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TV-Tipp 17.12. "Ame & Yuki - Die Wolfskinder": Wenn der Papa ein Werwolf ist

Kindererziehung ist schon so schwierig genug. Aber was, wenn sich die lieben Kleinen bei jeder unpassenden Gelegenheit in Werwölfe verwandeln? Mamoru Hosodas Anime ist normaler als man denkt. Gut so!

Rangeln extreme: Die Geschwister Yuki (oben) und Ame (unten) messen ihre Kräfte.

Rangeln extreme: Die Geschwister Yuki (oben) und Ame (unten) messen ihre Kräfte.

"Ame & Yuki - Die Wolfskinder"
22:35 Uhr, Arte
ANIME Manche Nachrichten sind so doof, man möchte am liebsten seine Hände auf beide Ohren pressen und laut "Lalalalala" vor sich hin singen. Im letzten Jahr ging es mir so, als Zeichenlegende und Studio-Ghibli-Mitgründer Hayao Miyazaki seinen Ruhestand verkündete. Was für eine Verlust! Der Mann, der solche Meisterwerke wie "Chihiros Reise ins Zauberland" und "Das wandelnde Schloss" schuf, der Mann, der im rechten kleinen Zeigefinger mehr Fantasie hat als alle Disney-Zeichner der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zusammen - so einer darf einfach nicht aufhören.

Tut er aber. Und wenn wir ehrlich sind: Die Zukunft sieht gar so düster aus. Da wäre zum Beispiel Mamoru Hosoda, der - ich weiß, ich lehne mich hier sehr weit aus dem Fenster - durchaus das Erbe Miyazakis antreten könnte. Erst kürzlich habe ich sein "Mädchen, das durch die Zeit sprang" gesehen und war überrascht von der Cleverness, mit der das Thema Zeitreise in diesem Shojo (Jungemädchenfilm) angegangen wurde.

Ein schrecklich gute, normale Geschichte

"Die Wolfskinder", Hosodas jüngster Langfilm, breitet seine Geschichte deutlich ruhiger aus - und sehr straight. Statt schneller, dramatischer Zeitsprünge fließt die Zeit geradezu unbemerkt an uns vorbei. (Empfinden es so junge Mütter, die ihren Kindern beim Großwerden zusehen?) Es wimmelt auch nicht vor fantasievollen Geister-, Märchen- und Zauberwesen, die ich an Miyazakis Filmen so mag. Für einen Film, der erzählt, wie sich eine junge Studentin in einen (friedlichen) Werwolf verliebt, mit ihm Kinder bekommt und sich schließlich als alleinerziehende Mutter durchschlagen muss, passiert überhaupt bemerkenswert wenig Unnormales.

Das soll jetzt nicht nach Langeweile klingen. Selten habe ich gesehen, wie eine Story so elegant ein "ganz normales Leben" verfolgt. Ja, Hana ist Mutter zweier Wolfskinder -aber ihre Herausforderungen lassen sich sehr leicht auf andere Außenseiterrollen übertragen. Ansonsten ist sie down-to-earth wie selten eine Hauptrolle in einem Film: Hana kämpft eben nicht gegen wilde Drachen und hat - abgesehen vom Tod ihres Mannes - keine großen, tragischen Soap-Opera-Momente zu erdulden. Sie ist Mutter - nicht mehr, nicht weniger - und verkörpert eine der stärksten Frauenfiguren, die ich zuletzt in Film und Fernsehen gesehen habe. (Die andere, Avatar Korra, ist als ass-kicking heroine praktisch ihr Gegenbild, interessanterweise auch ein Zeichentrickcharakter)

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern. Wer mag, kann ihm hier auf Facebook oder auf Twitter folgen

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