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Das Fernseh-Gericht tagt: "Der Knastarzt": "Bergdoktor" meets "Prison Break"

Ein junger Mediziner leistet Sterbehilfe, wird verurteilt und muss im Knast weiter herumdoktern. Das stern.de-Fernseh-Gericht senkt seinen Daumen über die neue RTL-Serie "Der Knastarzt".

Von Oliver Creutz

Der Knastarzt - auf diesen Titel kommt, wer den "Bergdoktor" mit "Prison Break" verbindet. Klingt hart, menschelt aber. RTL, der Sender, in dem es häufiger hart menschelt, versucht seit geraumer Zeit, mit neuen Serien zu punkten: "Doc Meets Dorf", "Christine", "Sekretärinnen", zuletzt "Schmidt - Chaos auf Rezept". Doch jede Neuheit geriet zum Flop. Die Zeit, in der die Zuschauer RTL aus der Hand fraßen, ist vorbei. Nun der nächste Versuch. Man wünscht jeder neuen Serie ein wenig Erfolg, da hängen auch Arbeitsplätze dran, man weiß ja, wie schwierig es für Schauspieler geworden ist. Also: Starten wir mit Wohlwollen.

Ein freundliches Männergesicht in Nahaufnahme. "Sie werden sterben." Der Mann, offenbar ein Guter, reicht einer alten Dame eine Ampulle, hält ihre Hand. Sie gleitet sanft hinüber. Schnitt. Ein guter Einstieg. Dann: Eine schicke Wohnung. Party. Leute, die fröhlich rumstehen und versuchen, kein allzu dummes Gesicht zu machen. Der Mann, der eben noch "Sterbehilfe" (so der Titel der ersten Folge) geleistet hat, feiert Geburtstag. Es klingelt, die Polizei, Haftbefehl, Handschellen, Abmarsch. Schnitt. Ein Gefängnistor schließt sich. Und wird sich so schnell nicht wieder öffnen, immerhin müssen sechs Folgen gefüllt werden. Der gute Doktor Tobias Falk (ein knuffiger Tobi, gespielt von Bernhard Piesk) muss wegen Mordes hinter Gitter. Von wegen Sterbehilfe.

Beknackte Grundidee, viele Klischees

Sein Freund, ein Anwalt, beteuert zwar, dass er ihn da raushauen werde, doch bald ist dieser Freund weniger an Falks Schicksal interessiert, sondern mehr an seiner Freundin. Man erkennt auch ohne Logo, dass man RTL eingeschaltet hat: Dieser Rechtsanwalt sieht aus wie Kai Ebel.

Weil der deutsche Staat bekanntermaßen klamm ist, soll Doktor Falk auf besonderen Wunsch der Gefängnisdirektorin nun Insassen medizinisch versorgen. Eine beknackte Grundidee kann oft der Start für eine großartige Komödie sein, doch beim "Knastarzt" bildet sie nur den Anlass, möglichst viele Klischees in einer Dreiviertelstunde unterzubringen. Wir mögen sie hier gar nicht aufzählen; jeder, der kurz mal an "Knast" denkt, kommt von selbst drauf.

Streber hinter Gittern

Und wie schlägt sich das Personal? Der Oberbösewicht mit Stimmungsschwankungen und fiesem Ausschlag tritt im rosafarbenen Bademantel auf. Heißt wohl: Wer Macht hat, kann sich auch erlauben, eher freakig zu wirken. Das war bei James Bond-Bösewichten auch oft der Fall. Falk ist ein Streber hinter Gittern. Er trägt eine Kapuzenjacke, mit der er auch als Internet-Chefredakteur durchkäme. Er will der Direktorin genauso gefallen wie seinen Zellenkumpels. Ein Doc, dem die Knackis vertrauen.

Das Problem: Die Serie ist weder hart noch lustig ist, sondern wohlfühl-soft. So sehen Fernsehstücke aus, die aufgrund von Marktforschungen entstanden sind: Immer auch an die Zuschauerinnen denken, Werbekunden nicht verprellen.

Ein paar Fragen halten die Spannung nach der ersten Folge hoch: Hat Falks Freund, der Anwalt, ihn gar ins Gefängnis gebracht? Woher hat der seinen schwarzen Ferrari, in dem er mit Falk Ex-Freundin davonbrummt? Und wen wird Falk daten, wenn er aus der Haft entlassen wird: die Direktorin oder die Krankenschwester?

Das Urteil: Eine baldige Entlassung wird angestrebt

"Der Knastarzt", ab 3.4. 21.15 Uhr, RTL

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