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Öffentlich-rechtliche Moderatorin berichtet: "Böse Briefe" wegen gendergerechter Sprache

Petra Gerster
Petra Gerster ist eine der Moderator*innen im Öffentlich-rechtlichen Rundfunk, die bewusst gendern.
© ZDF
Die ZDF-Moderatorin Petra Gerster hat erzählt, welche Reaktionen sie auf ihren Entschluss bekam, bei den "heute"-Nachrichten zu gendern. Generell gibt es dazu bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten keine einheitliche Linie

Die einen dürfen nicht, die anderen sollen gern, wieder andere machen, was sie wollen: Bei den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ist man sich in Sachen gendergerechte Sprache nicht einig. Während beim Bayerischen Rundfunk kürzlich ein Verbot fürs Gendern erteilt wurde, dürfen beim RBB vor allem die Jugendformate schon lange voran gehen und bei ZDF und ARD tun es zum Beispiel Claus Kleber und Anne Will - aber längst nicht alle anderen. Auch die ZDF-Moderatorin Petra Gerster spricht die "heute"-Nachrichten mit gendergerechter Sprache, sagt also zum Beispiel "Lehrende" oder "Lehrerinnen und Lehrer" oder auch - und das ist besonders umstritten - "Lehrer*innen". Bei letzterem wird das sogenannte Gendersternchen mit einer kurzen Pause signalisiert. Gerster sagt, beim Publikum habe schnell eine Gewöhnung eingesetzt.

"Nach meiner ersten Sendung mit Gendersternchen, im Oktober, haben sich um die 60 Leute beschwert. Das ist schon sehr viel. Böse Briefe gab's vor allem von Männern. Aber auch eine Frau schrieb mir polemisch, ob ich jetzt auch von der 'Papierkörbin' sprechen wolle. Mittlerweile sind die Beschwerden pro Sendung nur noch im einstelligen Bereich", sagte sie der "Taz". Beim ZDF stehe es jedem frei, zu gendern oder eben nicht.

Das Thema Gendern schürt viel Hass

Die Diskussion um Alternativen zum generischen Maskulinum gibt es schon länger. Vor allem Radio- und TV-Sendungen mit einer jungen Zielgruppe sind mittlerweile zur gendergerechten Sprache übergegangen. Kritiker versuchen hingegen seit Längerem, beispielsweise durch Petitionen, die Änderung im Sprachgebrauch zu verbieten. Dazu sagt Petra Gerster: "Um das Thema tobt ein ideologischer Kampf, der vornehmlich von – wie ich vermute – älteren Männern geführt wird. Manchmal geradezu hasserfüllt. Offenbar geht es hier um eine Machtfrage, um Deutungshoheit. Und um die Angst dahinter, etwas von dieser Macht an Frauen und 'andere Minderheiten' abgeben zu müssen. Ich verstehe nur nicht, was jemand durch geschlechtergerechtes Sprechen verlieren könnte."

Gerster will weiter gendern, auch wenn sie sich selbst zu Beginn schwer damit tat. "Sprache ist ja etwas Lebendiges. Sie verändert sich mit der Gesellschaft", so die 65-Jährige.

sst

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