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Sendung "Nuhr daheim" Dieter Nuhr erklärt Deutschland

Dieter Nuhr erzählt auf einer Bühne mit dem Mikro in der Hand seine Scherze
Dieter Nuhr setzt sich regelmäßig mit dem Zeitgeist auseinander
© Uwe Zucchi / DPA
Im Rahmen der ARD-Themenwoche "Heimat" erklärt Dieter Nuhr den Zuschauern, was für ihn Heimat bedeutet - und räumt dabei mit deutschen Klischees auf.
Von Wiebke Wetschera

Heimat ist ein großes Thema, denn wie oft stellt man sich die Frage: "Wo sind wir hier eigentlich?" Dieter Nuhr gibt die Antwort:  "Ich habe recherchiert und herausgefunden: Wir sind in Deutschland." Dieses Deutschland, von dem Nuhr spricht - ein Land mit einer Fläche von 357.000 qm, 200.000 überfahrenen Rehen pro Jahr und 400.000 verstorbenen Einwohnern. "Und das ist alles scheißegal, weil wir sind Fußballweltmeister." Wo er Recht hat, hat er Recht. Doch das ist natürlich nicht das Einzige, was Deutschland als Heimat bedeutet.

Das schöne Deutschland

Nuhr begibt sich also auf die Suche nach seiner Heimat und dem, was Heimat denn eigentlich ausmacht. Prinzipiell ist der Mensch in seinen Augen erstmal eine biologische Masse. Zur Unterscheidung vom Schwein  - mit dem der Mensch zu 90% übereinstimmt - habe man dann die deutsche Kultur, den deutschen Geist und die deutsche Bildung entwickelt. "Unsere Heimat ist ein schönes Land, sonst kämen nicht so viele zu uns", sagt Nuhr mit Andeutung auf die aktuellen Flüchtlingsströme. Dass jährlich auch einige Österreicher nach Deutschland kämen, würde dabei am besten zeigen, dass Deutschland auch exotische Kulturen integrieren könne.

Pünktlich und geordnet? Von wegen!

Nuhr räumt bei seiner Erklärung von Heimat auch auf amüsante Weise mit deutschen Klischees auf. Weltweit am meisten verbreitet ist natürlich das Klischee der deutschen Pünktlichkeit. Man stelle sich einen Zug in Indien vor, der um 16.31 Uhr fahren sollte. Dann würde er tatsächlich auch um 16.31 Uhr fahren - in Indien. In Deutschland hingegen würde dieser dann aufgrund einer Weichenstörung und mit umgekehrter Wagenreihung um 18.04 Uhr starten. Das populäre Problem: Die deutsche Bahn. Soviel zum Thema deutsche Pünktlichkeit.

Wenn man Afrikaner fragen würde, was sie an Deutschland schätzen, dann sei die Antwort: die deutsche Ordnung. Das kann Nuhr verstehen: "Die deutsche Ingenieurskraft, die es schafft innerhalb weniger Jahrhunderte  einen Hauptstadt-Flughafen zu bauen", darauf könne man schon stolz sein. Ein Symbol deutscher Schaffenskraft wäre es dann natürlich auch zu sagen, man würde diesen Flughafen gar nicht erst benutzen. Wer weiß, beim BER ist alles möglich.

Die Heimat verändert sich

Heimat ist da, wo die Eltern sind. Denn Nuhr sagt, dass man sich da Zuhause fühlt, wo man die Rituale kennt. Wo Mutti auch im hohen Alter noch sagt "Fahr vorsichtig, mein Junge" oder "Hast du eine warme Jacke dabei?". Recht hat er, aber wer seine Kindheit als Heimat sieht, für den ist das ganze Leben ein einziger Heimatverlust. Aber man müsse das Beste daraus machen, denn die Heimat verändert sich nun mal.

Und auch die Menschen verändern sich, daher ist die Jugend von heute für die ältere Generation ein gefundenes Fressen. Keine Bildung und keine Ahnung von dem Leben "draußen" werden ihnen unterstellt. Bäume sind für Kinder heutzutage nicht mehr zum Klettern da, sondern einfach "krass" oder "Opfer". Die Alten zweifeln also zu recht, wenn man an diejenigen denkt, die sich Sendungen mit dem Niveau von "Berlin Tag&Nacht" und "Schwiegertochter gesucht" den ganzen Tag lang anschauen. Das Paradoxe daran: "Da spielen Asis Asis und vor dem Fernseher sitzen Asis und sagen: Ey, das is ja voll asi!" Denen müsste man mal versuchen zu erklären, was denn die Realität sei. Da sieht Nuhr bloß eine Möglichkeit: Die Realität ist der Ort, wo der Pizzabote herkommt.

Die ängstlichen Deutschen

Deutschland sei aber auch die Heimat der Schisser. Kinder dürfen nicht mehr laufen, weil sie sonst hinfallen könnten, der Staat will aus Vorsicht eine Helmpflicht einführen. Die Menschen werden immer ängstlicher, obwohl die Welt sicherer ist. Das liegt an den Medien, sagt Nuhr: "Viele fahren schon mit 30 durch die Innenstadt, oder am liebsten mit 25, weil sie bei n-tv gesehen haben, dass sich plötzlich ein Loch auftun könnte."

Alles kann für uns Heimat sein. Sogar ein Hochhaus kann Heimat sein - mit 56 Stockwerken. "Drücken sie alle Knöpfe von eins bis 56 und steigen sie dann sofort wieder aus dem Aufzug aus", appelliert Nuhr. Es wird griesgrämige Gesichter geben. Und von Etage zu Etage werden sie noch mürrischer. Dass die Deutschen brummig sind, das ist wohl ein Klischee, das niemand widerlegen kann. Nicht mal ein Dieter Nuhr.  "Das sind die Menschen ihrer Heimat", sagt Nuhr. "Vom Leben gegerbte Fressen, aber hier sind wir Zuhause. Willkommen daheim." Wir müssen das Beste daraus machen.


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