich über einen Beruf definiert." Das gehe irgendwann schief. "Dann kommt unweigerlich die Frage: Worum geht es eigentlich wirklich? Muss ich das wirklich alles haben? Er versucht, Dinge zu bewältigen, die ihm schon längst entglitten sind, und das ist dann schon sehr komisch." Es entstünden dann Momente, die ganz leise daherkämen und dabei sehr berührend seien. "Beide Männer kommen an einen bestimmten Punkt mit der Frage: Was soll das denn alles? Und dann lösen sich viele Probleme plötzlich von ganz allein."

Zwei Herren im Luxus-Sportwagen

So kann man das wohl sagen. Die Geschichte ist relativ einfach: Zwei Herren, beide Ende 50, werden in einen Luxus-Sportwagen gesteckt, erzählen sich ihr Leben, entdecken Parallelen und Verbindungen, mögen sich erst einmal überhaupt nicht, dann allmählich aber doch - und erkennen, was wahre Freundschaft ausmacht. Frei nach dem Motto: Sage mir, was Du fährst, und ich sage Dir, was Du bist.

Das ist sicher ein bisschen konstruiert, aber Regisseurin Sophie Allet-Coche ("Der letzte Bulle") hat dann doch eine ausgesprochen turbulente Autofahrt inszeniert, mit vielen hübschen Sätzen darin ("Ich habe zwei Exfrauen. Mit Lügen kenne ich mich also aus!"). Sie stehen im Drehbuch von Daniel Scotti-Rosin, das wiederum auf dem französischen Fernsehfilm "Une Ferrari pour deux" beruht.

Okay, im Film ist es ein Maserati, und 600 PS hat er auch nicht. Ist aber egal, denn die beiden Hauptdarsteller Walter Sittler und Herbert Knaup (59, "Die Kanzlei", ARD) haben sichtlich Spaß an der Darstellung zweier eitler Gockel, die sich Wortduelle liefern über Scham, Lebenslügen und das Alter, und die ganz nebenbei quer durch die Republik gondeln. Sie spielen erstmals zusammen in einem Film, der Komödie und Roadmovie zugleich ist, geben ordentlich Zucker - und sollten das künftig öfter zusammen machen.

Klaus Braeuer / DPA
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