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Debatte um den "Tatort"-Vorspann: Leitwolf Til und die kleinen Kläffer

Til Schweiger lästert locker weiter über den "Tatort"-Vorspann und wird von Kollegin Simone Thomalla heftig kritisiert. Warum Superstar Schweiger dabei nur gewinnen und die anderen nur verlieren können.

Von Gernot Kramper

Einen Fall hat er noch nicht gelöst, aber schon für mächtig Aufregung in der "Tatort"-Familie gesorgt: Til Schweiger hat sich vor Dienstantritt bereits öffentlich am deutschen Kulturgut vergriffen, als er es wagte, den altehrwürdigen Tatort-Vorspann zu kritisieren.

Nicht nur musste er dieses Kleinod "outdated", also veraltet, nennen – was im Ernst niemand bestreiten kann – er musste ihn auch noch gewohnt schnoddrig als "dämlich" bezeichnen.

Schweiger ist eben nicht nur Deutschlands liebster Schwiegersohn, er ist auch PR-Profi. Ein halbes Jahr vor dem ersten Fall bestimmt er die "Tatort"-Debatte. Altgediente Tatortler wie Regisseur Thomas Jauch taten ihm den Gefallen und schnappen nach dem Stöckchen, dass er ihnen hingeworfen hat. Simone Thomalla, TV-Hauptkommissarin in Leipzig, brachte Schweigers revolutionärer Plan jetzt in der "Bild am Sonntag" auf die Palme: "Das einzige Übergreifende am Tatort will er wegrationalisieren," sagte sie. "Da muss ich wirklich lachen."

Kein Ritterschlag für Schweiger

Und wie kontert Schweiger im gleichen Blatt? Mit noch mehr Erregung? Nein, der Profi heuchelt professionelles Desinteresse: "Vielleicht sollten sich unsere Mitbürger über wichtigere Sachen den Kopf zerbrechen", beschwichtigt er und tritt beiläufig aber tüchtig nach, in dem er das Filmchen mit dem Fadenkreuz als "wirklich scheiße" bezeichnet.

Ob der Trailer nun bleibt oder nicht, ist ganz egal. Schweiger ist der letzte deutsche Kino-Superstar, der noch nicht im Greisenalter ist. Der Leitwolf hat jetzt sein Revier markiert. Er hat deutlich gemacht, dass er nicht dankbar sein muss, beim "Tatort" mitzuspielen zu dürfen. Nicht erst ein Dutzend Fälle lösen muss, bevor er eine Meinung sagen darf.

Auch wenn es schmerzt, spielt Schweiger in einer anderen Klasse als der Rest der Kommissare. Die deutsche Filmindustrie hat immer ein gutes Jahr, wenn Til Schweiger einen Film herausbringt, und ein deutlich schlechteres, wenn er eine Pause einlegt. Einer wie er muss nicht vor dem Krimidenkmal der deutschen Fernsehunterhaltung in Ehrfurcht erstarren.

Da können sich andere jetzt noch so ärgern, Schweiger sprengt das mehr oder minder gleichberechtigte Kollektiv der Tatort-Kommissare. Das ist etwas, was zuletzt Götz George gelang. Dem aber nicht wie Schweiger von vorn herein, sondern George musste sich seine Verdienste erst als Tatort-Schimanski Sonntagabend für Sonntagabend erarbeiten.

Und ganz nebenbei konnte sich Til Schweiger genau so zeigen, wie ihn seine Fans lieben. Immer locker, respektlos, mit losem Mundwerk, nicht alles ernst gemeint - aber das Ganze mit Humor. Und klar ist auch: Neben ihrem Charmebolzen-Kollegen kommt TV-Hauptkommissarin Thomalla jetzt nur wie eine Traditions-Zicke aus der Bewahrer-Fraktion rüber.