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"Neo Magazin Royale" Jan-Böhmermann-Doku: Gibt es den Reichspark wirklich?

Jan Böhmermann berichtet über den Reichspark
Jan Böhmermann im Gespräch mit Raphael Gamper, der als CEO der HG BusinessConsulting den Reichspark umsetzen will.
© Screenshot ZDF
Im "Neo Magazin Royale" stellte Jan Böhmermann einen Unternehmer vor, der die NS-Zeit als historischen Erlebnispark aufbereiten möchte. Gibt es das Projekt wirklich?

So mancher Zuschauer mag am Donnerstagabend seinen Augen kaum getraut haben: In einer Sonderausgabe des "Neo Magazin Royale" beschäftigte sich Jan Böhmermann mit der deutschen Erinnerungskultur. In diesem Zusammenhang stellte er ein Projekt mit dem Titel "Unternehmen Reichspark" vor. Das möchte die dunkelsten Jahre der deutschen Geschichte auf eine ganz neue Weise aufarbeiten: als Freizeit- und Erlebnispark. 

Als Projektverantwortliche wird die in Offenbach sitzende Firma HG Business Consulting vorgestellt. Dderen Vorstandsvorsitzenden Raphael Gamper schwärmt im Gespräch mit Böhmermann davon, die deutsche Geschichte erlebbar zu machen. Besucher könnten in die NS-Zeit eintauchen. "Sie wollen nicht den ganzen Tag mit den kontroversen Aspekten der deutschen Vergangenheit belastet werden?", fragt Gamper in einer Video-Präsentation. "Kein Problem." Der Unternehmer geht so weit, einen Spaziergang durch die "vom aliierten Bombenterror '45 noch unzerstörte Dresdner Altstadt" zu versprechen. Das ist Geschichtsrevisionismus pur.

Raphael Gamper ist in Wirklichkeit der Schauspieler Piet Fuchs

Das ganze Konzept scheint bis ins Letzte durchdacht. Die Video-Präsentation ist aufwendig - und sogar die Homepage von HG Business Consulting existiert. Vor allem scheint das Vorhaben ideologisch in eine Zeit zu passen, da die AfD in Fraktionsstärke im Bundestag sitzt. Gibt es das Projekt also wirklich?

Da sind bei Jan Böhmermann naturgemäß Zweifel angebracht. Der Satiriker hat bereits mit #Varoufake die Nation an der Nase herumgeführt und liebt das Spiel mit gefälschten Fakten. Und so finden sich schnell Spuren, die auf einen Fake hindeuten.

So lässt sich bei den für diese Geschichte angelegten Websites  nachweisen, dass sie erst kürzlich angelegt worden sind. Bei dem Geschäftsmann Raphael Gamper handelt es sich in Wirklichkeit um den Schauspieler Piet Fuchs, der in Kinofilmen wie "Fraktus" oder "Er ist wieder da" mitgewirkt hat. Kurzum: Der ganze Beitrag ist eine gekonnte Fälschung.

Jan Böhmermann will AfD-Politiker stellen

Für Böhmermann war diese Fake-Dokumentation nur der Vorwand, um sich mit von AfD-Politikern erhobene Forderungen nach einem Schlussstrich auseinanderzusetzen. Alexander Gauland hatte mit Blick auf den Nationalsozialismus gesagt: "Man muss uns diese zwölf Jahre nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr." 

Der gezeigte Beitrag sollte zeigen, was das konkret bedeutet, wenn man diese Forderung ernst nimmt: Das Gedenken an den Holocaust würde aufgehen in einer Event-Kultur, in der die Verbrechen der NS-Zeit dem Besucher nurmehr einen wohligen Schauer über den Rücken laufen ließen. 

Ursprüngliches Ziel was es offenbar, tatsächlich einen AfD-Politiker vorzuführen, der sich mit dem falschen Geschäftsmann Raphael Gamper treffen sollte. Eine rechte Website berichtet von dem brandenburgischen Landtagsabgeordneten Thomas Jung, der sich mit Gamper getroffen hat - das vorgeschlagene Projekt des Reichsparks aber abgelehnt habe. Ganz offensichtlich war Böhmermanns Attrappe nicht gut genug.

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