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DSDS - Deutschland sucht den Superstar

Zahlendreher bei "DSDS" Fans laufen Sturm


Als Reaktion auf eine Panne bei der Telefonabstimmung will RTL die "DSDS"-Show vom vergangenen Samstag wiederholen. Doch der Sender verlängert auch gleich die ganze Staffel. Ein Schachzug, der bei vielen Zuschauern nicht gut ankommt.
Von Carsten Heidböhmer

Krisenmanagement bei RTL: Als Reaktion auf eine Panne bei der Telefonabstimmung zu der Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" hat der Sender gleich zwei Entscheidungen getroffen, von denen, ob gewollt oder nicht, vor allem einer profitiert: RTL.

Rückblende: Am letzten Samstag sollte wie jede Woche ein DSDS-Bewerber von den Zuschauern per Telefonanruf oder SMS herausgewählt werden. Doch dann wurden, um 22.39 Uhr, kurzzeitig die Abstimmungsnummern von zwei Kandidaten - Zazou Mall und Marco Angelini - vertauscht. Nach drei Minuten korrigierte Moderator Marco Schreyl den Zahlendreher, allerdings unterlief ihm fünf Minuten später der gleiche Fehler noch einmal. Die Leitungen blieben weiterhin offen - bis kurz vor Mitternacht konnten Fans zum Preis von 50 Cent weiter anrufen.

Erst um 23.57 Uhr erfuhren die Zuschauer, wie RTL auf die Panne reagiert: Die Show wird wiederholt. Die vor 22.39 Uhr abgegebenen Stimmen werden in die nächste Sendung mitgenommen. Alle danach aufgelaufenen Stimmen sind ungültig. Immerhin werden den Anrufern die Kosten nicht berechnet. Der Sender klärt derzeit mit den Telefonanbietern, die entstandenen Kosten gar nicht erst in Rechnung zu stellen. Sollte dies nicht möglich sein, biete RTL den Anrufern an, die Telefongebühr zu erstatten, hieß es am Montagnachmittag in einer Presseerklärung.

So geht RTL "Wetten, dass ..?" aus dem Weg

Die Neuansetzung der Sendung hat den für RTL positiven Effekt, dass es eine weitere lukrative Ausgabe der Show gibt - und dass das Finale eine Woche später gesendet wird - was RTL sehr gelegen kommt. Denn wäre die Finalshow wie ursprünglich vorgesehen am 30. April ausgestrahlt worden, hätte man gegen Wetten, dass ..?" antreten müssen. Dieses Duell bleibt der Show nun erspart.

Doch die Extrasendung gefällt nicht allen: Wütende Fans spekulieren im Internet darüber, ob der Kölner Sender die Panne möglicherweise bewusst herbeigeführt haben könnte. Auf der Facebook-Seite der Castingshow wird diese Vermutung vielfach erhoben: "RTL verarscht die Leute. Von wegen Panne. So ein Blödsinn", schreibt die Userin Ilona Flegel. "Eine Sauerei war das gestern. Hier ging es darum, mehr Geld zu kassieren, und da ist dem Sender jedes Mittel recht", ergänzt Max-Kevin Dollinger. Wie diese beiden nehmen viele dem Sender nicht ab, dass es sich bloß um eine Panne handelt.

Es wäre, so die Fans, für RTL ganz einfach, diese Vorwürfe zu entkräften: In der nächsten Woche könnten statt einem ausnahmsweise zwei Kandidaten herausgewählt werden - dann stimmte der Rhythmus wieder. Es müsste dann keine zusätzliche Sendung geben - und das Finale würde wie gewohnt zeitgleich zu "Wetten, dass ..?" stattfinden. Doch RTL habe sich hier für die lukrativere Alternative entschieden. Eine Sendersprecherin begründete die Entscheidung auf Anfrage von stern.de mit den Regeln der Show, die besagten, dass pro Sendung nur ein Kandidat ausscheiden dürfe.

Das Ergebnis könnte verzerrt werden

Es gibt noch eine zweite strittige Entscheidung, die die Senderverantwortlichen getroffen haben. Alle Stimmen, die am vergangenen Samstag bis 22.39 Uhr eingegangen sind, zählen in der nächste Sendung. Das mag sich zunächst fair anhören, könnte aber letztendlich die Ergebnisse verzerren. Denn die Anrufer bewerten die aktuelle Performance der Kandidaten. Wer am letzten Samstag beispielsweise Sebastian Wurth unterstützt hat, weil ihm sein Auftritt gefiel, kann in der nächsten Sendung seine Sympathien Zazou Mall schenken. Wurth könnte dann trotzdem mehr Stimmen bekommen als seine Konkurrentin - weil er die vielen Anrufer aus der Vorwoche mitnimmt.

Hier - so argumentieren die Fans - wäre die sauberste Lösung gewesen: Alle Anrufer werden entschädigt - und in der nächsten Woche wären alle Kandidaten bei null gestartet. Doch auch hier habe RTL jene Alternative gewählt, die mehr Einnahmen garantiere. Der Sender begründet seine Entscheidung auf Anfrage von stern.de folgendermaßen: "Die Anrufe zu werten und zu übertragen, ist gegenüber den Zuschauern und Kandidaten die fairste Lösung." Dadurch würden die in beiden Shows gezeigten Leistungen gewertet. Ansonsten wäre der Auftritt vom vergangenen Samstag ja völlig nichtig gewesen.

Trotz dieser Begründung: Zum Nachteil von RTL ist die nun gefundene Lösung gewiss nicht.


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