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Casting-Show "Rising Star": Alter Wein in interaktiven Schläuchen

Abstimmen per Juroren-App: Bei der neuen RTL-Casting-Show "Rising Star" können Millionen Zuschauer ihren Favoriten mit dem Smartphone wählen. Das funktioniert - auch weil das Drumherum altbewährt ist.

Von Jan Zier

Es hat funktioniert. Ja, auch technisch. Und das ist ja die eigentliche Nachricht, wenn es um neumodisches Fernsehen geht. Oder, besser gesagt: Wenn es darum geht, alten Wein in neue, interaktive Schläuche zu gießen und also mit einer Mitmach-App fürs Smartphone aufzupeppen.

Wir erinnern uns: Die ARD ist mit ihrem "Quizduell" und genau dieser Idee noch groß gescheitert - in der Premiere, an der Technik. Doch auch hier bei RTL ist das Konzept nicht neu: Denn eigentlich ist die neue Show "Rising Sun" wie "Voice of Germany". Eine Casting-Show für Musiker, bei der keiner mit blöden Sprüchen niedergemacht und jeder immer wieder gelobt wird. Auch wenn er rausfliegt.

Abstimmen auf dem Smartphone

Aber hier gibt es eben nicht nur eine Jury, die aus vier professionellen Musikern besteht, die halt den Daumen heben oder senken. Hier besteht der entscheidende Teil der Jury aus all jenen, die sich die Gratis-App zur Sendung auf ihr Handy geholt haben und dort jeweils ihre Stimme abgeben. 2,7 Millionen Juroren kamen so am Ende zusammen, sagt RTL. Es ist: "Die härteste Jury" - aber das sagen sie ja immer, egal, wie sie zusammengesetzt ist.

Die Kandidaten haben jeweils nur 150 Sekunden Zeit, die Zuschauer an ihrem Smartphone zu überzeugen, und in die nächste Runde kommt am Ende jeweils nur, wer 75 Prozent der Stimmen holt. Nur dann hebt sich die Wand, hinter der sie auftreten müssen. Für den Sieger gibt's am Ende einen Plattenvertrag sowie ein Jahr Musik-Stipendium. Die vier Promi-Musiker - US-Star Anastacia, Singer und Songwriter Sasha, Soul-Sängerin Joy Denalane und Reggae-Musiker Gentleman - dürfen zwar mitabstimmen. Aber jeder von ihnen hat eben nur fünf Prozent zu vergeben.

"The Latonius" ist der Favorit

In der Auftakt-Sendung der Staffel traten neun "Talents" an, wie sie hier heißen - fünf kamen weiter, vier fielen durch. Wobei man sagen muss, dass die App-User durchaus einen ausgeprägten Sinn für Qualität bewiesen. Nur, wer auch auf der Bühne wirklich überzeugte und nicht nur im Homestory-Video mit einer schönen Geschichte punktete, kam weiter. Man kann dem Zuschauer also doch vertrauen. Ein bisschen zumindest: Denn ohne die Zustimmung der Promi-Jury hätte es keiner in die nächste Runde geschafft.

Als Liebling der Zuschauer entpuppte sich dabei sofort "The Latonius", ein 33-jähriger Afro-Amerikaner mit Rastas und exzentrischem Äußeren, der jetzt in Hamburg lebt und Leiter eines Gospel-Chors ist, vor allem aber eine echte Rampensau, wie man so sagt. Er war der erste (und fast der einzige), bei dem sie Zugabe schrien, Anastacia war "exited" und auch Sasha hat er mit seinem Bruno Mars-Cover "vom Stuhl geknallt": "Mit dem 1. Ton". Am Ende gab es 91 Prozent für ihn – und die Favoriten-Rolle. Wobei man sagen muss, dass Bruno Mars offenbar eine gute Wahl ist: Auch "2The Universe", die einzige Band im Contest, setzte mit großem Erfolg auf den R'n'B-Sänger. Sie haben "die Bude gerockt", stellte Gentleman fest – und trotzdem noch "viel Raum nach oben". Dennoch gab's 82 Prozent.

"Lass uns mal zusammen einen Song machen"

Wenn es nicht Bruno Mars sein soll, dann ist Jugendlichkeit auch immer eine gute Wahl: Bei Jannik Brunke aus Bremerhaven hat das funktioniert, der Abiturient hat aber auch schon ein eigenes Tonstudio im Keller und 26.000 Abonnenten auf seinem Youtube-Kanal. Er sei "sehr fleißig", lobt Joy Denalane, und fast ein wenig "zu glatt", sagt Gentleman. Und, ja: er ist "unglaublich musikalisch". Niklas Budinsky aus Wien ist sogar erst 16, er ist der allererste, der antritt – und überzeugt mit einem Placebo-Cover, das sehr eigenständig daher kommt. Wenn er die Show gewinnt, würde er sogar die Schule schmeißen, sagt er. Die Promis raten ihm natürlich davon ab.

Eine jedenfalls, egal wie es am Ende ausgeht, hat schon jetzt Karriere als Musikerin gemacht: Janine Denise Schulz, 20, aus Berlin, die mit "Wicked Game" von Chris Isaak antritt. Sie wird gleich von Gentleman engagiert: "Lass uns mal zusammen einen Song machen". So schnell kann das gehen. Ganz analog.