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Französischer Reality-Show "Koh-Lanta": Zwei Tote und ein Dopingfall

Die an das Dschungelcamp erinnernde französische Show "Koh-Lanta" wurde nach zwei Todesfällen abgebrochen. Gegen die Produktionsfirma werden schwere Vorwürfe erhoben, die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Von Carsten Heidböhmer

Die Inseln Kambodschas sind für viele der Inbegriff des Paradieses: blaues Meer, Palmen, Traumstrände. Nicht ohne Grund ist die Insel Koh Rong Kulisse der französischen Reality-Show "Koh-Lanta", die entfernt an das deutsche "Dschungelcamp" erinnert. Zwei Todesfälle haben jedoch einen Schatten auf dieses Paradies geworfen. Gleich am ersten Drehtag der 16. Staffel von "Koh-Lanta" am 22. März starb der 25-jährige Kandidat Gérald Babin. Er war beim Tauziehen mit Krämpfen zusammengebrochen, kurz darauf erlitt er im Krankenhaus einen Herzinfarkt und starb.

Es folgte ein zweiter tragischer Todesfall: Thierry Costa, der Arzt des Fernsehteams, nahm sich Ostermontag das Leben. In einem Abschiedsbrief schrieb der 38-Jährige, er sei mit einer Medien-Kampagne "in den Schmutz gezogen" worden. Verschiedene Boulevardzeitungen hatten ihm vorgeworfen, er habe Babin zu spät geholfen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt

Doch dieser Vorwurf ist offenbar falsch. Ein Augenzeuge berichtete dem französischen Radiosender RMC, die Produktionsfirma habe ihn zunächst daran gehindert. Als Costa dann mit der medizinischen Hilfe beginnen wollte, habe er die Erste-Hilfe-Szene vor laufender Kamera noch einmal nachstellen müssen, da die erste Aufnahme vom Eingreifen des Arztes nicht sendefähig gewesen sei.

Den genauen Hergang prüft derzeit die Staatsanwaltschaft, die wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Inzwischen sind erste Ergebnisse der Autopsie durchgesickert. In Babins Blut wurden offenbar Anabolika nachgewiesen. Das berichtet die französische Tageszeitung "Le Figaro" unter Berufung auf das Magazin "Le Point". Demzufolge hat sich der Kandidat kurz vor dem Tauziehen gedopt haben. Die Staatsanwaltschaft hat diesen Bericht inzwischen dementiert. Noch lägen keine Ergebnisse vor.

40 Tage auf einer Insel

Inzwischen sind die Dreharbeiten für die aktuelle Staffel eingestellt worden, das bereits gedrehte Material wird nicht gesendet. Damit dürfte der Privatsender TF1 Verluste in Millionenhöhe erleiden. Denn "Koh-Lanta" sahen im Schnitt 7,4 Millionen Zuschauer, was dem Sender dank üppiger Werbeerlöse Einnahmen von 1,4 Millionen Euro bescherte - pro Folge.

In den deutschen Medien wird das Format vielfach als das französische "Dschungelcamp" bezeichnet - ein Vergleich, den RTL zurückweist. "Koh-Lanta" sei keine Adaption von "Ich bin ein Star - Holt mich hier raus!" und sei auch sonst nicht vergleichbar, wie ein RTL-Sprecher auf Anfrage betont. In der Tat gibt es mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten: Während sich in der französischen Show 16 unbekannte Kandidaten 40 Tage lang auf einer unbewohnten Insel durchschlagen müssen, dauert die RTL-Show lediglich 16 Tage. Die elf semiprominenten Kandidaten sitzen die meiste Zeit im Camp rum, einmal am Tag muss ein Teilnehmer eine Dschungelprüfung absolvieren.

Körper im Ausnahmezustand

Vergleichbar ist jedoch der körperliche Ausnahmezustand: Hier wie dort sind die Kandidaten von jeglicher Zivilisation abgeschnitten - und müssen gewaltige klimatische Veränderungen verkraften. Die Gefahr, dass einer der Teilnehmer kollabiert, ist in beiden Fällen sehr groß. Eine Risiko, das dem Sender offenbar bekannt ist: "Wir nehmen unsere Verantwortung für die Gesundheit der prominenten Kandidaten sehr ernst und sind uns unserer Fürsorgepflicht bewusst. Alle Kandidaten werden permanent psychologisch und ärztlich überwacht, und es ist rund um die Uhr ein Arzt mit der wichtigsten medizinischen Ausrüstung im Camp, der im Notfall helfen kann", so ein Sendersprecher.

In der aktuellen Staffel von "Ich bin ein Star" wurde aus diesem Grund der gesundheitlich instabile Helmut Berger bereits nach zwei Tagen aus dem Camp geholt. Hier ist immer der beliebte Australier Dr. Bob anwesend - der in Wirklichkeit gar kein Arzt ist, sondern Maskenbildner. Daneben ist jedoch immer auch ein Mediziner anwesend ist. Eine Vorsichtsmaßnahme, die für den Fall der Fälle lebenswichtig sein könnte. Bei "Koh-Lanta" hat es möglicherweise zu lange gedauert, bis professionelle Hilfe vor Ort war. Team-Mediziner Thierry Costa war Osteopath.