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Emmy-Verleihung: Wo die Frauen das Sagen haben

Bei der Emmy-Verleihung in Los Angeles hat sich die amerikanische Fernsehindustrie gefeiert und Preise an die besten TV-Serien, -Schauspieler und -Filme vergeben. Das beste Unterhaltungsprogramm fand allerdings schon vorab auf dem roten Teppich statt.

Von Ulrike von Bülow

Heidi Klum trägt "Dior", sagt sie, ein bordeauxrotes Kleid, trägerlos und am linken Bein hochgeschlitzt. Sie lacht ihr "Ich bin ein fröhliches Mädchen aus dem Rheinland"-Lachen und küsst ihren Gatten Seal auf die Wange. Der steht im schwarzen Anzug neben ihr und wird gefragt, welche Marke er denn heute trage?

Heidi Klum antwortet für ihn: "You're wearing my lipstick, Schatz", sagt sie, O-Ton, und dann wischt sie ihm die Spuren aus dem Gesicht, die sie soeben hinterlassen hat. Wie Mütter das bei ihren Söhnen machen, an denen sie Schokoladeneisreste entdecken.

Familien-Nominierung

Felicity Huffmann ist pretty in pink unterwegs, dekolletiert fast bis zum Bauchnabel, sie hat ihren Ehemann William H. Macy dabei, der sein nettes Knautschgesicht mit einer Sonnebrille bedeckt. Sie ist heute Abend als "Beste Schauspielerin in einer Comedy-Serie" nominiert, als "Desperate Housewife", er als "Bester Schauspieler in einer Mini-Serie" namens "Nightmares & Dreamscapes". Sie findet das sehr "nervenaufreibend", sagt sie. Er nickt.

Im Shrine Auditorium in Los Angeles treffen sich die prominenten Bewohner der Stadt zur Emmy-Verleihung. Der Emmy ist der Oscar für amerikanische TV-Serien und -Filme. Die Stars laufen hier in Hollywood gern paarweise auf, gleiches und gleiches gesellt sich ja gern, aber die Herren haben auf dem roten Teppich offenbar wenig zu sagen.

Von Hugh Laurie mal abgesehen, der als "Dr. House" nominiert ist in der Kategorie "Bester Schauspieler in einem Drama" und seinen Anhang daheim in London gelassen hat: "Meine Familie schaut im Fernsehen zu, netterweise - dort ist es ja schon sehr spät in der Nacht", sagt der Brite.

Alec Baldwin - der Serienheld

Das Aufbleiben lohnt sich für die Lauries nicht wirklich: Der Preis geht an James Spader für seine Rolle in "Boston Legal". Für die auch William Shatner in der Verlosung ist als bester Nebendarsteller, der aber den Kürzeren zieht gegen den Terry O'Quinn aus "Lost". Bei den Damen in dieser Sparte vorn: Katherine Heigl aus "Grey's Anatomy".

Das alles sind Serien, die bereits in Deutschland laufen. Vielleicht kommt bald "30 Rock" dazu? Die NBC-Serie mit Alec Baldwin, die hinter den Kulissen einer fiktionalen Comedy-Serie spielt, gewinnt in der realen Kategorie "Beste Comedy-Serie". Zur besten Serie im Bereich "Drama" werden "Die Sopranos" gekürt, für ihre sechste und letzte Staffel.

Miss Aguilera als Marilyn Monroe

Zwischendrin singen Tony Bennett, Jahrgang 1926, und Christina Aguilera, Jahrgang 1980, im Duett "Steppin' Out With My Baby"; Miss Aguilera sieht sehr Monroe-mäßig aus mit ihrem platinblonden Haar und ihrem pinkfarbenen Kleid, das im Bauchbereich allerdings so weit geschnitten ist, dass hinterher alle sagen: "Die ist schwanger, hundertpro!"

"Beste Schauspielerin in einer Comedy-Serie" wird America Ferrera aus "Ugly Betty", dem US-Pendant zu "Verliebt in Berlin", und nicht Felicity Huffman, die aber lacht und klatscht und sich zu freuen scheint; "Bester Schauspieler in einer Mini-Serie" wird Robert Duvall in "Broken Trails" und nicht William H. Macy, den man gar nicht mehr sieht.

Heidi Klum schon. Die sucht ja in den USA kein Next Top Model, aber den Next Top Designer; "Project Runway" heißt die Show, die heute nichts gewinnt. Aber Heidi findet das halb so schlimm. "Irgendwann bekommen wir auch mal einen Preis", sagt sie und lacht ihr Lachen. Seal, ihr Ehemann, steht daneben und sagt - nichts.