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TV-Kritik zum Dschungelcamp: Junge Zicken, alte Hippies, beste Laune

Auch die neue Staffel des RTL-"Dschungelcamps" ist totaler TV-Trash. Aber das - für den, der es mag - auf hohem Unterhaltungsniveau. Zwischen bornierten Jungzicken und bequemen Althippies sind allerdings noch die Moderatoren die wahren Stars.

Von Björn Erichsen

Die kapitale Rhinozeros-Kakerlake misst gute zehn Zentimeter und ist quicklebendig, als sich Indira Weis das Vieh behutsam zwischen ihre vollen Lippen schiebt. Sieht lustig aus, fast wie eine Zigarre, 20 Sekunden muss sie das Insekt im Mund behalten. Unentwegt fließt dabei ein beachtlicher Speichelstrahl auf Indiras enges Shirt. Immerhin, sie hat eines an, kann man da mal positiv bemerken. Doch natürlich muss man kein TV-Kenner sein, um zu erkennen, dass hier Größeres vor sich geht: Speichel, Brüste, Kakerlaken? Natürlich: Es ist wieder Dschungelcamp.

Endlich. Fast zwei Jahre hatten die Schaben, Egel und Heuschrecken in dem australischen Fernsehdschungel mit angeschlossenem Plumpsklo Ruhe vor der deutschen Aushilfs-Prominenz. Doch nun hat sich zum fünften Mal eine Karawane verzweifelter Ex-Irgendwassen auf den Weg in den australischen TV-Dschungel gemacht, bereit für eine Handvoll Euro und ein bisschen Publicity so ziemlich alles zu tun. Nun werden wieder viele schimpfen über dieses Trash-TV, das man sich am besten gar nicht antun sollte. Wahr ist aber auch: Wer sich drauf einlässt, bekommt beste Fernsehunterhaltung, im Durchschnitt werden es wieder sechs bis sieben Millionen Zuschauer sein.

Schon 2004, bei der ersten Ausgabe, als das Format noch als TV-Skandal galt und verboten werden sollte, fabrizierte die Show Erinnerungswürdiges: Da gab es Caroline Beil im schmerzhaften Kampf mit Vögeln und einen wimmernden Daniel Küblböck, der beim Kakerlakenbad einen Vorgeschmack auf den weiteren Verlauf seiner Karriere bekam. Da trafen sich über die Jahre grandios gescheiterte Ex-Fußballer, hemmungslose Giftspritzen, und frisch transformierte Transsexuelle. Rund um das Lagerfeuer war Platz für Ex-Häftlinge, zwei Pornostars und das Ego von Peter Bond. Selbst Giulia Siegel durfte in diesem autonomen Biotop des Fernsehdarwinismus eine Zeit lang denken, dass das Publikum sie mochte. Bei aller Künstlichkeit: Keine andere Show gewährt einen derart direkten und ungeschminkten Einblick in die verkorksten Psychen von C-Prominenten.

Mit Spaß bei der Sache

Die Sendung ist zynisch und böse, keine Frage, und das fängt bei den Moderatoren an. Doch so augenschädlich der kotzbunte Freizeitdress von Sonja Zietlow und Dirk Bach auch ist: Man merkt, die beiden haben Spaß bei der Moderation aus dem australischen Busch. Da wird offen über die Teilnehmer gelästert, wie sonst nirgendwo ("Bei Ihnen zu Hause fehlen sie nicht, bei uns stören sie nicht."). Über den nicht vorhandenen Kontostand von Katy Karrenbauer genauso wie über das tuntige Doppel-O im selbst verpassten Spitznamen von Wedding-Planer Frank Matthée: "Auch Froonck hat kein Geld auf der Boonck!"

Die Show funktioniert auch ohne richtige Prominente, weil die Teilnehmerliste einiges an Zündstoff verspricht. Das zeigt schon der erste Tag: Topmodel-Mitläuferin Sarah Knappnik holte bereits beim Streit um eine vegetarische Suppe zum Präventivschlag im unvermeidlichen Zickenkrieg mit Indira aus. Die wiederum hat sich durch ihre tapfer durchgestandene Dschungelprüfung Respekt verschafft und wird von Schauspieler Mathieu Carrière ebenso umworben wie von einem echten Ex-Boy-Group-Star: Jay Kahn. Dessen größte Sorge: "16 Tage ohne Sex - das wäre hart!"

Der Langhans-Stil: streunen statt helfen

Über solche Probleme kann Rainer Langhans nur lachen, angeblich ist der Ex von Uschi Obermaier seit 37 Jahren abstinent. Nur bei dieser Dschungel-Sache mag er noch nicht so richtig mitmachen. Beim Marsch ins Lager trottete die 68er-Ikone lustlos hinterher, die Hände immer in den Taschen. Statt mit den anderen am Lagerfeuer zu arbeiten, streunt er lieber im Camp herum. Der erste Eindruck: Herr Langhans ist eher der bequeme Typ, einer der sich gern zwei Mal bitten lässt.

So etwas bestraft der Zuschauer: Am Schluss der Sendung wurde Langhans direkt für die nächste Dschungelprüfung nominiert: Am Samstagabend muss der Mann mit der Pusteblumen-Frisur einen gläsernen Sarg voller Kakerlaken besteigen, mit dem er über eine Schlucht gezogen wird. Das kann man eklig finden und unangebracht - aber auch ziemlich unterhaltsam.