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"Germany's next Topmodel": Landeier in Las Vegas

Mehr ackern statt gackern und ab und zu ein Ei legen: In der sechsten Folge von "Germany's next Topmodel" mussten die Mädels erkennen, dass Las Vegas nicht Oberammergau ist. Eine machte den Wackeldackel, eine den Storch und eine andere den Abflug. Sie geht jetzt studieren.

Von Mark Stöhr

Sara mochte nicht mehr in den Spiegel gucken. Der Grund: ihr Kopf. Genauer gesagt: ihr "Scheißkopf". Denn sie hätte die Prüfung gewonnen, keine Frage. Sie hätte sich den Gutschein über 1000 Dollar abgeholt und wäre fröhlich shoppen gegangen in dieser Luxusboutique, wo schon allein die Einkaufstüte über dem durchschnittlichen Hartz IV-Satz liegt. Ihr Gang durch die Shopping Mall war tiptop, nicht zu schnell und nicht zu langsam. Doch immer wenn sie so richtig schön im Groove ist, fängt ihr "Scheißkopf" an zu wackeln. Nicht zum ersten Mal. "Am liebsten möchte ich ihn mir abreißen", sagte sie und ließ viele Liter Wasser. Ein echtes Passionsspiel. Denn Las Vegas ist nicht Oberammergau. Das war eine der schmerzhaften Lektionen in der sechsten Topmodels-Folge.

Las Vegas! Stadt der Sünde! Stadt der Hochzeitskapellen und Kasinos! Oder einfach auch nur: "Eine echt abgefahrene Stadt mit all den Lampen" (Heidi Klum). Unsere Dumpfbäckchen mit den frisch gemachten Haaren bekamen ihren Mund gar nicht mehr zu. Saucool hier. Vor allem das Hotel. Das war ein Nachbau Venedigs wie aus Zuckerguss, an Scheusslichkeit nicht zu überbieten. Viel besser jedoch als das Original, fand Katrina, "weil es hier nicht so dreckig ist und stinkt". Sprach's und meldete sich sich erst einmal für den Rest der Episode krank.

Die Macher von "Germany's next Topmodel" sind bekannt für ihre verblüffenden Assoziationen. Ihre Zielvorgabe diesmal war: Wie bringen wir Las Vegas und Venedig zusammen? Ihr sagenhafter Einfall: Ein Brautmoden-Shooting! Dazu noch ein Elvis-Imitator als Bräutigam, der mit dem "King of Rock" ungefähr so viel Ähnlichkeit hatte wie Peer Steinbrück. Immerhin altersmäßig kam die Sache hin. Für Stefanie war es "schwierig, jemanden zu küssen, der älter ist als mein Vater". Sarina rechnete aus, dass "der Typ zweimal oder dreimal so alt ist wie mein Vater". Oder viermal oder fünfmal – schwer zu sagen. Sara verweigerte den Brautkuss kategorisch und fing sich eine Rüge von Heidi Gouvernante ein: "Da ist doch nichts Schlimmes bei!" Ist es doch. Der Rest: Tränen, Tränen, Tränen. So viel hat nicht einmal Prinzessin Diana nach der Hochzeitsnacht mit Prinz Charles geweint.

Da blieb selbst Juror Rolf Scheider die Spucke weg. "Ich hab einen ganz trockenen Hals", sagte er. Noch ehe ihm jemand etwas zu trinken bringen konnte, schrie er: "Ich will nach Hause zu meiner Mutter, mir ist todschlecht!" "Todschlecht", guter Begriff, kann man sich merken. Der Mann hat Höhenangst. Um sein Image als schwuchtelige Brillen-Memme abzulegen, sah er sich schon in der letzten Staffel zu einer beknackten Mutprobe in lichter Höhe berufen. Gestern bestieg er mit den Models den "Insanity Ride", eine Art Karussell für Geistesgestörte, 365 Meter über den Dächern der Stadt – und drehte durch. Nun ist er wieder zurück in Memmingen.

Der Name Las Vegas kommt aus dem Spanischen und bedeutet "Die Wiesen". Der etymologische Naturbezug inspirierte die Jury scheinbar zu mancherlei Metaphern aus der Welt der Flora und Fauna, wenn es um die Beurteilung der verbliebenen 13 Kandidatinnen ging. Als Maria sich beim Live-Walk auf 14 Zentimeter hohen Absätzen fast die Haxen brach, war sie für die Klum der "Storch im Salatbeet". Sarina sah für sie aus "wie frisch vom Bauernhof, noch mit Gummistiefeln, jetzt in Las Vegas". Sara, das zerzauste Püppchen, bekam von Scheider für die schon erwähnte Nick-Schwäche noch einmal ihr Fett ab ("Wir suchen hier nicht ‘Germany‘s next Wackeldackel‘"), Larissa legte er nahe, nicht so wie ein Pferd zu laufen ("Finesse! Wir sind hier nicht in Oberammergau im Skiurlaub!"). Die Österreicherin, wegen ihres gar nicht mal so unsympathischen Trotzkopfes zunehmend isoliert im Mädchencamp, kriegte von Peyman Amin gleich noch eins übergebraten: "Wer gackert, muss auch legen. Es wird Zeit, dass du legst und mehr ackerst als gackerst." Interessanter Reim - bloß nie im Leben von ihm selbst gedichtet.

Für eine Berlinerin war gestern Schluss. Dana, der smarte Blondschopf, ließ sich weder in Los Angeles noch beim Ausflug nach Las Vegas in die rechten Modelmaße pressen. Klum: "Du bist immer noch die Dana, die wir beim ersten Mal gesehen haben." Ein schönes Kompliment eigentlich. Die 20-Jährige trug den Rauswurf denn auch mit Fassung: "Jetzt fang ich halt an zu studieren." Dafür gibt es einen Wackedackel in Gold.