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Generationen-Manifest: Zehn Forderungen an die Parteien

Ein Haufen Idealisten aus Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft, will "eine Debatte lostreten" - formuliert aber nur Allerweltswünsche: mehr Klimaschutz, Haushaltssanierung, bessere Bildung.

Von Daniel Regnery

Claudia Langer, Buchautorin und Gründerin des Nachhaltigkeitportals #link;www.utopia.de;Utopia.de#, ist überzeugt von ihrem Vorhaben: "Nichts ist so stark wie eine Idee, dessen Zeit gekommen ist." Zusammen mit fünf anderen Köpfen aus Wissenschaft, Bildung und Wirtschaft hat die Unternehmerin nicht unweit vom Brandenburger Tor ein so genanntes "Generationen-Manifest" vorgestellt. Warum? "Die Leute gehen ohnmächtig und hilflos auf die Straße", glaubt Langer. Damit sich das ändert, hat sie in den letzten vier Monaten ein paar "verrückte Leute" unterschiedlicher Couleur zusammengetrommelt.

Aus 28 Unterstützern sollen 100.000 werden

In der Tat: Der Initiative, die Langer gemeinsam mit dem Wirtschaftsprofessor Peter Hennicke auf den Weg gebracht hat, haben sich seit Februar zahlreiche Künstler und Intellektuelle angeschlossen. Unterstützt wird die 7-seitige Erklärung, die soziale und ökologische Themen anspricht, mittlerweile von einer Reihe prominenter Köpfe – darunter die Schauspieler Benno Fürmann und Walter Sittler sowie Sänger Marius Müller-Westernhagen. Insgesamt besteht die Gruppe der Erstunterschreiber aus 28 Leuten.

Fortan kann der Aufruf der Initiative im Netz unterschrieben werden, auch auf der Straße, also ganz "oldschool", werden Autogramme gesammelt. Mindestens 100.000 Leute möchte Langer mit ihrem "Experiment" mobilisieren. Um auf sich aufmerksam zu machen, demonstrieren die Macher zusammen mit ihren Unterstützern von nun an jeden Montag vor dem Bundeskanzleramt. Die Parole: "Wir wollen den heißen Sommer nutzen."

Neben den beiden Initiatoren äußerten sich zu dem Manifest vier weitere Leute auf der dafür extra einberufenen Pressekonferenz: Die Politologin Gesine Schwan, der Chef der ökosozialen Bank GLS Thomas Jorberg, der Student und Startup-Gründer Martin Speer sowie Margret Rasfeld. Sie leitet die "Evangelische Schule Berlin Zentrum". Die Statements der bunt zusammengewürfelten Truppe glichen dabei fast eins zu eins den jeweils zehn Warnungen und Forderungen, die in dem Papier aufgelistet werden. Dort fordern sie, den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen den Generationen zukünftig ebenso rigoros voranzutreiben wie den Kampf gegen den Klimawandel. Vor allem die Themen Energiewende und Finanzpolitik stehen im Mittelpunkt der Erklärung. Anstelle von konkreten Handlungsanweisungen ist es das Ziel der Initiative, eine Debatte loszutreten und aufzuzeigen, dass Politik alles andere als alternativlos ist.

Keine Wahlempfehlung

Und auch wenn das Manifest in seinem roten Design ein bisschen an das Design eher linksorientierter Parteien erinnert, betonte Langer: "Wir sind eine überparteiliche Initiative und wollen keine Wahlempfehlung für eine Partei abgeben." Selbst untereinander seien sie sich uneinig, erklärte die 46 Jahre alte Unternehmerin. Und überhaupt: Ihre Gruppe richte sich nicht nur an die Politiker und die jetzige Regierung, sondern appelliere auch an den einfachen Mann auf der Straße, den "Metzgermeister".

Ein indirekten Vorwurf an Angela Merkel konnte sich die Runde dann aber doch nicht verkneifen, denn: Die politische Tatenlosigkeit der letzten Jahre habe dazu geführt, dass die Schere zwischen arm und reich immer größer werde. Thomas Jorberg, der etwas andere Banker, betonte: "Im Moment fahren wir im Rückwärtsgang in die Zukunft."

Ob aber ausgerechnet seine Initiative den Vorwärtsgang einlegen kann, sprich in den nächsten Wochen genügend Unterstützer mobilisiert, ist die Frage.

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Daniel Regnery