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Carsten-Maschmeyer-Dokumentation im Ersten "Keine Antwort ist auch eine Antwort"


Selbst Medienanwalt Prinz war machtlos. Trotz Bemühungen die Ausstrahlung zu verhindern, zeigt die ARD heute abend eine Dokumentation über den Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer. Der beklagte, nicht befragt worden zu sein - der Film zeigt das Gegenteil.

Trotz Intervention des Medienanwalts Matthias Prinz will die ARD eine Dokumentation über den Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer an diesem Mittwoch (21.45 Uhr) senden. "Bislang gibt es nichts, was einer Ausstrahlung der Dokumentation entgegenstünde", sagte NDR-Sprecher Martin Gartzke am Dienstag auf Anfrage. Bei der redaktionellen Abnahme des Films "ARD-exclusiv: Der Drückerkönig und die Politik. Die schillernde Karriere des Carsten Maschmeyer" habe auch das NDR-Justiziariat mitgewirkt.

Der Hamburger Anwalt Prinz hat nach eigenen Angaben für seinen Mandanten ein umfangreiches Schreiben an alle ARD-Intendanten geschickt. Darin werden die Intendanten aufgefordert zu prüfen, ob der Film die journalistische Sorgfaltspflicht erfülle. Es gebe hieran Zweifel, da sein Mandant Maschmeyer nicht Gelegenheit erhalten habe, angemessen zu Wort zu kommen. Es habe zwar immer wieder Interviewanfragen, aber keine konkreten Fragen gegeben, die sein Mandant gerne beantwortet hätte, sagte Prinz.

Dagegen heißt es beim NDR, Maschmeyer selbst habe sich mehrere Monate lang einem Interview verweigert, bis ihn der Reporter Christoph Lütgert "vors Mikrofon" bekommen habe. Im Film fragt der Journalist den AWD-Gründer persönlich, ob es eine generelle Bereitschaft für ein Interview gebe. Maschmeyer äußert sich nicht. Ein beistehender Assistent sagt: "Keine Antwort ist auch eine Antwort."

"Verlust sämtlicher Ersparnisse und Altersvorsorge"

Stephan Wels, Leiter der Abteilung Innenpolitik beim NDR, sagte am Dienstag bei der Pressevorführung in Hamburg, der Film liefere keine neuen nachrichtlichen Erkenntnisse, vielmehr handle es sich um "eine pointierte Zusammenschau" über Maschmeyer und seine Arbeit bei AWD.

Unter anderem kommt eine Mitarbeiterin der Zeitschrift "Finanztest" zu Wort, die eine Einschätzung zu den Finanzprodukten und dem Beratersystem bei AWD abgibt. Beleuchtet wird auch die Verbindung Maschmeyers zu prominenten Größen der deutschen Politik wie etwa Bundespräsident Christian Wulff, Ex-Arbeitsminister Walter Riester (SPD) und Politikberater Bert Rürup, der lange Zeit mit der Bundesregierung zusammengearbeitet hat.

Maschmeyer gründete 1988 den Allgemeinen Wirtschaftsdienst (AWD), 2009 schied er aus dem Vorstand der AWD Holding AG aus . "Ungezählte AWD-Kunden klagen heute über den Verlust sämtlicher Ersparnisse und ihrer Altersvorsorge", heißt es in der NDR-Pressemitteilung zum Film. Mit dem ehemaligen Wirtschaftsweisen Rürup gründete Maschmeyer im Januar 2010 die Beraterfirma MaschmeyerRürup AG. Er lebt mit der Schauspielerin Veronica Ferres zusammen.

ins/DPA DPA

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