Fernsehserie "Rom" Sex and Crime im alten Rom


Legionäre hauen Barbaren in Stücke, Generäle bespringen Bauernmädchen - die Fernsehserie "Rom" zeigt die Antike mit reichlich Blut und nackter Haut: Geschichte zwischen Soap und Shakespeare.
Von Teja Fiedler

Wenn ihn die Geilheit packt - und das geschieht zuverlässig in jeder Folge -, dann hält Cäsars Gefolgsmann Marc Anton auch schon mal den Vormarsch seiner Truppen für zehn Minuten auf und bespringt ein armes Bauernmädchen am Wegesrand. Immerhin nimmt er dazu seinen Offiziershelm mit dem roten Rosshaarwedel ab. Darüber hinaus ist er auch auf den Betten der römischen Damen von Rang und Namen äußerst umtriebig, und weil die anderen Helden des antiken Dramas "Rom" ebenfalls nichts anbrennen lassen, gibt es mächtig nackte Haut zu sehen im Zwölfteiler um Cäsars Aufstieg und Fall, der seit 8. Juli auf RTL II läuft.

Natürlich auch viel Blut, und das nicht zu Unrecht - das Römische Weltreich wurde mit dem Schwert und nicht mit der Bergpredigt in der Hand geschaffen. Also hacken disziplinierte Legionäre in Reih und Glied tapfer und tumb anstürmende Barbaren in Stücke, sind blutrünstige Meuchelmörder mit Dolchen nächtens unterwegs und färbt sich das Pflaster dunkelrot, wenn in Roms Straßen der Machtkampf tobt.

Irrungen und Wirrungen "normaler" Menschen

Trotz Sex und Gewalt satt ist die vom US-Spielfilm-Kanal HBO produzierte teuerste TV-Serie in der Geschichte des Senders - jede Folge kostete rund zehn Millionen Dollar - kein einfältiges Action-Spektakel in historischem Gewand. "Irgendwo zwischen Soap und Shakespeare" sei die Handlung angesiedelt, so Jonathan Stamp, historischer Berater der Produktion. Der geschichtlich verbürgte Griff Cäsars nach der Herrschaft im republikanischen Rom um 50 v. Chr. gibt dem Drama Fallhöhe und Authentizität. Die Verquickung dieses Staatsstreichs mit dem Schicksal von zwei Legionären, Lucius Vorenus und Titus Pullo, bricht gleichzeitig das große Welttheater herunter auf die Irrungen und Wirrungen "normaler" Menschen in bewegten Zeiten.

Das antike Rom, wie es in den Studios von Cinecittà entstand, wirkt zudem nicht wie eine Pappkulisse, selbst die Graffiti an den Hauswänden stimmen. Sie sind denen in Pompeji nachempfunden. Die Legionäre tragen handgearbeitete Rüstungen, die Schwerter sind so kurz, wie die der römischen Soldaten es wirklich waren, und wenn Marc Anton sich über die so schöne wie intrigante Atia hermacht, lassen ihn die stummen Sklaven im Schlafgemach kalt. Sklaven waren nichts weiter als ein Teil des Mobiliars.

Barmherzigkeit etwa war keine Tugend

"Wir haben uns bemüht, auch das Denken und Handeln der Personen so darzustellen, wie es damals war, das heißt oft: sehr verschieden von unserem heute", sagt Jonathan Stamp. Barmherzigkeit etwa war keine Tugend im alten Rom. Man schaute fasziniert, doch ungerührt zu, wie sich Gladiatoren in der Arena gegenseitig niedermetzelten, und hatte höchstens abfällige Worte für einen tödlich verwundeten Kämpfer, der den ganzen Spaß verdarb: "Verdammt noch mal, warum stirbt er ohne Begeisterung!" Und so hat auch Titus Pullo in "Rom" keine Skrupel, den Liebhaber der Frau seines Kumpels Lucius Vorenus vor den Augen des Teenies Octavius, aus dem später einmal Kaiser Augustus werden sollte, nach eingehender Folter ziemlich scheußlich umzubringen.

Er tut es so selbstverständlich, wie alle Darsteller in ihre antike Rolle schlüpfen. Wenn Ciarán Hinds seinen Legionen voranreitet, dann ist er Julius Cäsar, und Schottin Lindsay Duncan ist Servilia, die ihren Ex-Lover Cäsar verflucht. Die überwiegend britischen Schauspieler sind Könner, mehr nicht. Das hebt die Serie wohltuend vom Star-Kino ab. Von Monumental- Schinken wie "Troja", wo Achilles sich vergebens abmüht, nicht Brad Pitt zu sein.

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