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Dschungelcamp, Tag 7: Vorhang auf für Sarahs Sidekicks

Sarah hier, Sarah da, Sarah überall: Im Dschungelcamp dreht sich alles um die neurotische Nervensäge. Das ist nicht fair - schließlich gibt es dort noch ganz andere schräge Vögel.

Von Björn Erichsen

Ist es dieser Tage möglich, einen Artikel über das Dschungelcamp zu schreiben, in dem es nicht um Sarah Knappik geht? Einfach mal dreist nicht erwähnen, dass sie am Donnerstagabend als zweite Kandidatin überhaupt eine Dschungelprüfung verweigert hat? Schlicht verschweigen, dass sie zur Rechtfertigung wieder einen Möbelwagen luftiger Argumente auffuhr (Modelzukunft, mögliche Tierallergie), dass sie, während sie "endlich mal an sich dachte", nölte und heulte und sich dabei aufführte wie eine labile Elfjährige auf Justin-Bieber-Entzug? Ist eine solche Berichterstattung denkbar und überhaupt noch seriös?

Vielleicht. Denn auch wenn es bisher kaum jemand mitbekommen hat: Es gibt noch weiteres Leben im Dschungel. Es vegetiert am Rand von Sarahs Ego, ein wenig eingeengt, doch zeigt es durchaus Vitalfunktionen. Die schnarchende "Knastlesbe" Katy Karrenbauer etwa, oder Weddingplaner Froonck, der einen großen Auftritt hat und mit geübtem Griff und unvermeidlichem Gestöhne ("Uh, ah, yeah!") einer Ziege einen halben Liter Milch aus der Zitze schüttelt. Und wer hätte gedacht, dass sich Gitta Saxx bereits seit einigen Tagen im Dschungelcamp aufhält? "Ich werde immer nur als Playmate wahrgenommen und nicht als Mensch", klagt das hochdekorierte Sex-Symbol am Lagerfeuer über ein Problem, an dem Indira Weis noch mit Inbrunst arbeitet.

Moderne Männerfreundschaft

Durch den Prüfungsboykott von Sarah blieb beim Zusammenschneiden der Sendung endlich mal Zeit, um von ihren Sidekicks etwas mehr zu zeigen als nur Indira-Ausschnitte und den rosa Slip von Rainer Langhans. Für die Zuschauer fast unbemerkt hat die Verbindung zwischen Schauspieler Mathieu Carrière und Ex-GZSZ-Darsteller Peer Kusmagk sämtliche Stufen einer modernen Männerfreundschaft durchlaufen. Vom gemeinsamen Gaffen am Teich über halbnackende Yoga-Figuren unter der Felsendusche bis hin zu den Tücken der Nasszellenhygiene: "Sag mal reinigst du beim Pinkeln mit dem Strahl auch immer das Becken?", will Mathieu es ganz genau wissen. "Äh, wie?", staunt Peer. "Sag bloß du pinkelst hier im Stehen?"

Dirk Bach und Sonja Zietlow vertreiben sich die Sarah-freie Zeit unterdessen mit Lästern über Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg, weil der jetzt schon im Dschungelcamp die Rainer-Langhans-Witze für seine Wahlkampfreden abkupfert. Bei den Machern der Show müssten an der Stelle sämtliche Alarmglocken schrillen: Da hat man es sich mit kuscheligen Kritiken und über sieben Millionen Zuschauern in der Mainstream-Hängematte bequem gemacht, traulich eingewohnt in der Mitte der Gesellschaft, und schon droht Erschlaffen. Denn was, bitteschön, könnte deutlicher den baldigen Niedergang einer ehemaligen Skandal-Show ankündigen, als dass die CDU darüber lacht?

Alles Gutti?

Ob der fleischgewordene Kanzlerkandidat in spe die Demontage von Sarah so richtig gut findet, darf bezweifelt werden, denn natürlich müssen auch im Dschungelcamp die Menschleinrechte gelten. Dass eine derartige Erfahrung lange nachhängt, zeigt ein Besuch bei Giulia Siegel, die 2009 eine ähnliche Watschn vom Publikum erhielt. Die 36-Jährige wird noch heute wütend, wenn es um den Dschungel geht: "Ich wurde übel als Zicke hingestellt", schimpft sie in der "FAZ", und kann noch immer im Detail auflisten, welche ihrer Dialoge damals sinnentstellend zusammengeschnitten wurden.

So ist das nun mal: Die Zicke gehört zum Camp wie das "von" zu Guttenberg. Es war erfrischend, dass es sich in der Show zumindest ein bisschen weniger als bisher um Sarah drehte, doch natürlich geht es nicht ohne sie. Die Zuschauer haben sie schon wieder für eine Dschungelprüfung ausgewählt, Nominierung Numero sechs, damit stellt Sarah den "ewigen Rekord" von Giftspritze (und Dschungelkönigin!) Désirée Nick aus der zweiten Staffel ein. Allerdings wird es, am Tag an dem erstmals ein Dschungelcamper nach Hause fahren muss, eine kleine Änderung geben: Die anderen zehn Teilnehmer sollen Sarah diesmal zu ihrer Dschungelprüfung begleiten. Vermutlich ist das notwendig: Wie sollten die Zuschauer sonst mitbekommen, dass man da auch für andere Leute anrufen kann?