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Fernsehen MTV verabschiedet sich ins Pay TV


Vielen Älteren wird es vielleicht gar nicht auffallen: Der Jugendsender MTV verschwindet bald in Deutschland aus dem frei empfangbaren Fernsehen. Der Kanal wird ab kommendem Jahr nur noch als Abosender im Pay TV betrieben.

Der Musikkanal MTV schaltet in Deutschland auf Bezahlfernsehen um. Vom kommenden Januar an wird das Programm ausschließlich als Abosender auf digitalen Kabel-, Satelliten- und Breitbandplattformen zu empfangen sein, sagte Dan Ligtvoet, Deutschland- und Nordeuropachef von MTV Networks, der FTD. Die Verbreitung im frei empfangbaren Fernsehen wird eingestellt. Im Gegenzug wird der Schwestersender Viva zum zentralen Musik- und Entertainmentkanal im Free-TV umgebaut - und soll dort künftig erfolgreiche Formate aller Sender des Netzwerks ausstrahlen. "Viva wird damit auch ein frei zugängliches Schaufenster zu unserer Programmwelt", sagte Ligtvoet.

MTV Networks, Teil des US-Medienkonzerns Viacom , ist der erste TV-Anbieter in Deutschland, der einen seiner etablierten Sender vom werbefinanzierten Geschäftsmodell in ein Bezahlangebot umwandelt. "Wir erreichen dadurch künftig eine besser ausbalancierte Verteilung der Erlöse. Ich erwarte mir davon mehr Wachstum", sagte Ligtvoet.

Alle größeren Fernsehunternehmen bemühen sich, ihre Abhängigkeit von Werbeerlösen zu verringern. Die Zahl digitaler und mobiler Verbreitungsplattformen wächst. "Unsere Strategie ist, Inhalte überall dort anzubieten, wo die Nutzer sie sehen wollen", skizzierte Ligtvoet den Branchentrend. Die Angebotsvielfalt lässt sich auf Dauer kaum ausschließlich aus der stark konjunkturabhängigen Werbung finanzieren. Zusätzliche Erlösquellen müssen her - die Sender setzen zunehmend auf Abogebühren.

Auch anderen planen mit digitalen Abosendern

So betreibt etwa die RTL Group in Deutschland bereits seit einigen Jahren drei digitale Abosender - zusätzlich zum bestehenden Angebot. Konzernchef Gerhard Zeiler will mittelfristig die Hälfte der Umsätze aus nicht werbeabhängigen Quellen erwirtschaften. Ebenso argumentiert Pro-Sieben-Sat-1 -Chef Thomas Ebeling , der den Aufbau zusätzlicher digitaler Abospartensender angekündigt hat.

Ein bestehendes Free-TV-Programm in ein Bezahlangebot umzuwandeln, hat bislang aber noch kein größerer Anbieter gewagt. Zusätzlich startet MTV den reinen Musiksender MTV brand new, ebenfalls als Bezahlangebot. Mit mehreren Kabelanbietern und der Pay-TV-Plattform Sky hat sich MTV bereits auf die Einspeisung ins Digitalbouquet geeinigt. Mit Breitband- und Mobilfunkanbietern wie Telekom, Alice und Vodafone laufen nach FTD-Informationen derzeit noch Gespräche.

Das fortwährende Siechtum des Pay-TV-Konzerns Sky belegt, wie schwierig der deutsche Markt mit seinem großen Free-TV-Angebot für Bezahlmodelle ist. Doch das ficht TV-Manager Ligtvoet nicht an. "In den kommenden fünf bis zehn Jahren wird die Pay-TV-Landschaft in Deutschland stark wachsen", so der MTV-Deutschlandchef. "Infrastrukturanbieter, etwa die Kabelnetzbetreiber, wollen wachsen - auch mit den Inhalten, die sie anbieten. Sie werden den Ausbau des Pay-TV-Angebots vorantreiben." MTV Networks betreibt mit MTV Rocks, VH 1 oder Nicktoons bereits eine Reihe digitaler Abokanäle. Die Umsätze aus diesem Geschäft haben sich nach Senderangaben in den vergangenen drei Jahren verdreifacht.

Mit dem Wechsel von MTV ins Pay TV geht Ligtvoet bewusst das Risiko ein, Marktanteile einzubüßen. Im Free TV kommen Viva und MTV derzeit auf jeweils 1,8 Prozent Marktanteil bei Zuschauern zwischen 14 und 29 Jahren. Viva allein soll 2011 auf 2,5, später auf drei Prozent kommen. "Im Werbemarkt gehen wir davon aus, dass wir zumindest einen guten Teil der Erlöse bewahren können", so Ligtvoet. Langfristig erwartet er sowohl im Werbemarkt als auch bei den Pay-TV-Umsätzen Wachstum.

Das gilt auch fürs Internet, wo gerade bei Musikvideos die Konkurrenz riesig ist: Plattformen wie Youtube oder Tape Tv liefern sie kostenlos und werbefinanziert. MTV will mit eigenen Inhalten dagegenhalten. "On-Demand-Angebote werden für uns immer wichtiger. Wir entwickeln dafür eine ganzheitliche Infrastruktur", so Ligtvoet. Ein Großteil der Onlineangebote soll künftig kostenpflichtig sein.

Gefunden in der Financial Times Deutschland.

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