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"Bachelorette"-Finale: Unterschreibt schon mal den Bausparvertrag

Bloß keine Gefühle zeigen: Auch das Finale von "Die Bachelorette" kam daher wie eine schlechte Soap-Opera. Liebe? Egal. Eigenheim? Unbedingt. Damit ist die Kuppelshow wenigstens das: Nah dran an der Realität.

Von Sylvie-Sophie Schindler

Patrick von der RTL-Kuppelshow Bachelorette

Bekam am Ende die letzte Rose von Alisa: Patrick von der RTL-Kuppelshow "Bachelorette"

Die Reaktion des Gewinners: "Krass". Pause. Dann: "Scheiße". Pause. Schließlich: "Krass." Bestes Vokabular ist das nicht gerade, doch Bachelorette Alisa, die auch Deutschlehrerin ist, stört sich nicht eine Sekunde daran, denn nun, nachdem die Entscheidung gefallen ist, geht es nur noch um eines: Auf Wolke sieben schweben. Sie küsst den Gewinner, es ist Patrick, 24 Jahre alt und Fitnesscoach aus Bayern, Alisas Kleid glitzert silbern, und golden blitzen die Funken aus den Feuerwerkfontänen drumherum. Man könnte auch sagen: Hollywood für Arme. Aber gut: Wieder zwei Menschen mehr, denen man einen Bausparvertrag andrehen kann. Denn das Eigenheim sollte dann doch zeitnah errichtet werden – zumindest wünscht sich das Alisas Papa. Aber dazu später mehr.

Zwanzig Männer sind angetreten, um dort zu stehen, wo Patrick jetzt steht. Und eine ebenso berechtigte Hoffnung, die letzte Rose zu ergattern, durfte sich Betriebswirt Alex aus Magdeburg machen – auch er, Patricks letzter Konkurrent, stand am Mittwochabend im Finale der RTL-Kuppel-Soap. Wobei, und darauf bestand der 29-Jährige: "Es geht mir nicht um die Rose, es geht mir um Alisa." Immerhin. Aber auch für ihn hieß es erstmal: Abmarsch zu den Eltern. Die heißen Bettina und Peter, sie eine Gute-Laune-Mama, er der penetrante Nachfrager, der sich wohl am liebsten von den Burschen gleich die Kontoauszüge zeigen lassen würde. "Ich finde sein Kreuzverhör gut", sagte Alex, nachdem er sich von Peter in Oberlehrer-Manier hatte anhören müssen: "Wer nicht weiß, wo er hin will, darf sich nicht wundern, wo er ankommt." Und das, weil Alex noch nicht sagen konnte, wo er sich in zehn Jahren sehen würde. Aber: Geht es hier denn um einen Job – oder um die Liebe?

Kopfgesteuerte Angelegenheit

Naja, Liebe, spielt die überhaupt eine Rolle? Der Papa jedenfalls fragt nicht danach. Und Alisa? In Zeiten, wo Computerprogramme ruckzuck den passenden Partner errechnen, ist das zärtlichste aller Gefühle längst, und die Bachelorette ist nur ein nächstes Beispiel, eine kopfgesteuerte Angelegenheit. Man fühlt nicht einfach und übergibt sich hemmungslos dem Zustand der Irrationalität, sondern man löst es mathematisch. Die Devise: Möglichst viel Kontrolle.

Und wenn die Rechnung einem anderen gegenüber zuungunsten ausgeht, dann folgen Sätze wie die von Alisa gegenüber Alex: "Es hat nicht gereicht, ich habe zwar starke Gefühle für Dich, aber ich bin nicht verliebt." Und Alex, der nur wenige Stunden zuvor Alisa um die halbe Welt gefolgt wäre, zumindest machte das den Eindruck, reagierte betont lässig: "Man kann Gefühle nicht erzwingen." Die einen würden sagen, Respekt, ein guter Verlierer, erhobenen Hauptes und so. Aber, hey, Leute knipst doch endlich mal eure Gefühle an.

"Angst, die falsche Entscheidung zu treffen"

Man ist der Sache natürlich hübsch auf den Leim gegangen, wenn man sich von der "Bachelorette" tatsächlich etwas Echtes, etwas Wahres erhofft. Alisa, allen voran, hat bereits die letzten Wochen tapfer durchgehalten und wie fremdgesteuert Soap-Opera-Sätze aufgesagt, wie zuletzt, als sie in der Nacht vor ihrer letzten Entscheidung von einer "inneren Zerrissenheit" sprach und der "Angst, die falsche Entscheidung zu treffen."

Wenigstens, es war lustig, weil sie gar so tragisch in die Kamera blickte. Aber sonst: Blödsinn. Mit Verlaub. Denn wahrscheinlich war ihr von Anfang an klar, man erinnere sich nur an die erste Sendung: Der Patrick, der ist es. Die Blicke, die zwischen den beiden hin und her gingen, das war doch sofort, so würde der Philosoph Peter Sloterdijk es ausdrücken, eine "okulare Infektion." Und noch eine Information aus der Forschung: Der Evolutionsbiologe Karl Grammer fand heraus, dass es sich Frau und Mann binnen zehn Sekunden entscheiden, ob der andere als Partner in Frage kommt. Nachteil: Man käme auf weniger Sendezeit.

"Wie Antonio Banderas"

Also, durchaus möglich, dass die beiden, Alisa und Patrick, verliebt sind – in ihrer durch und durch kontrollierten Art. Und damit alles auch seine Richtigkeit hat: Auch die Mama ist hin und weg - Kommentar: "Wie Antonio Banderas" – und der Papa mahnt zwar an, Patrick sei wegen seines aufgebauten Kundenstammes an München gebunden, aber letztlich: "Mir gefällt, dass er ein Familienmensch ist." Könnte also doch in eine gute Richtung laufen. Bei der Grundstückssuche schon mal viel Glück. Ein Einwand allerdings kam von Verlierer Alex: "Ich habe Patrick drei Wochen in der Villa erlebt, und bin der Meinung, das kann nicht lange gutgehen." Autsch, da hat einer doch noch nachgetreten. Aber wenigstens: authentisch.

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