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Netflix-Hit Eine Vergewaltigungsszene und die schwarze Queen: "Bridgerton" sorgt für Diskussionen

Bridgerton
Die Nachwuchs-Schauspieler Regé-Jean Page und Phoebe Dynevor haben mit dem Netflix-Hit "Bridgerton" ihren Durchbruch bekommen
© ©Netflix/Courtesy Everett Collection/ / Picture Alliance
Tüll, Tränen, Liebesschwüre: Mit der Romanverfilmung "Bridgerton" ist Netflix ein riesiger Hit gelungen. Doch die Show wird nicht nur wegen der Erotik-Szenen heiß diskutiert. Unter anderem sorgen die schwarzen Hauptdarsteller für Kontroversen. Achtung, Spoiler!

Es ist der fünft-erfolgreichste Start einer Netflix-Produktion überhaupt: Rund 63 Millionen Haushalte sahen "Bridgerton" in den ersten vier Wochen, die Serie schoss in 76 Ländern auf Platz Eins der Charts des Streaming-Diensts, auch in Deutschland. Das liegt vor allem daran, dass die Roman-Verfilmung leichte und vergnügliche Kost für ein Pandemie-geplagtes Publikum auf der Suche nach Eskapismus bietet.

Die Serie ist ein bisschen so, als würde das Soap-Opera-hafte von "Gossip Girl" auf eine opulente Jane-Austen-Verfilmung treffen, - plus sehr viel Sex und gutaussehende Hauptdarsteller. Doch "Bridgerton" wird im Netz und von Kritikern nicht nur wegen der Erotik-Szenen heiß diskutiert. Vor allem die Entscheidung, schwarze Schauspieler als Adlige im England des 19. Jahrhunderts zu besetzen sorgt für Kontroversen.

Produziert wurde "Bridgerton" von "Grey's Anatomy"-Macherin Shonda Rhimes, die für ihre diverse Besetzung bekannt ist. "Bridgerton" ist ihr erstes Werk, seit sie 2017 mit einem sagenumwobenen 100-Millionen-Dollar-Deal zu Netflix kam. Während die einen es feiern, dass "Bridgerton" unter anderem eine schwarze Queen zeigt und auch der männliche Protagonist Herzog Hastings schwarz ist, geht die bloße Darstellung anderen nicht weit genug. Warum wurde die Gelegenheit nicht genutzt und das Thema Rassismus aufgegriffen? Auch, dass die schwarzen Hauptdarsteller allesamt relativ helle Haut haben, sorgt für Kritik. 

Rassistische Kommentare im Stil von: "Das ist historisch falsch" mischen sich auch dazu, doch darauf war Serienmacher Chris van Dusen vorbereitet. Er hatte sich an Thesen von Historikern orientiert, wonach die damals regierende Königin Charlotte von einer portugiesischen Königsfamilie mit afrikanischem Wurzeln abstammte - eine Debatte, die übrigens auch bei Herzogin Meghans Heirat in die britische Königsfamilie wieder aufkam.

Dass das Thema Rassismus nicht stärker im Vordergrund stand, wundert im Nachhinein übrigens auch Hauptdarsteller Regé-Jean Page. "Als ich die Serie geguckt habe, war das Überraschendste, dass die Hautfarbe von Anfang an irrelevant war", beschreibt er es. 

Eine Sex-Szene sorgt für Ärger

Und dann gibt es da noch den anderen Stolperstein, der vielen "Bridgerton"-Zuschauern nicht gefällt - Achtung, Spoiler: Es ist die Sex-Szene, in der Protagonistin Daphne den Herzog dazu zwingt, in ihr zu ejakulieren, trotz seiner eindeutigen Aufforderung "Warte!". Das passt nicht zu den ansonsten betont auf Einvernehmlichkeit und weibliche Lust angelegten Liebes-Momenten. Auf Twitter entbrannte eine Diskussion darüber, inwiefern hier eine Vergewaltigung gezeigt wurde. In der Romanvorlage ist es noch eindeutiger: Da wird der Herzog beim Vorfall als stark alkoholisiert beschrieben. Umso bedauerlicher finden viele Zuschauer, dass die Grenzüberschreitung in der Serie keine Erwähnung mehr findet.

Dafür ging es am Set vorbildlich zu: Alle Liebesszenen in "Bridgerton" wurden mit einem sogenannten "Intimacy Coordinator" gedreht, also mit einer Ansprechperson, die dafür sorgt, dass sich alle Beteiligten wohl fühlen beim Dreh. Es ist ein Job, der seit der #MeToo-Bewegung von immer mehr Film- und TV-Produktionen vergeben wird. Die Sex-Szenen seien wie Stunts choreografiert worden, schwärmte Hauptdarstellerin Phoebe Dynevor .

Für sie und Regé-Jean Page lohnt sich der Wirbel um "Bridgerton" jedenfalls: Die Instagram-Profile der bis dato eher unbekannten Schauspieler schossen innerhalb kürzester Zeit auf 1,2 Millionen bzw. 540.000 Follower hoch.

Quellen: Bloomberg. NYTimes, Twitter, CNN, WWD


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