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Game of Thrones: Letzte Staffel, letzte Hoffnung – warum "Game of Thrones" endlich wieder gut werden könnte

stern-Redakteur Gernot Kramper ist ein GoT-Fan der ersten Stunde. Mit der letzten Staffel wird diese lange Liebe zu Ende gehen. Hoffentlich so blutig und furios wie die Serie begonnen hat.

Wütende Drachen, viele Skelette - das sieht doch schon mal vielversprechend aus.

Wütende Drachen, viele Skelette - das sieht doch schon mal vielversprechend aus.

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Am 15. April ist endlich wieder Drachenzeit – nach langer Abstinenz gibt es eine Dosis "Game of Thrones". Eine lange Liebe – im Februar 2011 sah ich den Trailer "An Invitation to Westeros" und schon hatte es mich erwischt. Als die Serie auf HBO im April 2012 anlief, hatte ich die meisten Bücher von George R.R. Martins Serie "A Song of Ice and Fire" bereits gelesen.

Westeros war eine gefährliche und geheimnisvolle Welt. Nichts blieb wie es zuerst schien, bei keiner Person war man sich sicher und nie wusste man, welche Folgen eine Handlung irgendwann haben konnte. Für die Verfilmung wurde das undurchdringliche Dickicht der Querverweise gelichtet, aber man blieb dem Prinzip treu. Das wurde jedem klar, als die Sympathieträger der Stark-Sippe gnadenlos getötet wurden.

Stillstand in der Pyramide

Zwischendurch gab es durchaus Längen. Wirklich lange Längen, in denen nichts passierte, aber die Serie auch nicht komplexer wurde – sie wurde einfach nur endlos. Ganz Folgen lang hockte die Drachenkönigin missmutig in ihrer Pyramide herum. Als Parallel-Handlung durfte man Cersei Lannister dabei zu sehen, wie sie das hundertste Glas Wein in sich hineinschüttete oder beleidigt aus dem Kronrat rauschte.

Mir als Zuschauer beschlich die Angst: Die Macher wussten nicht mehr, wie sie das komplexe Geflecht zu einem Ende bringen sollten. Kein Wunder, denn die inspirierende Buchreihe kam auch schon lange nicht mehr vom Fleck. Doch dann nahm die Handlung wieder Fahrt auf. Okay, die Serie erinnerte jetzt manchmal an Popcorn-Kino – dafür wurden in dem Dickicht der Handlungsfäden mächtig aufgeräumt. Die letzte Staffel war andererseits auch nur ein Vorklapp zum großen Endgame, das jetzt kommt.

Die letzte Staffel ist frei

Entsprechend groß sind jetzt meine Erwartungen. Und die Hoffnung, mal wieder etwas Überraschendes zu erleben. Denn spätestens als Jon Snow wundersam von den Toten wiederkehrte, wurde mir und anderen Fans klar, dass ein wichtiges Stilmittel der Serie auf Eis gelegt wurde: Wichtige Personen werden von nun an nicht mehr sterben.

Dass Bastard-Sohn und Drachenkönigin gemeinsam in die letzte Schlacht ziehen werden, ist seit einer Ewigkeit gesetzt. Und herrschte vorher das Gesetz des unbarmherzigen Gemetzels, waren nun die zentralen Figuren sakrosankt. Weder der bösen Königin Cersei, noch ihrem Bruder Jamie oder dem Zwerg durfte etwas zustoßen. Vom Brett wurden nur noch Nebenfiguren genommen. Oder die "Bösen", die es nach Kino-Maßstäben auch verdient hatten.

Nun in der letzten Staffel gilt die Zurückhaltung nicht mehr: Das Finale ist nun da, für das alle diese Hauptfiguren bewahrt worden sind. Und damit hat die Serie wieder aller Freiheiten in der Hand und kann damit spielen: Müssen überhaupt die Kräfte des Lebens über die Weißen Wanderer obsiegen? Oder senkt sich doch der ewige Winter über Westeros?

Vielleicht regieren Jon Snow und die vorbestimmte Daenerys Targaryen glücklich verheiratet über die sieben Königreiche. Mit Zwerg und Eunuch als weise Berater. Aber ein diabolisches Drehbuch könnte sich auch auf alte Gemeinheiten besinnen und sagen: Genug gekuschelt ihr beiden! Und eines der beiden Turteltäubchen grausam aus dem Weg räumen.

Auf den letzten Metern wird es also wieder richtig spannend – ich freue mich.  Auch wenn die Gefahr besteht, dass ich bitter enttäuscht werden könnte.

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