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TV-Kritik

Dschungelcamp, Tag 7: Welche 90er-Jahre-Pillen müssen wir einwerfen, um das zu ertragen?

So unspektakulär kann ein Rausschmiss sein: Frl. Menke musste als Erste das Dschungelcamp verlassen und selbst der Geschassten scheint es egal zu sein. Wenn die Staffel nicht bald anzieht, hat RTL ein echtes Problem.

Von Simone Deckner

Dschungelcamp, Tag 7: Sarah Joelle Jahnel stößt an ihre Grenzen im "Schlachthof"

Kein Ding. Macht nichts. Voll ok, wirklich. "Irgendeiner muss ja als Erster gehen", sagte Franziska Menke, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Frl. Menke, drückte sich noch mal quer durch die Runde ihrer Eben-noch-Mitbewohner und fügte sich dann klaglos in ihr Schicksal.

War da was?

Frage an RTL: Wenn es schon die erste Geschasste des Camps kaum kratzt, zu gehen, was sollen dann erst die Zuschauer fühlen? Außer Langweile. Denn: Die Staffel kommt auch an Tag 7 nicht so recht in Schwung. So egal war der Abgang, es hätte nicht überrascht, wenn die just von den Fernsehzuschauern heraus beförderte Kandidatin sogleich wieder ihr unfassbar nerviges Tralala-Liedchen "La familia grande" angestimmt hätte. "Nicht ein Team, nicht intim, das Team" lautet der Refrain des mauen Motivations-Nümmerchens.

Ganz wichtig und ganz toll, urteilte Camp-Seelenklempner Markus Majowski. Dann floskelte er herum, dass sich die Palmblätter bogen: von der großen, schönen Campfamilie. Von dem Gemeinschaftsgeist, der herrsche. Von dem Gesang als sinnstiftendes Ritual, das die Gruppe zusammenschweiße. Kein Zirpen der Zikaden unterbrach die Lagerkoller-Litanei. Ein schlimmer Verdacht kam auf: Spekuliert der Psycho-Pantomime womöglich auf die Nachfolge von Domian? Allein Florian Wess, der Botox-Boy, ließ sich nichts vormachen: "Das bringt eine falsche Harmonie rein, die es hier überhaupt nicht gibt", durchschaute er das falsche Spielchen.

Dschungelcamp 2017, Tag 7: Ich seh' dir in die Augen, Kleines
Dschungelcamp

Sarah Joelle Jahnel wurde zum zweiten Mal von den Zuschauern in die Dschungelprüfung gewählt. Die beiden Moderatoren Daniel Hartwich und Sonja Zietlow schickten sie in den Dschungelschlachthof.

Kader Loth und ihre Schlangen

Quälend lange Sendeminuten wurden zudem damit vergeudet, Kader Loth dabei zu zeigen, wie sie sich nach einem Albtraum ("Eine Schlange wollte mich töten!") nicht von Thomas Häßler und den sich am Po kratzenden Jens Büchner beruhigen ließ. Kein noch so väterliches Zureden seitens "Icke“ half. Frau Loth, bei der das schuhcremeartige Augen-Make-Up auch in tiefster Nacht an Ort und Stelle ist, blieb felsenfest davon überzeugt, dass "die Rache der Schlangen" fürchterlich sein werde. Denn wer könne schon wissen, ob die Schlange, die sie gebissen hat, nicht doch giftig war und sie in vier Wochen tot umfalle? Bis auf Dr. Bob und das ganze Ärzteteam im Hintergrund von "Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!" natürlich, wer?

Bis zu ihren sicher halluzinierten Tod muss sich die Reality-TV-Mimin aber erst einmal mit Migräne herumschlagen. Die halb besorgte, halb besserwisserische Frage von Frl. Menke ("Hast du abgeführt?") quittierte Kader zunächst mit Fragezeichen im Gesicht. Um kurze Zeit später jeglichen Zusammenhang zwischen dem Toilettengang und der Kopfschmerzattacke vehement zu verneinen. "Bei mir kommt das von den Zwiebeln." Hätten wir das auch geklärt.

Erster Klogang für Hanka Rackwitz im Dschungelcamp

Hanka, die Frau mit den vielen Phobien, konnte hingegen Vollzug vermelden. Nach einer guten Woche im Camp bezwang sie zum ersten Mal erfolgreich die Dschungeltoilette. Nach vollendeter Tat strahlte die 47-Jährige wie ein Kind, dass der Mama stolz wie Bolle sein Kacki zeigen will. "Die Bleidecke, die immer auf mir lag, sie bewegt sich etwas", sagte Hanka.

Eine solche Bleidecke, man hätte sie sich gern gekrallt und über die unentwegt "Scheiße! Oh, mein Gott! Verdammte Scheiße" fluchende Sarah Joelle Jahnel gedeckt, als diese zur Dschungelprüfung andackelte. Nicht, ohne sich vorher ellenlang die Haare in Form zu legen. Die 27-Jährige zeterte sich durch Unmengen von Gedärmen, Fleischabfällen, Spinne, Ratten und Mehlwürmern und traf sogar auf einen abgetrennten Kuhkopf, kein Zuckerschlecken für Splatterverächter, zugegeben. "Ich kann Tieren nicht in die Augen sehen, wenn sie tot sind", sprach's und schwärmte kurz darauf davon, wie unheimlich gern sie Fleisch esse. Sieben Sterne gewonnen, Glaubwürdigkeit verloren.

Botox-Boy Florian Wess traut Sarah Joelle ja ohnehin nicht über den Weg: Nicht nur, dass sie in den unmöglichsten Situationen anfange, zu twerken, er findet auch ihre Mimik "unecht". Höchst verdächtig sei so etwas. Der Mann muss es wissen, er kennst sich mit Nervengiften aus.

Neon-Igel als Lichtblick im Dschungelcamp

Einziger Lichtblick in einer sonst schwachen Folge: Der kleine Rückblick in die 90er Jahre Technoszene mit Frl. Menke und Hanka. Beide goutierten die kleinen, bunten Pillen, die damals alle futterten wie Smarties, so machte es den Anschein. "Ich habe da immer so kleene, winkende Neon-Igelchen gesehen", sprach Hanka. Frl. Menke nickte. Sooooo viel Zeit für Party habe sie als Mutter von zwei Kindern natürlich nicht gehabt. Nur manchmal. Na ja. Hi hi. "Aber mir haben meine Kinder auf gut Deutsch gesagt ..." Hanka: … den Arsch gerettet!" Frl. Menke: "Genau."

Das ist das Stichwort: Kann Markus Majowski seinen Allerwertesten morgen noch einmal retten? Trifft es doch Nicole Mieth oder Thomas Häßler? Und: Welche 90er-Jahre-Pillen müssen wir einwerfen, damit es mehr Spaß macht, den verbliebenen elf Dschungelkandidaten dabei zuzuschauen, wie sie die Zeit abreißen? Frl. Menke, sind solche Fragen, wir ahnen es, schon jetzt vollkommen schnurzpiepegal.

Dschungelcamp: Warum Nicole Mieth & Co. vor dem Camp-Einzug nackt posieren