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TV-Serie: "Game of Thrones" – wenn der eiserne Thron über die Liebe siegt

Die Kräfte der Menschen sammeln sich vor der letzten Schlacht – alle Beziehungen werden neu geordnet, und das Traumpaar der Serie, Jon und Daenerys, muss sich endlich der Wahrheit ihres Blutes stellen.

Im letzten Moment sagt er es doch: "Mein Name ist Aegon Targaryen."

Im letzten Moment sagt er es doch: "Mein Name ist Aegon Targaryen."

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Spoiler-Alarm: Wer die Folge noch sehen möchte, sollte nicht weiterlesen.

Die erste Folge der letzten Staffel kam ohne Action aus, doch immerhin gab es ein romantisches Liebespicknick mit spektakulärem Drachenflug. Die zweite Folge bietet selbst das nicht – das Drachen- und Ritter-Epos zeigt kein Blut, keinen Kampf und auch keinen Drachen.

Dennoch löst sie alles ein, was sich der Fan wünschen kann. Das Endspiel der Serie läuft jetzt auf zwei Begegnungen hinaus: Die vereinte Armee der Menschen trifft auf den Nachtkönig und die Mutter der Drachen auf den wahren Erben des Hauses Targaryen. Aber bevor dies beides in den letzten Minuten geschieht, entwickeln sich die Personen weiter und es werden die Beziehungen geordnet. Der Moment vor der Schlacht ist dem Leben zuvor gewidmet, das ist in allen Kriegsfilmen so, hier macht "Game of Thrones" keine Ausnahme. Es ist die Abschiedsfolge.

Es treffen sich die Freunde, die Brüder und die Paare. Mörderische Mädchen wollen ihre Unschuld verlieren. Tapfere Kämpferinnen noch zu Rittern werden und alte Männer ihre Geschichten noch einmal erzählen. Da gibt es die Beichte des Königsmörders, das Brummen des Hundes, die Aussprache der Brüder Tyron und Jamie.

Die Fäden bei "Game of Thrones" werden neu geordnet

Ergreifend die Aussprache von Bran und Jamie im Götterwald. "Es tut mir leid, was ich dir angetan habe", sagt Jamie. Der Mann, der Bran einst zum Krüppel machte. "Ich bin nicht mehr dieser Mann."

"Die Dinge, die wir aus Liebe tun", hat Bran schon zuvor zu ihm gesagt und ihn so ihn so an seine dunkelste Stunde erinnert. "Du wärst immer noch dieser Mann, wenn du mich nicht aus dem Fenster gestoßen hättest", antwortet Bran dem Ritter. "Und ich wäre immer noch Bran Stark."

Im ganzen Abschiedsschmerz gibt auch es etwas zum Lachen: Tormund Riesentod berichtet, wie er zu seinem Beinamen und seiner unbändigen Kraft kam. Wohl auch, um die verdammt "große Frau" Brienne von Tart zu überreden, die Nacht vor der Schlacht mit ihm im Bett zu verbringen. Tormund tötete im Alter von nur zehn Jahren einen Riesen und schlüpfte dann ins Bett seiner Frau, die hielt den Winzling für ein Baby und säugte ihn drei Monate lang. "Deshalb bin ich so stark geworden", sagt er. "Riesenmilch." Leider wirkt seine Erzählung nicht wie gedacht, anstatt in Leidenschaft zu entbrennen, schüttelt sich die Zuhörerin.

Ein Schmied wird überwältigt

Echte Action findet nur in Gendrys Kammer statt. Der Schmied und Bastardsohn von Robert Baratheon wird von Arya Stark "klargemacht" – anders kann man die wilde und wenig romantische Begegnung kaum nennen. Bevor sie mit dem Hund Clegane, dem alten Sack, ihre letzte Nacht auf der kalten Mauer verbringt, will Arya im letzten Moment lieber ihre Unschuld verlieren. Was liegt da näher, als den alten Kinderfreund flachzulegen? Sie geht ihre Liebesnacht an wie früher ihre Attentate. Wirft den verlegenen Gendry auf die Matratze. Während sie sich ihre Kleidung vom Leib reißt, streift die Kamera über ihre Narben und die Mädchenbrust der Assasine, dann herrscht sie den Jungen an, er möge endlich seine "verdammte" Hose ausziehen.

Tyrion Lannister dürfte die Enthüllung recht sein. Der intrigante Zwerg hatte sich lange gegen seine Schwester Cersei gestellt und Daenerys Griff nach dem Thron unterstützt. Für die Mutter der Drachen scheint er Gefühle zu hegen. Nun hat er sie mit Jon zusammen gebracht. Vermutlich, ohne damit deren Affäre anfeuern zu wollen. Das könnte Folgen haben: Als man Tyrion das letzte Mal seine Liebe nahm, tötete er seinen eigenen Vater. Ist der grimmige Blick im Bild ein Omen?

Das Traum- und Königspaar von "Game of Thrones" findet erst in den letzten Minuten zusammen. Jon, der inzwischen weiß, dass er der rechtmäßige Erbe des Hauses Targaryen ist, meidet die Begegnung mit Daenerys. Doch er kann ihr nicht entkommen. Am Ende der Nacht findet sie ihn mit Tränen in den Augenwinkeln in der Tiefe der Gruft von Winterfell. Er steht vor dem Grab von Lyanna Stark – seiner wahren Mutter.

Der, der keine Worte findet

Und wieder schafft es Jon – You know nothing, Jon Snow  – nicht von sich aus, die nötigen Worte zu sprechen. Doch dann beginnt Daenerys über ihren Bruder Rhaegar, seinen wahren Vater, zu sprechen. Der Mann, der so ein guter Mensch war und doch Lyanna Stark brutal vergewaltigt hat.

Das kann Jon nun doch nicht schweigend erdulden, aus ihm bricht es gequält heraus. "Das hat er nicht. Er liebte sie." Dann erfährt Daenerys endlich, wie Rhaegar und Lyanna im Geheimen geheiratet haben. Und warum Jon als Bastardsohn von Ned Stark aufgezogen wurde, nachdem Rhaegar fiel und Lyanna verblutete. Am Schluss fällt der erlösende Satz: "Mein Name ist Aegon Targaryen."

Doch Daenerys glaubt ihrem Geliebten nicht mehr. Ihre Sorge gilt nicht ihrer Liebe und nicht der bevorstehenden Schlacht – ihre Sorge gilt dem Thron.

Dann ertönen die Hörner, der Nachtkönig steht vor den Toren – die Folge ist zu Ende. Spannend wird es weitergehen. Wer von ihnen allen wird die Schlacht überleben? Werden die Eide sie binden, oder werden die Kämpfer schwach? Welche Paare werden eine Zukunft haben und welche werden Seite an Seite sterben? Und wird die Kriegslist gelingen? Bran, das Gedächtnis der Welt, soll dieses Mal als Köder dienen. Oder wird der Nachtkönig mal wieder klüger sein als die Menschen?

Und vor allem: Führen Daenerys und Jon beziehungsweise Aegon gemeinsam das Heer der Menschen gegen die Macht der Toten – oder ist ihre Allianz und ihre Liebe schon zerbrochen?

"Game of Thrones"-Star war Bond-Girl