Der Moderatorencheck Promis aktiv, Lippe gelangweilt


Comeback im Privatfernsehen: Jürgen von der Lippe moderiert seit kurzem auf ProSieben die Promi-Spielshow "Extreme Activity". Dort wirkt er allerdings bisweilen ein wenig deplatziert.
Von Michael Rossié

Stellen Sie sich sechs Prominente vor (die Sie zum größten Teil irgendwie zu kennen glauben, ohne zu wissen, wer sie sind), die mit maximalem Körpereinsatz schreiend und sich nach jedem Punkt frenetisch bejubelnd um Punkte kämpfen. Dazu ein Saalpublikum, gegen dessen Begeisterung jeder WM-Taumel zu einem vornehmen Hüsteln verblasst. Dazwischen schleicht im schlank machenden schwarzen T-Shirt unter dem Hawaiihemd ein Mann, der aussieht wie Jürgen von der Lippe herum und kommentiert völlig ausdruckslos das vermeintlich hochspannende Geschehen.

Zum zweiten Mal hat der Moderator am vergangenen Samstag die neue ProSieben-Show "Extreme Activity" moderiert, für die man ein bekanntes Gesellschaftsspiel adaptiert hat. Eine Gruppe von Halbpromis müssen dabei Begriffe erraten. Etwas unbeteiligt steht von der Lippe herum: Ein staubtrockenes "Aus-ge-zeichnet" oder ein monotones "Das ist der Hammer!" wechseln mit einem gelangweilten "Eine Sensation bahnt sich an!" und einem beiläufigen "Das Todesrad. Das ist aber schön!" Den Satz "So was habe ich noch nicht erlebt." spricht er mit dem Tonfall von "Für mich das Schnitzel, bitte!" und bei "Das war super, mehr als super" hat man das Gefühl, als ob er mit seinen Gedanken ganz woanders ist.

Er sagt, was er gleich sagt

Aber man darf nicht ungerecht sein. Herr von der Lippe hat auch noch einen zweiten Ton. Das Wort "extrem" wird zum Beispiel immer geschrieen, genauso wie "Und nun die Werbung!" und "Bleiben Sie dran!" Auch am Ende der Sendung wird aus Leibeskräften gebrüllt "Das große Finalspiel!" und "Es war großartig!" Dazu erklärt er viel, wobei alle Satzenden hochzogen werden, und er sagt grundsätzlich, was er gleich sagt: "Ich sage mal den Punktestand" (Jetzt kommt der Punktestand.) "Ich erkläre kurz, was gemeint ist!" (Jetzt die Erklärung), "Ich suche mir jetzt eine Partnerin!" (Er sucht die Partnerin). Es heißt auch nicht "Spiel ab!", sondern: "Ich sage jetzt: Spiel ab!" Das macht manche Sätze ein bisschen unübersichtlich: "Was wir erleben werden, ist, Sie werden..." oder "Es wird so sein, dass du jetzt..."

Die Dialoge mit den Promis sind knapp gehalten. "Wigald, wie waren deine schulischen Leistungen?" - "Gut!". Grammatikalisch wird es mitunter sehr volkstümlich ("Diese Runde war da auch ein Wort bei, das..."). Platz für eine kleine Zote ist auch immer ("Dann steht es nach Adam sein Riesen..."). Am Anfang macht von der Lippe immer genau ein Wortspiel und weist in jeder Sendung mindestens einmal darauf hin, dass er eigentlich nicht in den Samstagabend auf ProSieben gehört ("Was macht der alte Sack hier?" oder "Ich bin auch nur ein alter, dicker Mensch.")

Nicht immer auf der Höhe

Außerdem wirkt er nicht unbedingt übermäßig vorbereitet ("Seid ihr jetzt die german global oder die global german? / Einer von euch ist Meister? / Habe ich das jetzt schon gesagt?") und weiß nicht immer so genau Bescheid ("Die Männer führen - (Gedankenpause) - nicht mehr."). Manches hat er wohl selbst nicht so ganz verstanden: "Mit den Füßen hängst du nach unten und wirst kopfüber malen!" Gott sei Dank sehen wir dann wie es gemeint ist.

Wenn die Halbprominenten im Eifer des Gefechtes auch mal danebenhauen, dann wird es richtig komisch. Frau Pooth erfindet den "Brautmeilfrosch" oder "Mary Poppinsen", sie hält den Freund von Biene Maja für einen "Bienerich" und Angela Merkel für die Gründerin des ersten deutschen Sexshops. Den Satz "Wir haben direkt nach der Geburt..." vollendet sie mit "...wieder entbunden!" und Oli P. sinniert, dass der "frühe Vogel die Maus fängt."

Eine harmlose, teilweise ganz witzige Samstagabendunterhaltung, in der einer der bekanntesten Moderatoren des deutschen Fernsehens ein bisschen fehl am Platz wirkt. Vielleicht freundet er sich mit dem Format ja noch an. Gelegenheit hat er jeden Samstagabend um 20.15 Uhr.


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