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TV-Tipp 8.12.: Doku "Eine ganz normale WG": Normal, unnormal? Scheißegal!

Anne-Marie, Bernadette, Delia, Doris, Sarah und Gabi leben in einer WG in Berlin. Was daran besonders ist? Alles. Unser TV-Tipp des Tages.

Eine von sechs: WG-Mitglied Delia in ihrem Zimmer

Eine von sechs: WG-Mitglied Delia in ihrem Zimmer

"Eine ganz normale WG" 0.30 Uhr, ZDF
DOKU Ich habe manchmal Berührungsängste, wenn ich Menschen mit Behinderungen begegne. Das ist doof, das ist dumm. Aber es ist so. Ich bin in diesen Momenten einfach so verdammt unsicher, wie ich mich zu verhalten habe. Beim Schreiben potenziert sich diese Angst noch einmal. Es gibt so viele Fallstricke, so viele Phrasen und Gemeinplätze, mit denen man unverhofft beleidigen kann. Mittlerweile gibt es sogar eine Website, die Journalisten Tipps zur Vermeidung von Klischees in der Berichterstattung gibt. Das sensibilisiert, bereitet mir aber auch Sorge, am Ende nur noch in polierten Worthülsen zu formulieren.

Einer dieser Begriffe, der mir immer wieder begegnet, wenn über Menschen mit Behinderungen gesprochen und geschrieben wird, ist das Wort "normal". Manchmal als Wunsch: "Wir wollen wie ganz normale Menschen behandelt werden." Manchmal als augenzwinkernder Kommentar. "Wer ist schon normal?" Der Pressetext des ZDF, der für einen neuen Dokumentarfilm über den Alltag einer sechs-Frauen-WG mit ganz unterschiedlichen "Behinderungen" wirbt, trägt dieses Wort wie einen Schutzschild vor sich her. Es taucht sogar im Titel auf. "Eine ganz normale WG". Und irgendwas stört mich daran. Vielleicht liegt es daran, dass ich das Wort "normal" nie als besonders positiv empfunden habe. Als wäre es das große Endziel in unserem Leben, immer und zu aller Zeit einer bestimmten Norm zu entsprechen.

Überhaupt, was oder wer sollte als Messlatte für diese "Normalität" gelten? Der Mensch, der seine Arbeit leidend erträgt und daran Stück für Stück zugrunde geht? Dann doch lieber Bernadette, die sich ihre Unzufriedenheit ehrlich von der Seele redet. "Die sind sehr unfreundlich hier und deswegen möchte ich hier auch weg." Sagt die junge Frau erfrischend offen in die Kamera - und dass, obwohl sie gerade mitten in der weiß verkachelten Großküche, mitten auf ihrem Arbeitsplatz, steht.

In 88 Minuten lernen wir Bernadette und ihre Mitbewohner Anne-Marie, Delia, Doris, Sarah und Gabi ziemlich gut kennen. Nicht nur, weil das Kamerateam die sechs und ihre zwei Betreuer auf Schritt und Tritt begleiten durfte, sondern auch, weil sich die Mitbewohner selbst gefilmt haben. Nach eben diesen 88 Minuten möchte ich den sechs Frauen aber auch eins zurufen: Nein, ihr seid nicht normal. Ihr seid etwas Besonderes. Wie jeder einzelne Mensch auf dieser Erde.

PS: Für alle, die den Film lieber früher am Abend sehen möchten: Am Freitag, 12. Dezember, gibt es eine Wiederholung um 20.15 Uhr auf ZDFkultur.

Ein TV-Tipp von Jens Wiesner, freier Autor beim stern


Und das ist an diesem Tag noch sehenswert:

"Auf dem Weg nach Oregon"
21.55 Uhr, Arte
WESTERN mit Michelle Williams. Drei Familien ziehen 1845 unter Führung eines Trappers durch das Land. Die Orientierung haben sie längst verloren… Wer sich auf die karge, sinn liche Melancholie der Bilder einlässt, lernt den Wilden Westen aus weiblicher Sicht zu sehen. (bis 23.30)

"Der Anständige"
22.45 Uhr, ARD

DOKUMENTATION Im Februar 2014 wurden private Briefe von Heinrich Himmler veröffentlicht. Der Film von Vanessa Lapa konfrontiert mit der Gedankenwelt des SS-Führers, der zum "Architekten des Holocausts" wurde und den Massenmord der Nazis "gewissenhaft" organisierte. (bis 0.15)

Themen in diesem Artikel
Wie heißt der Film?
Hallo, seit langer Zeit bin ich auf der Suche nach einem Film, den ich vor ca. 25 Jahren gesehen habe. Es ist ein französischer Film von oder in der Art wie Eric Rohmer. Der Titel könnte "Betrug" oder ähnlich lauten. Es geht um eine Dreiecksgeschichte, bei der ein Mann von seiner Ehefrau und seinem besten Freund betrogen wird. Der Film erzählt seine Geschichte in Rückblenden und steigert die Spannung dadurch, dass der anfangs unwissende Zuschauer von Rückblende zu Rückblende mehr Informationen erhält, bis er gegen Ende sogar wissender ist als die Darsteller. Wie ein roter Faden zieht sich dabei die Frage durch den Film: Wer hat zu welchem Zeitpunkt was gewusst. - Ab wann wusste der betrogene Ehemann, dass er betrogen wurde? - Ab wann wussten die Betrüger, dass der Ehemann wusste, dass er betrogen wurde usw. Der Film beginnt äußerst langatmig. Wenn ich mich recht erinnere mit einer 20-minütigen fast statischen Kameraeinstellung. Zwei Personen (Ehefrau und Liebhaber) sitzen an einem Tisch eines sehr einfachen Restaurants. Aus dem Gespräch erfährt man, dass sie früher einmal ein Verhältnis hatten. Im Laufe der Unterhaltung verdichtet sich allmählich die Befürchtung, der Beste Freund/ Ehemann könnte eine Ahnung gehabt haben. Dann folgt die erste Rückblende. Dieses Prinzip von sich verdichtender Ahnung verstärkt sich immer mehr und verleiht dem Film eine - wie ich finde - einzigartige Dramaturgie. Wäre wundervoll, wenn jemand helfen könnte. Gruß Leo