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Rede in Düsseldorf Warum der Ex-Bundespräsident über Böhmermann nur lächeln kann

Christian Wulff steht an einem Rednerpult, während hinter ihm sein Gesicht auf einem großen Bildschirm gezeigt wird
Christian Wulff bezog in einer Rede klar Stellung zur Affäre um Jan Böhmermanns Schmähgedicht (Symbolbild)
© Friso Gentsch/DPA
Die Kritik an Jan Böhmermann? Kinderfasching! Zumindest, wenn man von sich behaupten darf, schlimmere Dinge durchlebt zu haben. Wie etwa Ex-Bundespräsident Christian Wulff. In einer Rede hat er nun einen deutlichen Vergleich gezogen.

Eigentlich sollte Ex-Bundespräsident Christian Wulff auf einer Tagung zum Thema "Globalisierung, Emotionalisierung, Polarisierung: Neue Herausforderungen für die Medien" sprechen. Dabei kam er dann auch auf das Thema zu sprechen, das Deutschland wohl wie kein anderes in den letzen Wochen emotionalisiert hat: Jan Böhmermann und sein Schmähgedicht über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan.

In seiner Rede auf beim Screenforce Day 2016 soll Wulff gesagt haben: "Wenn einer nach zwei Worten der Kanzlerin filetiert ist, wurde ich in Luft aufgelöst." Damit bezog Wulff sich auf ein Interview mit der "Zeit", in dem Böhmermann Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) scharf kritisiert hatte: "Die Bundeskanzlerin darf nicht wackeln, wenn es um die Meinungsfreiheit geht. Doch stattdessen hat sie mich filetiert, einem nervenkranken Despoten zum Tee serviert und einen deutschen Ai Weiwei aus mir gemacht."

Wulff hat sich den Humor bewahrt

Über diese Sicht der Dinge kann Wulff anscheinend nur müde lächeln. Denn während der Affäre, die Wulff letztlich das Amt des Bundespräsidenten kostete, sah er sich viel länger und viel schärferer Kritik ausgesetzt, als der Moderator sie nun ertragen musste. Getwittert hat das Wulff-Zitat Ingo Rentz, Online-Redakteur beim Branchenblatt "Horizont". Und auch einen zweiten Wulff-Ausspruch schickte Rentz via Twitter: Nach seiner Mediennutzung gefragt, soll Wulff geantwortet haben: "Ich spreche bekanntlich gern auf Mailbox."

Mit einem Anruf beim damaligen "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann hatte Wulff einen Artikel über sich in der "Bild" noch stoppen wollen. Er hatte aber nur die Mailbox erreicht und auf ihr seiner Wut freien Lauf gelassen. Offenbar hat die Affäre Wulff nur das Amt, nicht aber den Humor gekostet.

tkr

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