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#Ibes - lasst mich wieder rein: Würdelos durch die Nacht

Die nächste Runde im Sommerlochcamp: Alles, was der Auftaktsendung an Elend fehlte, holte die zweite Sendung nach. Kein Wunder, wenn man auf Lichtgestalten wie Naddel, Spenge und Willi Herren bauen kann.

Von Ingo Scheel

Carsten Spengemanng, Nadja Abd El Farrag und Willi Herren tragen feucht-verdreckte Leibchen mit Mehlwürmern und grinsen breit.

Carsten Spengemanng, Nadja Abd El Farrag und Willi Herren haben ihre Würde im australischen Dschungel zurückgelassen

Es mag merkwürdig klingen, aber es gibt so Leute, die muss man erst wiedersehen, um festzustellen, dass man sie vermisst hat. Naddel ist so ein Fall. Wie sie dasitzt auf dem Studiosofa, so frisch und frech von der Leber weg, so beschwipst aus der Zeit gefallen, als hätte sie gerade eben noch Spaghetti Bolo für Dieter Bohlen gekocht - man muss sie einfach mögen. In all dem Gegiggel und Zähneblecken immer auch der tragische Unterton, der Ruf nach Liebe, ganz egal woher und von wem. Jeder Hundebesitzer, der seinen Vierbeiner einmal vor dem Supermarkt vergessen hat, weiß wovon die Rede ist. Bello war danach nicht mehr derselbe. Und dann diese Zähne. Naddel taucht auf und ganz TV-Deutschland dreht erstmal den Kontrast raus. Beißer, mit denen man im dunklen Kinosaal problemlos zurück an den Platz findet. Grandios.

Aufgewärmtes von vor zehn Jahren

Apropos an den Platz finden - wie Frau Abd El Farrag zum Auftakt der Sendung in den Saal stakst, das sah bereits aus wie eine erste Dschungelprüfung. In der Regie zog man hastig die Mikros der Moderatoren auf stumm, das angsterfüllte Getuschel von Hartwich und Zietlow war dennnoch kurz zu hören. Zwei alte TV-Hasen, mit allen Wassern gewaschen, im Angesicht eines Showtreppensturzes angstvoll den Atem anhaltend - man hatte kurz das Gefühl, es hier vielleicht doch mit Menschen zu tun zu haben.

Zur zweiten Ausgabe des "All-Star-Events", wie RTL das Aufgewärmte von vor zehn Jahren kaltblütig nennt, hatte man ein Trio infernale aus der zweiten Staffel des Dschungelcamps geladen. Neben besagter Naddel waren Carsten Spengemann und Willi Herren als Bittsteller angetreten. Herren, der immer so aussieht, als käme er grad von einem Gespräch mit seinem Bewährungshelfer und T-Shirts trägt, auf denen "Der Mann hinter dem Bauch" steht, in seiner Diskografie so wunderbare Preziosen wie "Doris, du geile Schlange", "Is mir egal" und "Scheiß drauf! (...Mallorca ist nur einmal im Jahr)".

Und dazu noch Spenge, bei dem auch nach Jahren nicht klar ist, woher der Mann diesen "Eigentlich bin ich doch nur aus Spaß und nicht aus Verzweiflung dabei"-Zug um den Mund her hat. Vielleicht hat sich sein letzter Song "Salz auf die Eier", vorgetragen in einem Ganzkörper-Kondom und an der Seite von jemandem namens Ikke Hüftgold, doch besser verkauft als wir alle wissen. Sprüche-T-Shirts mag er auch. "I Wasn't Born with enough Middlefinger" steht auf seinem. Nun denn - Naddel jedenfalls wasn't born with enough Erinnerungsvermögen. Oder eben mit too much Durst. Als man ihr einen Best-of-Mitschnitt von 2004 - nochmal zum Mitschreiben: jener Ausgabe, bei der sie dabei war - vorspielt, erkennt die kukidentöse Diva kaum jemanden und das obwohl Größen wie Dingens Varell und ein gewisser Fabrice Morvan dabei gewesen sind.

Psychodrama und Lästereien

Da ist Spenge, der irgendwo einen Münzschlitz mit der Aufschrift "Empathie" zu haben scheint, schon aus ganz anderem Holz. Bei den Bildern des bandscheibenvorfallzerrockten Jimmy Hartwig kommen dem vorgeblichen Enkel von Hans Albers doch tatsächlich die Tränen. Großes Kino, wie überhaupt alles, was der ersten Folge am Vortag noch an Psychodrama und Beef gefehlt hatte, hier nachgeholt wurde. Der Spenge sei nur "ein unehrlicher Lappen", so Willi Herren, Naddel nur noch bemitleidenswert, legte der kölsche Jung, der mit eigenem Fanclub angereist war, vollmundig nach. Dazu gab es SloMo-Aufnahmen der göbelnden Desirée Nick, nicht einmal, nicht zweimal, nein, fünfmal hintereinander. Mal ehrlich: Wer hätte da nicht auch schon vor der Sendung in der Garderobe Luft in fünf, sechs Vasen Krombacher gelassen, um das besser durchzustehen?

Ein bisschen Prüfung gab es auch. Naddel durfte in einem Trabbi das Gas- mit dem Bremspedal verwechseln und machte das prima. Anschließend musste sie die Nacht hoch oben auf einem Kran zusammen mit Carsten und Willy verbringen und dabei Wasser aus einem Sektglas trinken. Was die von RTL sich aber auch an Perversionen einfallen lassen. Wasser aus einem Sektglas. Tsss.

Als wäre das nicht genug, holte sich Naddel auch noch vom Moderatorenduo eine Abreibung dafür ab, dass sie sich mit Aussagen wie "Ich hab kein Projekt auf dem Zettel" oder "Das letzte halbe Jahr habe ich nichts gemacht" etwas zu sehr hinter den Vorhang schauen ließ. Ein verstörendes Intermezzo zwischen Bohlen-Bashing und Scientology-Auditing, höchst unangenehm und nur mit einem Auge zu ertragen. Anyway. Am Ende gab es noch ein paar Quizfragen, die übliche Morastdusche und mit Willi Herren den erwarteten Sieger der Herzen. Und jetzt alle: Scheiss drauuuuuf! Dschungelcamp ist zweimal im Jahr.