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TV-Kritik

"Die Bachelorette 2018": Flüssiger flirten oder: Warum die Jungs Nadine in der Brauerei nicht vermissen

Die Kerle buhlen weiter um Bachelorette Nadine Klein. Bier strömt. Einer versucht es mit Anglerlatein. Einer pirscht sich im Pool heran. Und zwei Kandidaten werfen überraschend das Handtuch.

Von Simone Deckner

Nein, so eine Bachelorette hat es auch nicht leicht: Kolportiertes Schmerzensgeld von 50.000 Euro hin, schneeweißes Kleid, das auf eine berufliche Zukunft als "Raffaello"-Testimonial deutet, her: Was sich , 32, Musicaldarstellerin und Bierliebhaberin, von den verbliebenen Villenbewohnern anhören muss, ohne in Lachanfälle auszubrechen, erfordert schon ein hohes Maß an Selbstbeherrschung.

Szene 1: Nadine hat sich die Herren Chris (Typ Fußballnationalspieler, der immer auf der Bank sitzt) sowie (Typ Barbie-Ken, der morgens viel länger vor dem Spiegel steht) für ein Doppel-Date herausgepickt. Weshalb? "Sie gefallen mir optisch beide gut", so die Bachelorette. Per Boot geht es gen Steilküste, dort angekommen, so hatte sie es angedeutet, könnte man ja eventuell mal "über seinen Schatten springen." Oder halt von Klippen.

Zuvor gilt es aber noch ein wenig Smalltalk zu halten beziehungsweise "sich mal besser kennenzulernen". Daniel angelt. Angeln ist voll sein Ding: "Ja, so Haifische und Krokodile", halluziniert er. Nadine nickt, weil sie vermutlich eh nicht zugehört hat.

"Zähne sind mir wichtig"

Chris kann bei so viel Anglerlatein nicht mithalten und wechselt das Thema: Ja, auch er sei ja schon viel herum gekommen, zu Lande und zu Wasser, auch in Amerika war er schon, genauer: "beim Britney Spears-Konzert". Als Nadine das Gesicht verzieht und "ernsthaft?" fragt, bemüht er sich schnell zu erklären, dass er die Tickets "nur gewonnen" hat.

Dann springen alle nacheinander von den Klippen. Beim anschließenden Geplänkel entscheidet sich Daniel spontan dafür, Nadine an seiner Vorliebe für einen gesunden Beißapparat teilhaben zu lassen: "An einer Frau sind mir Zähne sehr wichtig. Du hast schöne Zähne". Krokodile habe ja auch schöne Zähne. Der Aufprall auf dem Wasser ist bei Chris scheinbar glimpflicher abgelaufen: "Ich mag deinen Humor, das Sarkastische an dir", bauchpinselt er die Bachelorette und zieht Konkurrent Daniel damit den Zahn. Er darf zum Essen bleiben.

Beim Tischgespräch sehnt man sich dann sehr nach dem behaupteten Sarkasmus, egal von wem:

Chris: "Endlich nur mal wir Zwo."

Nadine: "Ja."

Chris: "Ich hab gehofft, dass heute Vollmond ist. Ich mag Vollmond."

Nadine: "Echt? Ich mag ja Sonnenuntergänge."

Chris: "So ganz klassisch?"

Nadine: "Ja."

Gut möglich, dass uns ein gnädiger RTL-Cutter vor weiteren intellektuellen Höhenflügen wie "Was ist deine Lieblingsfarbe?" und "Ich mag ja Urlaub und du?" bewahrt hat. Chris sagt irgendwann, er mache fünf mal die Woche Sport und "wenn Heirat, dann gern nackt am Strand". Nadine drückt ihm daraufhin "geflasht" eine Rose in die Hand. Danach machen sich beide semi-glaubhaft vor, sie seien sich voll nah gekommen. Heirat am Strand mit nichts an nur noch eine Frage der Zeit.

Aushorchen beim Bier

Szene 2: Gruppendate in der Bierbrauerei. "Ich habe hier gerade mein Dreamdate", sagt einer (Name vergessen) und lässt sich genüsslich volllaufen. Nadine hat sich verleugnen lassen. Stattdessen tritt ihr bester Freund Tobi an. Er führt so genannte Männergespräche. Nadine kann die heimlich per Monitor verfolgen. "Wir wurden komplett verarscht", wird Filip später feststellen – einer der wenigen hellen Momente des Mannes, der zwischenzeitlich verstört feststellt, dass "hier die Frau entscheidet, nicht wir Männer".

Tobi findet jedenfalls Stefan gut. Der könnte passen zu Nadine. Stefan sagt nach dem vierten bloß, dass die Nadine "optisch" nicht so sein Typ sei: "Ich stehe eher auf klein, blond, zierlich, mit Dutt, die muss Eis essen mit mir", beschreibt er seine Dreamdate detailgenau. Kaum hat er sein Desinteresse auch persönlich gegenüber Nadine bekundet, findet die ihn interessant. Zu spät. Stefan wird ihr vor der Nacht der Rosen mitteilen, dass es bei ihm jetzt wirklich nicht "klick" gemacht hat und freiwillig gehen – zuvor hatte sich bereits Rafi selbst aus dem Rennen gezogen.

Maxim gerät bei der Bachelorette ins Schwimmen

Szene 3: Einzeldate mit Maxim (Typ ehrgeiziger Eiskunstläufer, der keine Kohlenhydrate isst). Die Bachelorette lädt das Male Model zum Picknick ein. Weil die gefrusteten Jungs in der Villa schon den Picknickkorb geplündert haben, gehen sie zum Paragliding – fängt ja auch mit "p" an. Noch vor dem Flug beweist Maxim maximale verbale Luftpumpenqualitäten: "Du bist eine wunderschöne Frau mit einem wahrscheinlich auch unverwechselbarem Charakter", sagt er und klingt dabei, als lese er die Gebrauchsanweisung für einen elektrischen Milchschäumer vor.

Nach dem Paragliding pirscht er sich im Pool an die Bachelorette heran. Auf die Frage "Willst du mich küssen?" erntet Maxim allerdings Kopfschütteln. Er erklärt es später vor der Kamera generös so: "Ich würde einen Kuss beim ersten Date auch nicht erzwingen." Was für ein Ehrenmann. Nicht! In der Villa angekommen hört sich die Geschichte dann ganz anders an: "Ich habe ihr einen Kuss gegeben, aber nicht auf den Mund, das wollte ICH nicht."

Glaubwürdig ist Nadines Erklärung, weshalb sie keine Lust auf Küsse im Pool hatte: "Ich will nicht mehrgleisig fahren", so die Bachelorette, die in der Woche zuvor bereits Alex geküsst hatte. Das fühle sich komisch an. Irgendwo in Deutschland liegt derweil Ex-Bachelor Daniel Völz auf dem Boden und kringelt sich.

Kevin ist raus

Szene 4: Ein Mann, von dem man 115 Minuten nichts gehört und gesehen hat, redet wirres Zeugs wie "Liebe und Singen kann man nicht erzwingen" und "Nice, nice. Hast eine gute Figur." Sein Name: Jorgo. Die Bachelorette wird sich vor der Kamera über dessen "Glückskekssprüche" lustig machen, den Sprücheklopfer aber aus unerfindlichen Gründen weiter kommen lassen. 

Auch Kusskumpel Alex ("Ich würde nie freiwillig gehen!") bekommt eine Rose. Wie Eddy, obwohl der sich mit Kumpel Kevin zuvor demonstrativ von der Gruppe abgekapselt hatte ("Die Frau muss auch mal auf mich zukommen!"). Für Kevin ist hingegen Schluss. "Eigentlich eine Frechheit, wenn ich rausfliegen würde", hatte er kurz vor der Nacht der Rosen noch getönt, beim Abschied zeigte er sich jedoch wenig beeindruckt von seinem Aus. Er grinste.